Carl Sonklar wurde in Weißkirchen
im Banat,
einer
„freien
Militär-Communität“
der
österreichischen
Militärgrenze
geboren,
einer rein
deutschen
Stadt, die
dem
„Walachisch-Illyrischen
Grenzregiment“
unterstand.
(Die Militärgrenze
erstreckte
sich entlang
der
türkischen
Grenze der
Österreichisch-Ungarischen
Monarchie.
Ihre
Aufgabe: die
Grenzgebiete
vor
Einbrüchen
der Osmanen
zu
schützen).
Hier
besuchte
Carl bis zu
seinem
zwölften
Lebensjahr
die
Normalschule.
1828 wurde
sein Vater
als
Hauptmann
ans
Romano-Banater
Regiment
versetzt,
und Carl
studierte
nun an der
mathematischen
Schule zu
Karansebesch,
erlernte die
rumänische
Sprache und
befaßte sich
bereits in
jungen
Jahren mit
der
Abfassung
einer
„Geographie“
des
Regimentsdistrikts.
1832 wurde
er Lehrer
für
Arithmetik,
Algebra und
Geographie
an der
gleichen
Anstalt. Da
sein Vater
in den
Napoleonischen
Kriegen 1809
die Passauer
Innstadt
gegen die
Franzosen
gehalten
hatte, wurde
die Familie
(dreißig
Jahre
später) in
den
erblichen
Adelsstand
mit dem
Prädikat
„von
Innstädten“
erhoben. Der
angehende
Geograph
ergänzte
seine
Kenntnisse
durch
Ausflüge in
die
Karpaten.
Die
wissenschaftlichen
Ergebnisse
wurden aber
erst
Jahrzehnte
später
ausgewertet.
Nach
siebenjähriger
Kadettendienstzeit
versetzte
man den
Leutnant
nach Agram
(Zagreb) und
bald darauf
mit seinem
Truppenkörper
nach Graz,
wo sich
Sonklar an
der
Universität
und am
Ioanneum
große
Möglichkeiten
der
Fortbildung
boten. Aber
der
steirische
Aufenthalt
war nur
Zwischenstation.
Das Regiment
kam nämlich
nach
Innsbruck,
von wo aus
Sonklar in
den Jahren
1846/47
Wanderungen
vor allem in
die
Zillertaler
und Stubaier
Alpen
unternahm
und dort
eine Reihe
von Gipfeln
erstieg.
Sein
besonderes
Augenmerk
galt der
Erforschung
des ewigen
Eises, der
alpinen
Gletscherwelt.
Von 1849 bis
1857 war er
Erzieher des
Erzherzogs
Ludwig
Victor
(1842-1919)
in
Schönbrunn.
Die
Gemäldegalerien
in Wien,
München,
Berlin,
Dresden und
Prag regten
ihn zu
kunsthistorischen
Studien an.
Das
Interesse an
geographischen
Fragen war
aber
stärker.
Ausgedehnte
Studienreisen
führten ihn
in die
steirischen
Alpen, nach
Nordtirol,
Kärnten,
Krain,
Salzburg,
Triest,
Venedig und
in die
damaligen
oberungarischen
(heute
slowakischen)
Karpaten.
1858 wurde Sonklar zum
Major befördert
und als
Lehrer an
die
Theresianische
Militärakademie
nach Wiener
Neustadt
berufen. In
diese Zeit
fruchtbarer
Lehr- und
Forschertätigkeit
fallen
Hochgebirgswanderungen,
die der
wissenschaftlichen
Beobachtung,
Erforschung,
Untersuchung,
Einteilung
und
Beschreibung
des
Alpensystems
dienten. Sie
trugen
wesentlich
dazu bei,
den Ruf
Sonklars als
eines der
bedeutendsten
deutschen
Alpenforscher
zu
begründen.
Eingehend
befaßte
er sich mit
den Hohen
Tauern, mit
der
Gebirgswelt
Tirols. Er
untersuchte
aber auch
den Karst
und
„seine“
Banater
Beige die
ihn, dessen
Mutter
Weißkirchner
Donauschwäbin
war, nicht
nur aus
wissenschaftlichem
Interesse
anzogen. Zu
seinen
grundlegenden
Werken
zählen die
„Reiseskizzen
aus den
Alpen und
Karpathen“,
1857, „Die
Gebirgsgruppe
des
Hochschwab“,
1859, „Die
Gebirgsgruppe
der Hohen
Tauern“
1866, „Die
Zillerthaler
Alpen“ 1872.
In verschiedenen
Zeitschriften
erschienen
seine
Untersuchungen
zur
Physiognomie
und
Einteilung
des
Alpensystems.
Eine
Zusammenfassung
der
Forschungsergebnisse
über das
Relief der
Erdoberfläche
bildet
Sonklars
„Allgemeine
Orographie“
(allgemeine
Gebirgsbeschreibung),
1873. Für
die vom
Alpenverein
herausgegebene
Schrift
„Anleitung
zu
wissenschaftlichen
Beobachtungen
auf
Alpenreisen“
verfaßte er
die
Abschnitte
über
Orographie,
Hydrographie
und das
Gletscherwesen.
Eine Reihe
von Studien
erschien in
den
Sitzungsberichten
der k. k.
Akademie der
Wissenschaften
in Wien und
in den
Abhandlungen
der gleichen
Institution.
Weiters
legte er
mehrere
geographische
Lehrbücher
vor. 1873
wurde er mit
41
Dienstjahren
als
Generalmajor
in den
Ruhestand
versetzt. Er
übersiedelte
nach
Innsbruck
und
unternahm
noch längere
Forschungsreisen
durch
Italien,
Frankreich,
Belgien,
Holland und
Deutschland.
Sonklar war
Mitglied der
Royal
Geographical
Society in
London, der
Gesellschaft
für Erdkunde
in Berlin,
der k. k.
Geographischen
Reichsanstalt
in Wien. Die
Sonklarspitze
(3476 m)
in den
Stubaier
Alpen trägt
seinen
Namen. Und
als sein
berühmtester
Schüler an
der Wiener
Neustädter
Militärakademie,
der
Polarforscher
und Leiter
der
Österreichisch-Ungarischen
Nordpolexpedition,
1872-1874
Julius v.
Payer,
auf drei
Hundeschlitten
bei minus 51
Grad das
neuentdeckte
Franz-Josephs-Land
(heute als
Zemljá
Franca-Iosifa
sowjetisches
Hoheitsgebiet)
bereiste,
erforschte
und
kartographisch
aufnahm,
benannte er
den großen
Gletscher
auf der
Insel Hall
nach seinem
Lehrer aus
dem fernen
Banat, der
in ihm die
Grundlagen
seines
Wissens
gelegt und
den
Entdeckerdrang
geweckt
hatte.
Lit.:
Friedrich
Umlauft:
Carl v.
Sonklar, in:
Dt.
Rundschau f.
Geogr. u.
Statistik.
Wien. Jg. 4
(1882). H.
7; Anton
Scherer: Schöpferische
Donauschwaben.
Wien 1957.
Alfred Kühn:
Carl Sonklar
v.
Innstädten.
In:
Weißkirchne
Nachr. Dez.
1966.
Anton
Scherer