„Bei
Wolfgang Schwarz ist alles aus dem
Innersten erlebt und aus christlichem
Ethos bewältigt, gestaltet zu einer
dichterischen Vollendung, die ihn mit
seinen lyrischen, erzählenden und
dramatischen Schriften in die erste
Reihe der deutschen Dichter der
Gegenwart stellt“ – so ist nachzulesen
in der Vierteljahresschrift der Stiftung
Schlesien I/1960.
Wolfgang Schwarz wurde am 15. Mai 1916
in Tarnowitz/Oberschlesien geboren,
studierte Germanistik, Altphilologie und
Philosophie in München, Berlin, Neapel
und Breslau, wo er auch als Dramaturg am
Schlesischen Rundfunk tätig war. Während
des Zweiten Weltkrieges war er
Kommandeur einer Kosaken-Schwadron in
der Armee Wlassow. Von den Russen wurde
er zunächst zum Tode verurteilt, kehrte
nach neun Jahren sibirischer
Gefangenschaft heim. Er wurde in
Landau/Pfalz ansässig und war Professor
an der Pädagogischen Akademie in seinem
Wohnort.
Immer
ist es das russische Problem, das ihn in
seinen Bann zieht, darüber bewegen
Schwarz die Ost-West-Beziehungen und die
Fragen Europas. Aus dem oberschlesischen
Grenzland stammend, bemüht er sich um
das Verständnis des slawischen Menschen.
Die Erzählung „Die unsichtbare Brücke“
(1958) gemahnt allegorisch an die
Völkerverständigung. Zudem gab er
russische Lyrik, „Die zerbrochene Leier
des Ostens“ (1956), und Briefe
russischer Menschen, „Dies Land ist
weit“ (1959), heraus. Die Beispiele
deutsch-russischer Versöhnung fügen sich
in den Glauben ein, „daß es trotz allem
sinnvoll war, trotz der Katastrophe und
der nunmehr undurchschaubaren Zukunft
ein Akt voraus denkenden Geistes, jenen
Einklang zu schaffen, der zwischen
Deutschen und Russen untergründig
besteht.“ Bereits 1955 erschien der
Roman „Des Ostwinds eisiger Psalm“, in
dem seine schlimmen Jahre in der
Gefangenschaft beschrieben werden, wie
auch im Schauspiel „Lubljanka-Ballade“
(1956). Der Roman „Der arme Odysseus“
(1959) behandelt das tragische Ende
eines in seine Heimat zurückkehrenden
Russen. Das Raskolnikow-Thema von
Dostojewski behandelt er in dem Drama
„Die anderen und wir“.
Seine
Kriegserlebnisse schildert Wolfgang
Schwarz aber auch sehr eindringlich in
dem im Jahr 1976 erschienenen und 1984
wieder aufgelegten Buch „Kosaken – Kampf
und Untergang eines Reitervolkes“, das
von Bernhard Enden besprochen wurde und
wo u. a. nachzulesen ist: „Am Ufer des
Asowschen Meeres stellte Wolfgang
Schwarz im Herbst 1943 aus mit dem
Sowjetsystem unzufriedenen
Landeseinwohnern und Soldaten der Roten
Armee, die dem Grauen der
Kriegsgefangenenlager entrinnen wollten,
seine Freiwilligenschwadron auf. Im
Rahmen einer deutschen
Sicherungsdivision machte sie Märsche
und Kämpfe im Strudel des deutschen
Rückzuges aus dem Kaukasus mit. Über den
Don, durch die Nogaische Steppe, über
den Dnepr, Bug, Dnjestr ging es zu Pferd
und Wagen bis nach Rumänien. Im
Bahntransport gelangte die 1. Leichte
Schwadron der Freien Kosaken über das
Elsaß und den Schwarzwald 1944 nach
Kroatien zur Kosaken-Kavallerie-Division
des Generalleutnants von Pannwitz, eines
Oberschlesiers. Diese war damals das
Sammelbecken der meisten freiwilligen
russischen Reiterformationen. Im Land
zwischen Drau und Save führte dieser
Verband einen Privatkrieg mit Titos
Partisanen.“ Nach der Kapitulation
wurden sie ihrer Führer beraubt und
leisteten bei der Auslieferung an die
sowjetischen Militärbehörden
verzweifelten Widerstand.
Wolfgang Schwarz zählt auch „zu den
bekanntesten Lyrikern der
Nachkriegsgeneration“. Die Jahre seiner
russischen Gefangenschaft kommen u. a.
darin eindringlich zur Aussage, wie im
Keines der Worte,
die
ich zu wählen vermöchte,
wäre
Schlüssel genug,
dir
den Raum aufzustoßen,
in
dem ich lebe.
So
nimm denn mein Schweigen,
das
meine Feder führt,
für
die Wirklichkeit,
in
der ich bin.
Es
gibt für mich keine Grenze mehr,
seitdem ich begrenzt bin – o glaube mir,
am
wenigsten die des Lächelns
und
die des Traums.
Meine
Seele ist ausgehöhlt.
In
„Auskunft eines Schlesiers“ bekennt der
Dichter:
In
Schlesien
kam
ich zur Welt,
dem
Schachbrett
auf
dem Tische Europas
zwischen den Partnern
Berlin und Wien.
Hier
sprangen
die
elfenbeineren Pferde
der
Dichter.
Blaue
Türme aus Stahl und Eisen
rückten hier gegeneinander vor.
Hier
fielen
die
beiden Könige,
der
des Südens,
sich
drehend im Menuett,
und
der des Nordens,
abwechselnd.
Und
einmal herrschte der eine,
und
das anderen Mal
herrschte der andere.
…
Aber
auch als Herausgeber trat Wolfgang
Schwarz hervor, u. a. die schönsten
Gedichte Joseph von Eichendorffs
vorstellend in dem Bändchen „Sein
Schifflein das lag im Grunde“ oder in
dem Bildband „Schlesien in Farbe“, der
im Adam-Kraft-Verlag erschienen ist und
zu dem er die Texte schrieb.
Um
die Pflege der ostdeutschen Kultur hat
sich Schwarz große Verdienste erworben,
so auch als Mitglied der Redaktion in
der „Kulturpolitischen Korrespondenz“
des Ostdeutschen Kulturrats und der
Stiftung Kulturwerk Schlesien. Seit 1976
ist er wiederholt gewählter Vorsitzender
der Fachgruppe Schrifttum der
Künstlergilde in Eßlingen gewesen.
Wolfgang Schwarz wurde u. a. mit
folgenden Literaturpreisen geehrt:
Schillerpreis 1953, Goethering 1954,
Friedlandpreis der Heimkehrer 1960,
Ehrengabe des Thomas-Mann-Preises 1961,
Ehrengabe des Andreas-Gryphius-Preises
1963 und Erzählerpreis des Ostdeutschen
Kulturrats 1966.
Bild: Privatarchiv des
Autors.
Konrad Werner