Erst im 20. Jahrhundert
ist die
Bedeutung
dieses
Musikers,
Komponisten,
Musiktheoretikers
und
Schriftstellers
erkannt
worden.
Speer
bedient sich
bei seinen
Musikveröffentlichungen
und bei
seinen
schriftstellerischen
Arbeiten
gern
verschiedener
Anagramme
(Bildung
neuer Worte
mit den
gleichen
Vokalen und
Konsonanten
des
originalen
Vor- und
Nachnamens)
oder
Pseudonyme,
vereinzelt
verschweigt
er einen
Autornamen,
wie er auch
gern
fingierte
Druckorte
bei seinen
Werken
verwendet.
Mit dem
wachsenden
Interesse,
zunächst
an seinen
Kompositionen
und seinen
musiktheoretischen
Schriften,
ist es
gelungen,
seine
Biographie
unter
Heranziehung
seiner
autobiographischen
Romane in
ihren
wichtigen
Stationen
aufzuklären.
Daniel Speer ist in
Breslau als
Sohn des Kürschners
und
Zirklermeisters
Georg Speer
und seiner
Ehefrau
Margarethe
geboren und
wurde am 2.
Juli 1636
getauft. Im
achten
Lebensjahr
verlor er
seine
Eltern; er
wurde
daraufhin
vermutlich
sehr
kurzfristig
bei einem
Vetter
aufgenommen.
Noch als
achtjähriger
Knabe zog er
hinaus in
die Welt und
bildete sich
selbst durch
wache
Beobachtungsgabe.
Seine Werke
zeugen von
den
vielfachen
Anregungen
in
verschiedenen
Ländern Süd-
und
Osteuropas.
Seit
November
1667 ist er
in Göppingen
als Musiker
im Kirchen-
und
Schuldienst
tätig. Er
schreibt in
seinem
Bewerbungsschreiben
vom
3.8.1668,
„weilen ich
nu eine Zeit
lang ...
nahmlichen
Zwey Jahr
bey der
Stifts
Kirchen
alhir in
Stuttgardt
und ein Jahr
in Tübingen
bey dem
Hoch-fürstl.
Stipendio
und
Pfarr
Kirchen,
mich mit
Eyfer
aufgehalten“.
Demnach hat
er sich 1665
endgültig in
Württemberg
niedergelassen.
Seine
vielfachen
Erlebnisse
in den
Wanderjahren
spiegeln
seine drei
Simplicius-Romane.
Nach
Zwischenaufenthalten
in
Großbottwar
und Leonberg
wird er 1673
in Göppingen
Provisor und
später auch
Collaborator
und Kantor.
Zwei
politische
Schriften
zum
kriegerischen
Einfall der
Franzosen im
Jahre 1689
bringen ihm
einen
Festungsaufenthalt
ein. Er
wird,
freigelassen,
nach
Waiblingen
strafversetzt
und 1692 in
sein altes
Göppinger
Amt
zurückgerufen.
Mit seiner
ersten, an
Lebensjahren
älteren Frau
zieht er
zwei
Waisenkinder
groß; mit
seiner
zweiten
Frau, die er
1694
heiratet,
hat er zwei
Söhne, von
denen der
zweite
ebenfalls in
den
Göppinger
Schuldienst
eintritt.
Daniel Speer
stirbt am 5.
Oktober 1707
in seiner
Wahlheimatstadt
Göppingen an
den Folgen
eines
Schlaganfalls.
Der Dichtermusiker Daniel
Speer
erweckt
jetzt immer
mehr
Interesse,
vielleicht,
weil sein
Schicksal
und seine
Leistungen
bei unseren
Zeitgenossen
auf großes
Verständnis
stoßen.
Speer ist
eine der bedeutenden deutschen Musikergestalten
des 17.
Jahrhunderts.
Auf seinen
Reisen und
Wanderungen
sammelte er
viele
Kenntnisse,
die er in
seinen
zahlreichen
musikalischen
und
erzählerischen Veröffentlichungen
beschreibt.
So berichtet
er von
Balletten
(Tänzen) verschiedener Völker
(etwa der
Ungarn,
Polen,
Slowaken
u.a.), die
er darüber
hinaus im
Notenbild
festhält.
Außerdem
gibt er uns
zum ersten
Mal
Nachricht
von
verschiedenen
Musikinstrumenten,
die er in
den
einzelnen
Ländern
vorgefunden
hat, so z.
B. von der
Viola
d‘amore und
von dem
Baryton
(einer
Tenorgambe
mit
Resonanzsaiten,
die unter
dem Hals
frei entlang
laufen und
mit dem
Daumen
angezupft
werden
können). Er
schöpft sein
Wissen nicht
so sehr aus
gelehrten
Büchern
anderer
Autoren,
sondern aus
eigenen
Beobachtungen.
Mit seinen
von
Instumenten
und mit
Generalbaß
begleiteten
Arien nimmt
er für das
17.
Jahrhundert
im deutschen
Sprachraum
historisch
einen
wichtigen
Platz ein.
Als
ausgebildeter
Stadtpfeifer,
besonders
als
Zinkenist,
bietet er in
seinen
Drucken
interessante
Werke für
Bläser an,
die bei den
sich jetzt
sehr
vermehrenden
Blechbläserensembles
immer
beliebter
werden. Auch
seine
Einfachheit
anstrebenden
Kirchenkompositionen
finden seit
neuestem
Aufmerksamkeit.
Neben seinem
ersten
großen Roman
Ungarischer
oder
Dacianischer
Simplicissimus
von 1683
sind in den
letzten
fünfzig
Jahren auch
etliche
Instrumentalkompositionen,
vereinzelt
auch
Generalbaßarien
und vor
allem seine
umfassende
musiktheoretische
Schrift
„Grund =
richtiger /
Kurtz=
Leicht = und
Nöthiger /
jetzt Wol =
vermehrter
Unterricht
der
Musicalischen
Kunst. Oder
/ Vierfaches
Musicalisches
Kleeblatt“
von 1697 im
Neudruck
vorgelegt
worden. Ein
Porträt
Daniel
Speers ist
bisher nicht
nachweisbar.
Lit.:
Daniel
Speer,
Grundrichtiger
Unterricht
der
musikalischen
Kunst oder
Vierfaches
musikalisches
Kleeblatt,
Edition
Peters
Leipzig 1974
(Fotomechanischer
Nachdruck
der
Orginalausgabe
Ulm 1697 und
ausgewählter
Abschnitte
der Ausgabe
Ulm 1687.
Mit einem
Nachwort
hrg. von
Isolde
Ahlgrimm.
Biographische
Skizze und
Werkverzeichnis
von Felix
Burkhardt.)
– Hans
Joachim
Moser,
Daniel Speer
als Dichter
und Musiker,
in: Musik in
Zeit und
Raum.
Ausgewählte
Abhandlungen
(von H. J.
Moser),
Merseburger
Berlin
(1960), S.
119-144. –
Zoltan Falvy,
Speer:
Mucalisch-Türckischer
Eulen-Spiegel,
in: Studia
Musicologica
12. Bd.
Budapest
1970, S.
131-151.
Hubert
Unverricht