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Über Tauentzien sagte Friedrich der Große: „Und ich sehe niemals darauf,
ob jemand reich oder arm ist, wenn er nur Verdienste hat. Alsdann kann
ein Armer auch reich werden, wie zum Beispiel der von Tauentzien, der
von Hause aus nichts gehabt und zu einem Vermögen von wenigstens 150 000
Talern gelangt ist.“ Friedrich Bogislaw von Tauentzien wurde am 18.
April 1710 auf Tauentzien, dem Familiensitz in der Herrschaft Lauenburg
in Hinterpommern geboren. Mit 15 Jahren wurde er in das Kadettenkorps
aufgenommen und trat 1728 als Fahnenjunker in das König-Regiment ein.
1734 wurde er Fähnrich, doch erst 1740 wurde er von Friedrich II. zum
Secondelieutenant mit Hauptmannsrang im 1. Bataillon Leibgarde befördert
und gleichzeitig zum Adjutanten ernannt. Bei Mollwitz 1741 zeichnete er
sich durch große Tapferkeit aus und erhielt als einer der ersten den
Orden pour le mérite. 1744 kommandierte er als Major ein
Grenadierbataillon und behauptete nach der Schlacht bei Hohenfriedberg
sechs Wochen lang mit zwei Bataillonen einen vorgeschobenen Posten bei
Neustadt an der böhmischen Grenze gegen stark überlegene österreichische
Truppen. 1756 wurde er Major bei der Garde, im Jahr darauf Oberst und
kommandierte 1757 in der Schlacht von Kolin ein Garde-Bataillon, das den
Angriff von mehreren feindlichen Bataillonen abwehrte. Die Verluste des
Bataillons betrugen 24 Offiziere und 475 Mann, während Tauentzien selbst
schwer verwundet wurde. Wieder genesen, zeichnete er sich 1758 im Korps
des Prinzen Heinrich aus. Unter anderem nahm er am 1. Februar mit nur
100 Freiwilligen in einem Handstreich die 300 Mann starke französische
Garnison von Hornburg bei Halberstadt gefangen. Ende des Jahres ernannte
ihn der König zum Generalmajor und Interimskommandanten von Breslau,
„... da er in gegenwärtigem Kriege sich bei so vielen importanten
Gelegenheiten dergestalt distinguiert“, wie es der König begründete.
Dort sollte sich Tauentziehn bei der Belagerung der Stadt im Jahre 1760
auszeichnen. Am 23. Juni 1760 hatte Laudon das Korps des Generals Fouqué
bei Landeshut vernichtend geschlagen und die Reste gefangen genommmen.
Am 26. Juli eroberte Laudon die Festung Glatz im Sturmangriff und wandte
sich nunmehr gegen Breslau. Zugleich bestand die Gefahr, daß sich die
österreichischen Truppen Laudons mit den russischen Truppen Soltikovs
vereinigten, die von Posen gegen Schlesien vorrückten. Um den Russen den
Weg auf das linke Oderufer zu öffnen, griff Laudon Breslau mit dem Ziel
an, die Stadt vor dem Eintreffen der Russen zu nehmen. Am l. August
begann an die Beschießung der Stadt, in der lediglich 3000 Mann
preußisch Soldaten, aber 9000 österreichische Gefangene lagen. Angebote
Ludons zur Kapitulation wies Tauentzien zurück. Als Laudon drohte, daß
im Falle der Weigerung auch das Kind im Mutterleib nicht geschont werden
würde, ließ Tauentzien entgegnen: „Ich bin nicht schwanger und meine
Soldaten sind es auch nicht“. Am 2. August ließ Tauentzien die Vorstädte
niederbrennen, um einen österreichisch Sturmangriff zu verhindern.
Laudon brach daraufhin die Belagerung ab, da auch die Russen nicht
schnell genug herankamen. Diese gelangten erst 6. August über Militsch
nach Hundsfeld kurz vor Breslau, wo sie statt der erwarteten
Österreicher nun Preußen vorfanden. Damit war die Gefahr einer
Vereinigung von Russen und Österreichern beseitigt. Tauentzien wurde für
die Verteidigung Breslaus zum Generalleutnant befördert und erhielt den
Schwarzen Adlerorden. 1762 erhielt er den Befehl über ein Korps
für die Belagerung Schweidnitz‘, dessen Garnison etwa 10 000 Mann
aufwies. Die Belagerung erwies sich jedoch als schwierig, so dass die
Festung unter ihrem äußerst energischen österreichischen Kommandanten
erst nach 61 Tagen kapitulierte – der König hatte mit 12 Tagen
gerechnet. Nach dem Frieden von Hubertusburg erhielt Tauentzien das
Regiment Nr. 31 und wurde zum Gouverneur von Breslau ernannt und bekam
außerdem die Inspektion über die schlesische Infanterie. Diese behielt
Tauentzien bis zum Jahre 1784, als der König nach dem großen Manöver in
einem Brief an Tauentzien die Leistungen der schlesischen Infanterie
heftig kritisierte, worauf Tauentzien von seinem Posten als Inspekteur
zurücktrat. Seit 1775 General der Infanterie, blieb Tauentzien jedoch
bis zu seinem Tode Gouverneur von Breslau und Regimentschef. Außerdem
verlieh Friedrich der Große ihm eine Domherrenstelle zu Brandenburg und
eine weitere in Magdeburg, letztere war mit der Erlaubnis zur
Veräußerung verbunden. Als Gouverneur von Breslau betrieb Tauentzien vor
allem den Ausbau der Festung. Die alten Außenwerke auf dem linken
Oderufer wurden erneuert, aber auch der rechte Stadtteil erhielt
Verstärkungen und Schanzen, von denen der Springstern hinter dem Dom die
bekannteste ist. Als Gouverneur wohnte Tauentzien in der Junkerstraße 2,
einem Haus, das er 1764 vom Fürsten Radziwill erwarb. Bei der Breslauer
Bevölkerung, die damals eher Österreich zuneigte, war er wenig beliebt,
hauptsächlich deshalb, weil er für die Belange der Bürger kaum
Verständnis aufbrachte. Durch und durch Militär, war es für ihn
selbstverständlich, daß die Erfordernisse des Militärs immer und überall
Vorrang besaßen. Tauentzien war kein herausragender Truppenführer, doch
zeichnete er sich durch hervorragende Tapferkeit und Standhaftigkeit
aus. Gotthold Ephraim Lessing, sein Sekretär von 1760-1764, schrieb über
ihn: „Wäre der König von Preußen so unglücklich geworden, seine Armee
unter einem Baume versammeln zu können, General Tauentzien hätte gewiß
unter diesem Baume gestanden“. Zweifellos hatten sich hier zwei
grundverschiedene Charaktere getroffen, doch wie Goethe schrieb, gefiel
sich Lessing „...in einem zerstreuten Wirtshaus- und Weltleben, da er
gegen sein mächtig arbeitendes Innere stets ein gewaltiges Gegengewicht
brauchte, und so hatte er sich auch in das Gefolge des Generals
Tauentzien begeben“. Minna von Barnhelm war das literarische Ergebnis
dieser vier Jahre, ein Stück, das nach dem Urteil Goethes „... zwischen
Krieg und Frieden, zwischen Haß und Neigung“ erzeugt wurde, „... die
erste, aus dem bedeutenden Leben gegriffene Theaterproduktion von
spezifisch temporärem Gehalt.“ So finden sich in der Figur des Majors
von Teilheim manche Züge Tauentziens wieder, der am 21. März 1791 in
Breslau starb.
Lit.:
J[ohann] D[avid] E[rdmann] Preuß.: Friedrich der Große. Eine
Lebensgeschichte. Bd. MV, Berlin 1832-1834. – Hannsjoachim W. Koch:
Geschichte Preußens, 2. Auflage, München 1981. – Otto Busch:
Militärsystem und Sozialleben im alten Preußen 1713-1807. Durchgesehene,
um das Vorwort zur Taschenbuchausgabe und den bibliographischen Nachtrag
erweiterte Edition, Ullstein TB Nr. 35082, Frankfurt/Main-Berlin-Wien
1981. –Generalfeldmarschall Graf Alfred von Schlieffen: Gesammelte
Schriften. Bd. II, Berlin 1913. – Curt Jany: Geschichte der Königlich
Preußischen Armee bis zum Jahre 1807. Band I-IIl, Berlin 1928-1930. J.W.
Goethe: Dichtung und Wahrheit, Teil l (1811). – G. E. Lessing: Minna von
Barnhelm. Ein Lustspiel in fünf Aufzügen. (1767).
Bild:
Kupferstich, unbekannter Stecher. Dr. Elmar Mauch, Bad Mergentheim.
Romedio Graf Thun-Hohenstein
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