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Kurt Tank wurde als Sohn
eines Strombauwartes der wasserbautechnischen Kanalverwaltung im
Bromberger Stadtteil Schwedenhöhe geboren. Er besuchte in Nakel, einem
westlich von Bromberg gelegenen Städtchen, das Gymnasium, das er 1914
nach bestandenem Abitur verließ. Als Kriegsfreiwilliger trat er in das
Grenadier-Regiment zu Pferde in Bromberg ein, wurde aber 1915 in das
Infanterie-Regiment Nr. 71 versetzt und in diesem 1916 zum Leutnant
befördert. Im April 1919 schied er aus dem Heeresdienst aus und
arbeitete von Mai bis November desselben Jahres in der Berliner
Maschinenfabrik Orenstein & Koppel als Praktikant. Anschließend
studierte der technisch interessierte und flugbegeisterte Bromberger bis
1924 an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg
(Elektrotechnik und Maschinenbau) und an der Berliner Universität bei
Albert Einstein (Theoretische Physik). Der Start in das Berufsleben im
April 1924 war für Tank zugleich der entscheidende Schritt: Er wurde
Leiter der Aerodynamischen Abteilung und der Flugerprobung beim
Rohrbach-Metallflugzeugbau. Von nun an war der Flugzeugbau sein
Lebensinhalt. 1930 bis 1931 war er bei den Bayerischen Flugzeugwerken
tätig. Im November 1931 wechselte er als technischer Leiter und
Chefkonstrukteur zu Focke-Wulf in Bremen, wo er bis 1945 blieb. Hier
entstand die große Reihe seiner erfolgreichen Flugzeugtypen, die er alle
selber testete. Von seinem Reißbrett stammte das viermotorige
Großverkehrs- und Langstreckenflugzeug „Condor" (FW 200/C), das 1938 als
erste Passagiermaschine im Nonstopflug in 45 Stunden den Atlantik
überquerte. Er konstruierte das Übungsflugzeug „Weihe" mit dem ersten
Einziehfahrwerk, die FW „Stieglitz", „Stößer" und die Kriegstypen FW
187, 189 und 190. Die FW 189 war der bis 1941 modernste Aufklärer mit
Doppelrumpf. Das seinerzeit schnellste Jagdflugzeug der Welt wurde die
Ta 152, der gegen Ende des Krieges eingesetzte erste „Düsenjäger". Mit
dieser Konstruktion eines Höhenjägers mit Druckkabine gelang ihm der
Sprung ins Zeitalter der Strahlflugzeuge. Die fertigen Baupläne für eine
Weiterentwicklung dieses Jägers (Ta 183), die in Berlin zur Entscheidung
vorlagen, fielen dort bei Kriegsende den sowjetischen Truppen in die
Hände. Nach Ansicht deutscher Fachleute wurden sie zur Grundlage der MiG
15, die im Koreakrieg verwendet wurde. Am 12. Januar 1940 wurde Tank
durch die Verleihung der Lilienthal-Gedenkmünze besonders ausgezeichnet,
1943 bekam er den Professorentitel verliehen.
Nach dem Zweiten
Weltkrieg, als in Deutschland an Flugzeugbau zunächst nicht zu denken
war, wurde Tank von der Sowjetunion eingeladen, für diese zu arbeiten.
Er lehnte aber ab und ging stattdessen nach Argentinien. Dort
entwickelte er im Auftrag der Regierung den Düsenjäger „Pulqui II"
(„Pfeil"), der eine Geschwindigkeit von 1035 km erreichte. Kurz nach dem
Sturz des Präsidenten Juan Perón wechselte Tank mit 14 deutschen
Mitarbeitern nach Indien. Von 1956 bis 1967 konstruierte er in Bengalore
den „Hindustan Fighter HF 24", einen Überschalljäger, dessen Prototyp er
ebenfalls selbst erprobte, obwohl er damals bereits über 60 Jahre alt
war. Nach dem Urteil westlicher Militärfachleute war dieses Flugzeug dem
damals in der NATO geflogenen Typ Fiat G 91 durchaus ebenbürtig. Von der
HF 24 erhielt die indische Luftwaffe nur 95 Stück, da die
Serienherstellung unter dem damaligen russophilen Verteidigungsminister
Krishna Menon eingestellt und dafür die sowjetische MIG 21 in Lizenz
nachgebaut wurde. Da man die HF 24 zusammen mit Ägypten
weiterzuentwickeln beabsichtigte, ging Tank nach Ägypten, wo er auch
eine Luftfahrtindustrie aufbauen sollte. Aber beide Pläne scheiterten
infolge des Sechstagekrieges im Juni 1967. Tank kehrte nach Deutschland
zurück und nahm in München seinen Wohnsitz. Noch im Alter befaßte er
sich mit der Konstruktion eines Hybridflugzeugs, halb
Hochgeschwindigkeitsflugzeug, halb Helikopter.
Professor Tank war einer
der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Flugzeugkonstrukteure. Er
begleitete alle wesentlichen Entwicklungen im deutschen Flugzeugbau vor
1945, vom Segelflieger bis zum ersten Düsenjäger der Welt, und hatte
über fünfzig Jahre lang maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der
deutschen und internationalen Luftfahrt.
Lit.:
H. Conradis: Nerven, Herz und Rechenschieber. Kurt Tank, 1955. - H.
Winter: Kurt Tank, in: Zeitschrift für Flugwissenschaft 11 (1963). - Der
Westpreuße 20 (1968), Nr. 4, S. 4; 30 (1978), Nr. 4, S. 10; 35 (1983),
Nr. 12, S. 2. - Bromberg 20 (1978), Nr. 56, S. 11; 25 (1983), Nr. 71, S.
IV. Bild: Pressearchiv „Der Westpreuße«, Münster i. W.
Hugo
Rasmus
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