In Stettin
wurde Clara
von Sydow
als Tochter
eines
Militärpfarrers
in zweiter
Ehe am
17.6.1854
geboren, als
ältestes von
7 Kindern.
Schon 1857
wurde ihr
Vater als
Superintendent
auf die
Halbinsel
Wittow im
Norden
Rügens, nach
Altenkirchen
versetzt,
dessen
Kirche zu
den
ältesten in
ganz Pommern
zählt. In
dieser
ländlichen
Umgebung
verlebte
Clara
unbeschwerte
Jugendjahre;
Erzieherinnen,
ein
Hauslehrer,
doch vor
allem ihr
Vater
sorgten für
schulische
Bildung und
ihre
geistige
Entwicklung.
Ihr erster
Ausflug zur
Küste mit
Strandleben
und Spiel in
den Wellen
muß ihr ein
tiefes und
fortwirkendes
Erlebnis
gewesen
sein. Schon
mit 8 Jahren
verfaßte sie
ein Gedicht,
mußte aber
auch bereits
den Tod
ihres
jüngsten
Brüderchens
erleben.
Mit ihrem
Vater durfte
sie 12jährig
nach Berlin
zu ihrem
Onkel, dem
Geographen
Emil von
Sydow,
dessen Atlas
sie schon
aus dem
Bücherschrank
ihres Vaters
kannte. Auch
Oper und
Schauspiel
erlebte sie
und am
voller
Eindrücke
und großer
Träume in
ihr stilles
Dorf zurück.
Ein Jahr
später
konnte sie
in
Frankfurt/Oder
die höhere
Töchterschule
besuchen,
ihre guten
Aufsätze
machten dort
besonderen
Eindruck,
zeugten von
Begabung.
Mit 15
Jahren war
sie wieder
in
Altenkirchen,
lernte die
Hauswirtschaft
und
beteiligte
sich an der
Ausbildung
der jüngeren
Geschwister.
Lerneifer
und
Tatendrang
ließen sie
aber auch
zur Feder
greifen,
erste
Prosaversuche
entstanden,
wenn auch
nicht zur
Freude des
Vaters, der
dies für
Zeitverschwendung
hielt. Sie
aber blieb
unbeirrt.
Ihr Vater
zeigte eine
Arbeit Paul
Heyse
(Nobelpreis
1910) und
ließ sie
dann – stolz
auf dessen
Urteil –
gewähren.
Innerer
Schwung
führte sie
für ein
weiteres
Jahr nach
Frankfurt/Oder,
von wo sie
als
examinierte
Lehrerin auf
die Insel
zurückkehrte,
dort
Entspannung
fand und als
„ältere
Schwester“
Pflichten
übernahm.
Gelegentlich
durfte sie
den Vater
begleiten,
für sie
waren dies
„Bildungsfahrten“.
Ihr reger
Kontakt mit
Ernst von
Wildenbruch
(18451909),
dem in
Beirut
geborenen
Enkel des
Prinzen
Louis
Ferdinand
von Preußen,
dem sie in
Frankfurt
begegnet
war,
förderte
ihre Passion
weiter und
vor allem
ihren Eifer,
sich
gleichfalls
literarisch
– wie er –
zu bewähren.
In der
„Deutschen
Rundschau“
wie in
„Westermanns
Monatsheften“
und der
„Gartenlaube“
finden wir
erste,
kleinere
Arbeiten,
die später
gesammelt
unter dem
Titel „Alte
Gefährten“
als Buch
erscheinen.
Für die
Verlage
wurde sie
interessant,
und es gab
nun auch
Aufträge für
die junge
Autorin,
Kritiker
meldeten
sich
vergleichend
zu Wort. Als
der Vater
1886 mit 75
Jahren
starb, ging
das
ländliche
und
weitgehend
doch
sorgenfreie
Leben auf
Wittow zu
Ende. Man
übersiedelte
1887 nach
Berlin, um
den dort
auszubildenden
Brüdern nahe
zu bleiben,
ein neuer
Lebensabschnitt
begann für
Clara. Die
nun
33jährige
setzte hier
verstärkt
ihre
literarischen
Arbeiten
fort, Natur,
Heimat und
soziale
Probleme der
Zeit waren
die
bestimmenden
Themen; die
Junge
Reichshauptstadt
bot genügend
Stoff und
zeigte
andererseits
große
Lese-Bereitschaft.
Um die
Jahrhundertwende
wurde es
stiller um
die junge
Frau, doch
starben im
ersten neuen
Jahrzehnt
auch Mutter,
zwei
Schwestern
sowie ihr
Schwager, in
dessen Haus
sie einst
ihre
Frankfurter
Zeit
verbringen
durfte.
Unaufgeführt
blieb trotz
mehrfachem
Interesse
ihr
historisches
Drama
„Annina von
Murano“, das
1911
herauskam.
Mit ihrem
Werk
„Einsamkeiten“,
erschienen
1911 bei
Beck in
München, hat
Clara von
Sydow uns
wohl ihr
wichtigstes
und reifstes
Werk
hinterlassen,
das damals
große
Beachtung
gefunden
hat. Ihr
starkes
Empfinden
für die so
unbegreifliche
Schönheit
der Natur,
ihr
Bekenntnis
zur Heimat
Rügen wurden
hervorgehoben.
Ob in dieser
Weise heute
noch
Aufnahme-Bereitschaft
für ihre
Darstellung
besteht, die
innere
Bereitschaft
und eigenes
Mitgehen
verlangt,
ist
zweifelhaft
in unserer
so unruhigen
Zeit. Es mag
schon damals
die
Aufregung
und
allgemeine
Hetze der
Großstadt,
vielleicht
auch ein
wenig
Resignation
gewesen
sein, die
Clara von
Sydow doch
wieder in
die Ruhe und
Gelassenheit
ihrer
pommerschen
Heimat zog,
wo sie
74jährig am
18.11.1928
in Stralsund
gestorben
ist.
Lit.:
Zschr.
Pommern,
KunstGeschichteVolkstum.
Heft 1/1969.
– Max Guhlke:
Pomm.
Literaturgeschichte,
Stettin
1912. –
Fritz Raeck:
Pomm.
Literatur,
Proben u.
Daten, 1969.
Bild:
Pommern.
Kunst,
Geschichte,
Volkstum.
Heft 1
(1969), S.
26.
Friedrich
Birkholz