Zu den
bedeutendsten
ostdeutschen
Musikern der
Schütz-Zeitgenossen
gehört der
Danziger
Paul Siefert.
Geboren 1586
als Sohn
eines städtischen Prokurators, erhielt er 1607 ein Stipendium des
Danziger
Rats für
eine
Musikausbildung
bei dem
damals
berühmten
Jan
Pieterszoon
Sweelinck in
Amsterdam.
Ein Schüler
Sweelincks
gewesen zu
sein, war
eine
anerkannte
Auszeichnung
und führte
zu
besonderem
Ansehen,
galt
Sweelinck
doch in
Norddeutschland
als „der
Organistenmacher“.
Zu den
Mitschülern
Sieferts
zählten
vermutlich
Samuel
Scheidt, der
bekannte
spätere
Organist und
Komponist in
Halle, sowie
die
Hamburger
Organisten
Jacob
Praetorius
und Heinrich
Scheidemann.
Nach seiner
Rückkehr von
Amsterdam
war Siefert
zunächst
Gehilfe
(„Substitut“)
bei dem
alternden
Organisten
Cajus
Schmidtlein
an der
Großen Orgel
der
Marienkirche
in Danzig.
Nach dessen
Tod wurde er
nicht
sogleich
sein
Nachfolger,
sondern
erhielt
zunächst bis
1616 eine
Anstellung
als Organist
an der
altstädtischen
Kirche in
Königsberg,
danach als
Organist an
der
Warschauer
Hofkapelle.
1623
erreichte
Siefert in
Prag die
Nachricht
vom Tode des
Danziger
Marienorganisten
Michael
Weida,
worauf er
sofort nach
Danzig
reiste und
sich um die
frei
gewordene
Stelle
bewarb. Sie
war bereits
Samuel
Scheidt
angeboten
worden, der
selbst
ablehnte,
aber seinen
Bruder
Gottfried
zur
Bewerbung
nach Danzig
mitbrachte.
Nach der
Organistenprobe
erhielt
Seifert die
Anstellung
als Organist
an der
Großen Orgel
der
Marienkirche
auf
Lebenszeit.
Er starb
dort am 6.
Mai 1666 und
wurde unter
dem 111.
Grabstein in
der
Marienkirche
beigesetzt.
Seine
Amtszeit in
Danzig war
von ständigen
Streitigkeiten
mit dem
gleichzeitig
an St.
Marien
wirkenden
Kapellmeister
Kaspar
Förster
begleitet.
David
Crakowit,
der Kollege
an der
Chororgel
der
Marienkirche,
bezeichnete
Siefert in
einem
Beschwerdeschreiben
an den Rat
der Stadt
als ein
geradezu
„turbulentes
subjectum“.
Ebenfalls
wurde er von
dem Kaspar
Förster
nahestehenden
Warschauer
Hofkapellmeister
Marco
Scacchi
seiner
Kompositionsweise
wegen mit
einem „Cribrum
musicum ...“
(1643)
angegriffen,
wogegen er
sich mit
einer
literarischen
Streitschrift
„Antricribratio
musica ad
avenam
Scacchianam“
(1645)
energisch
zur Wehr
setzte.
Dennoch war
Siefert
einer der
bedeutendsten
Danziger
Komponisten
im 17.
Jahrhundert.
Besonders
durch seine
1640 und
1651 im
Druck
erschienenen
vier- bis
achtstimmigen
motettischen
Vertonungen
von
Lobwasser-Psalmen
(„Psalmen
Davids nach
französischer
Melodey
...“, Danzig
1640, und „Psalmorum
Davidicorum
ad Gallicam
melodiam...
Pars secunda“,
Danzig 1651)
hat er sich
für die
Weiterentwicklung
der
Motettenkunst
in der
Musikgeschichte
einen Namen
erworben.
Seine
hierbei
deutlich
werdende
Eigenart
einer
herben,
teilweise
sehr
komplizierten
Kontrapunktik
ist weniger
von seiner
Schülerschaft
Sweelincks
als vielmehr
von seiner
ostdeutschen
Verbundenheit
zur
sogenannten
„preußischen
Tonschule“
(ausgehend
von den
Königsberger
Komponisten
Johannes
Eccard
und Johann
Stobäus) zu
verstehen.
Außerdem
sind von
Siefert
einzelne
Werke der
Instrumentalmusik
überliefert,
mit denen er
einen
wertvollen
Beitrag für
die
Entwicklung,
insbesondere
der
Orgel- und
Klaviermusik
im 17.
Jahrhundert,
beigetragen
hat.
Lit.: Max Seiffert, „Paul Siefert,
Biogr.
Skizze“, in:
Vierteljahrschrift
für
Musikwissenschasft
Jg. VII,
1891;
Hermann
Rauschning,
„Geschichte
der Musik
und
Musikpflege
in
Danzig“,
Danzig 1931;
Gerda Gerdes,
„Die
Choralvariationen
J.P.
Sweelincks
und seiner
Schüler“ (Phil.Diss.),
Freiburg i.
B. 1956;
Franz Keßler,
„Danziger
Kirchenmusik,
Vokalwerke
des 16. bis
18.
Jahrhunderts“,
Neuhausen-Stuttgart
1973.
Franz Keßler