Ostgalizien,
das „Schtetl“,
eine
jiddisch-fromme
Chagall-Welt,
formte seine
Kindheit,
obwohl er
bald sein
eigenes
Heil, seinen
eigenen Gott
suchen ging.
1916 zog es
ihn nach
Wien, damals
schon ein
Zentrum der
Psychoanalyse.
Was lag da
näher, als
Psychologie
zu
studieren.
Er wurde
Schüler und
Mitarbeiter
Alfred
Adlers, des
Begründers
der
vergleichenden
Individualpsychologie.
Überzeugter
Marxist, der
er geworden
war, lebte
Sperber von
1927 bis
1933 in
Berlin und
gab dort
eine
Zeitschrift
für
individualpsychologische
Pädagogik
und
Psychohygiene
heraus. 1933
flüchtete er
über Wien
und
Jugoslawien
nach
Frankreich.
Hier vollzog
sich um 1937
auch seine
Abkehr vom
Kommunismus.
Sperber war
nie ein
Verräter;
sein Bruch
vollzog sich
ohne
Ressentiment.
Nur, sein
wacher Geist
sah hinter
die Dinge
von Parolen,
Programmen
und Dogmen.
So war
Sperber ein
steter
Wahrheitsucher,
unterwegs
auf der
Suche nach
der Welt der
Humanität.
Er glaubte
sie im
Kommunismus
und
Sozialismus
zu finden.
Seine Suche
schloß
Irrtum und
Korrektur
gleichzeitig
ein. Das
gibt dem
Dichterphilosophen
Manes
Sperber
Größe und
Rang.
Brillanter
Dialektiker,
der er, am
Marxismus
geschult,
stets blieb,
untersuchte
er mit
intellektuellem
Vergnügen
und einem
geistigen
Erfahrungsreichtum
mit der
Souveränität
des
Wissenden
die
Strukturen
unserer
Gesellschaft
der letzten
Jahrzehnte,
ohne „Gewißheiten
zu bieten“,
wie er
selbst
einräumt.
Sperber wird
zu einem der
großen
Stilisten
der neueren
europäischen
Literatur.
Die
Romantrilogie
„Wie eine
Träne im
Ozean“
(1949-1955)
bündelt
seine
Erfahrungen,
Einsichten,
Erkenntnisse
zu einem
Buch der
Weisheit,
der Klage
ohne
Anklage,
auch der
eigenen
Schuld.
Zugleich ist
es ein
„literarisches
Dokument der
großen
Tragödie des
europäischen
Intellektuellen“
(Walter
Karsch).
Sperbers
Werk, das
immer einen
Bekenntnischarakter
trug, rundet
sich mit
seiner
ebenfalls
dreiteilig
angelegten
Autobiographie
„All das
Vergangene
...“ mit den
Bänden „Die
Wasserträger
Gottes“
(1974), „Die
vergebliche
Warnung“
(1975) und
„Bis man mir
Scherben auf
die Augen
legt“ (1977)
zur großen
Konfession
eines
erfüllten
Lebens. Im
Widerschein
der
Kindheitserinnerung
gewinnt
Sperbers
Leben noch
einmal Glanz
und
altersweise
Harmonie.
1983 wurde
er mit dem
Friedenspreis
des
Deutschen
Buchhandels
geehrt,
Manès
Sperber, der
Wasserträger
Gottes, der
Revolutionär
des Humanen,
der
Widerstandskämpfer
ohne Waffen,
der
Fürsprecher
der Armen
und
Entrechteten
sagte in
seiner
Dankesrede
zur
Friedenspreisverleihung,
die er,
schon
todkrank,
von seinem
Freund, dem
Publizisten
Alfred
Grosser,
vorlesen
ließ: Ja,
ich glaube
an die
Botschaft
meines
Ahnen: an
das Kommen
des ewigen
Friedens, an
die
Verwandlung
der
Schwerter in
Pflugscharen“.
Werke:
(in Auswahl)
Zur Analyse
der Tyrannis.
Das Unglück,
begabt zu
sein, Ess.
1939; Die
Liebe u.
Casanova,
Ess. 1967;
Wie eine
Träne im
Ozean, Fssp.
in 3 F.
1970; Alfred
Adler oder
das Elend
der
Psychologie,
Mongr. 1970;
Leben in
dieser Zeit,
Sieben
Fragen zur
Gewalt,
1972; Wir u.
Dostojewski,
1972;
Churban oder
die
unfaßbare
Gewißheit,
Ess.-Slg.
1979; Nur
eine Brücke
zwischen
Gestern und
Morgen, Sk.
m. Aufs.
1980; Essays
zur
täglichen
Weltgeschichte,
1981; All
dies
Vergangene.
. . (1983).
Lit.:
Lexikon der
deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur.
München,
1981;
dtv-Lexikon
der
Weltliteratur,
hrsg. G. v.
Wilpert,
München,
1971. Franz
Lennartz,
Deutsche
Schriftsteller
der
Gegenwart,
1978.
Arnfried
Thomas