Vor 100
Jahren, am
15.
September
1885, wurde
in Halle an
der Saale
die
Dichterin
Ina Seidel
geboren. Ihr
Vater, der
Arzt Prof.
Dr. Hermann
Seidel
(1855-1895),
war mit der
aus Riga
gebürtigen
Emma Auguste
(Emmy), geb.
Loesevitz,
verheiratet.
Ina Seidel
wuchs in
Braunschweig
auf und
lebte nach
dem Tode
ihres Vaters
mit der
Mutter in
Marburg/Lahn
(1895-1897)
und von
1897-1907 in
München. Im
Jahre 1907
heiratete
sie ihren
Vetter
Heinrich
Wolfgang
Seidel
(1876-1945)
und zog mit
ihm nach
Berlin, wo
ihr Mann
sein Amt als
Geistlicher
des
Lazarus-Kranken-
und
Diskonissen-Hauses
antrat. Im
Jahre 1908
erkrankte
Ina Seidel
bei der
Geburt ihrer
Tochter
Heilwig
lebensgefährlich
und blieb
seither zeit
ihres Lebens
schwer
gehbehindert.
Das Ehepaar
siedelte im
Jahre 1914
nach
Eberswalde
über, dort
trat
Heinrich
Wolfgang
Seidel das
Amt des 3.
Pfarrers von
Maria
Magdalenen
an. Im Jahre
1923 kehrte
die Familie,
die 1919
durch die
Geburt ihres
Sohnes Georg
– der nach
dem Tode
seiner
Mutter unter
dem Namen
Christian
Ferber zwei
wichtige
Bücher über
seine
Familie
herausgegeben
hat – größer
geworden
war, nach
Berlin
zurück, wo
Seidel
Erster
Pfarrer der
Neuen Kirche
am
Gendarmenmarkt
geworden war
und wo die
Familie bis
zu seiner
erbetenen
Pensionierung
im Jahre
1934 blieb.
Im gleichen
Jahr
erfolgte die
Übersiedlung
nach
Starnberg;
im gleichen
Jahr starb
auch Ina
Seidels
Bruder, der
Schriftsteller
Willy Seidel
(geb. 1887).
Die ersten
Buchveröffentlichungen
Ina Seidels
erschienen
während der
Jahre in
Eberswalde:
„Gedichte“
(1914),
„Neben der
Trommel“
(Gedichte,
1915), die
erste
Novelle, der
erste Roman
und „Das
Labyrinth“
(1922), ein
Roman um
Georg
Forster.
Während der
Berliner
Jahre
folgten der
Roman
„Sterne der
Heimkehr“
(1923), und
nach „Brömseshof“
(1928) neben
anderen
Werken ihr
wohl
berühmtestes
Buch, „Das
Wunschkind“
(1930), nach
ihrer
Übersiedlung
nach
Starnberg
die
Kurzbiographie
der Königin
Luise von
Preußen
(1934),
„Gesammelte
Gedichte“
(1937), der
Roman „Lennacker“
(1938), die
Erzählung
„Unser
Freund
Peregrin“
(1940) und
„Drei
Dichter der
Romantik:
Clemens
Brentano,
Bettina,
Achim von
Arnim“
(1944).
Inzwischen
war, im
Jahre 1945,
Ina Seidels
Mutter
gestorben,
im gleichen
Jahr auch
ihr Ehemann
Heinrich
Wolfgang
Seidel, der
sich im
Ruhestand
gleichfalls
als freier
Schriftsteller
hervorgetan
und damit
das Erbe
seines
Vaters (und
Onkels von
Ina Seidel),
nämlich
Heinrich
Seidels
(1842-1906),
angetreten
hatte, des
Verfassers
des
bekannten
„Leberecht
Hühnchen“.
Als weitere
Bücher Ina
Seidels
erschienen
nun u.a. der
Roman „Das
Tor der
Frühe“
(1952), die
Erzählungen
„Die
Versuchung
des
Briefträgers
Federweiß“
(1953), „Die
Geschichte
einer Frau
Berngruber“
(1953), der
Roman „Das
unverwesliche
Erbe“
(1954), die
Erzählung
„Die Fahrt
in den
Abend“
(1955). Im
gleichen
Jahr gab sie
die
Erinnerungen
ihrer Mutter
unter dem
Titel „Unvergeßliches
Riga“
heraus, die
sie mit
einer
Einleitung
versah, in
der sie
bekannte,
sie habe von
früh allem
gegenüber,
was baltisch
war, ein
Gefühl
starker
Verbundenheit
empfunden im
Bewußtsein
dessen, was
sie dem
baltischen
Erbe zu
danken habe.
Den
Erinnerungen
ihrer Mutter
folgte der
Roman
„Michaela.
Aufzeichnungen
des Jürgen
Brook“
(1959), die
Erinnerungen
„Berlin ich
vergesse
dich nicht“
(1962),
kleine
Geschichten
unter dem
Titel „Die
alte Dame
und der
Schmetterling“
(1964),
ausgewählte
Betrachtungen
und Aufsätze
unter dem
Titel „Frau
und Wort“
(1965) und
ein
„Lebensbericht“
(1970), der
erste Teil
ihrer
eigenen
Erinnerungen.
Ina Seidel
starb am 2.
Oktober 1974
in
Ebenhausen.
Ina Seidel
war Mitglied
der
Preußischen
Akademie der
Künste
(1932),
Inhaberin
einer der
ersten
Goethe-Medaillen,
Gründungsmitglied
der
Bayerischen
Akademie der
Schönen
Künste
(1948) und
Mitglied der
Berliner
Akademie der
Künste
(1955).
Lit.:
Emmy Seidel:
„Unvergeßliches
Riga“,
Einleitung
Ina Seidel (Bovenden
1955); Ina
Seidel: Aus
den
schwarzen
Wachstuchheften.
Monologe,
Notizen,
Fragmente.
Hrsg. v.
Christian
Ferber
(Stuttgart
1980);
Christian
Ferber: Die
Seidels.
Geschichte
einer
bürgerlichen
Familie
1811-1977
(Stuttgart
1979); Ina
Seidel (In:
Baltisches
Erbe, Bd. I,
hrsg. v.
Erik Thomson
(Frankfurt/Main
1964).
Erik Thomson