Max Tau war
1950 der
erste
Preisträger
des neu
geschaffenen
Friedenspreises
des
Deutschen
Buchhandels.
Mit dieser
Auszeichnung
sollte der
Schriftsteller
für seine
umfassenden
Verdienste
in Leben und
Werk
gewürdigt
und ihm für
seine
Haltung
gegenüber
der alten
Heimat
gedankt
werden, wie
es bei der
Preisverleihung
hieß.
Max Tau
wuchs in
seiner
Heimatstadt
Beuthen in
einem von
jüdischen
Traditionen
geprägten
Elternhaus
auf. Als
schmächtiger
und
kränklicher
Junge
verbrachte
er die
Ferien oft
auf dem
ostpreußischen
Hof seines
Großvaters.
Dem Wunsch
seines
Vaters, wie
dieser
Kaufmann zu
werden,
entsprach er
nicht,
sondern
wandte sich
der
Literatur
zu. In
Berlin und
Hamburg
studierte
Tau
Literaturwissenschaft,
Philosophie
und
Psychologie.
1927 schloß
er sein
Studium im
Kiel mit der
Promotion
ab. Bereits
vorher hatte
Tau
begonnen,
als Lektor
zu arbeiten
und für die
Deutsche
Rundschau
und die
Frankfurter
Zeitung
zu
schreiben.
Als Lektor
und Berater
im Verlag
des
Schlesiers
Bruno
Cassierer
kam er mit
dem
literarischen
Berlin der
zwanziger
Jahre in
Verbindung
und wurde
Mentor und
Förderer
vieler
junger
Talente.
Seine
Aufmerksamkeit
galt vor
allem
unbekannten
schlesischen
Dichtern,
wie Bruno
Arndt, Hans
Christoph
Kaergel,
Hermann
Stehr, Josef
Wiessalla
und August
Scholtis
sowie
norwegischen
Dichtern,
etwa Knut
Hamsun,
Sigrid
Undset,
Johan
Falkberget,
Björn
Björnson und
Olav Duun.
Es kann als
ein großes
Verdienst
Max Taus
angesehen
werden, daß
er die
norwegische
Dichtung der
ersten
Hälfte des
20.
Jahrhunderts
in
Deutschland
bekannt
machte und
ihr dadurch
den Weg zu
weltweiter
Anerkennung
ebnete.
Norwegen
dankte ihm
sein
Engagement
1944 mit der
Verleihung
der
Staatsbürgerschaft.
Ende 1938
war Max Tau
nach
Norwegen
geflüchtet,
1942 nach
Schweden, um
aber 1946
nach
Norwegen
zurückzukehren,
das ihm eine
zweite
Heimat
wurde.
”Auf der
schweren
Flucht von
Norwegen
nach
Schweden war
es mir, als
ob ich dem
Tode zum
ersten Mal
ins Gesicht
schaute.
[...] Auf
dieser
Flucht
beschloß ich
aufzuschreiben,
wie ein
Mensch von
jüdischen
Eltern, ein
echter
Oberschlesier,
über das
Leben denkt.
Es sollte
der
Gegenbeweis
gegen alle
Verleumdungen
von Adolf
Hitler sein.
Ich glaubte
nicht den
Krieg zu
überleben...”,
bekennt Max
Tau 1956 in
einem Brief.
Der erste
Teil seiner
Autobiographie
entstand:
Das Land,
das ich
verlassen
mußte
(Dt. 1961).
Später
folgten
Ein
Flüchtling
findet sein
Land
(Dt. 1964)
und Auf
dem Weg zur
Versöhnung
(Dt. 1968).
Bereits
vorher waren
seine
autobiographisch
geprägten
Romane
Glaube an
den Menschen
(Dt. 1948)
und Denn
über uns ist
der Himmel
(Dt. 1955)
zunächst in
Norwegen,
dann in
Deutschland,
erschienen.
Taus Ruhm
als
Schriftsteller
und Erzähler
beruht auf
diesen
Werken. Sein
Oeuvre
umfaßt
jedoch auch
zahlreiche
kulturkritische
Essays und
Zeitschriftenartikel,
beispielsweise
zu Hermann
Stehr, Nelly
Sachs oder
dem
griechischen
Dichter
Nikos
Kazantzakis,
und ein Buch
über den
schlesischen
Schriftsteller
Bruno Arndt.
In seinen
autobiographischen
Werken zeigt
Tau das
Glück des
Seins, eines
aus dem
Inneren
heraus
freien
Lebens. Taus
Auffassung,
daß die
Aufgabe des
Menschen
darin
bestehe, zu
leben und
sich zu
bewähren,
spricht aus
seinen
literarischen
Texten. Er
tritt darin
für
Verständigung
und
Versöhnung,
für die
Überwindung
von
Vorurteilen
und
Mißtrauen
ein. Das
Denken,
Reden und
Schreiben
Max Taus
stand im
Dienste der
Förderung
des Guten,
der
Hilfsbereitschaft
und des
Friedens. In
seiner
Dankrede bei
der
Entgegennahme
des
Friedenspreises
formulierte
Tau, was
sich in
seinen
Werken immer
wieder
ausdrückt:
”Es ist
nicht die
Arbeitslast,
die die
Menschen
erdrückt, es
ist die
Sinnlosigkeit,
die oft zur
Verzweiflung
treibt. Alle
Konfessionen
haben das
gleiche
Gebet. Sie
bitten, daß
der Geist
des Friedens
die Menschen
segnen möge.
[...]. Nur
in den
Augenblicken
der Not hat
sie der Sinn
dieses
Gebetes
erleuchtet.
Sie suchten
nach Frieden
für sich
selbst. Aber
der Frieden
ist
unteilbar.
Keiner kann
ihn allein
erreichen.
Alle müssen
versuchen
ihn zusammen
zu finden.
Der Krieg
ist sinnlos.
Keine Macht
kann den
Frieden
diktieren.
Nur die
geistigen
Kräfte
vermögen ihn
zu sichern.”
Sein
Lebensweg
öffnete Tau
die Augen
dafür, daß
Friede und
Versöhnung
bei der
Beziehung
zwischen
Mensch und
Mensch
beginnen.
Bis an sein
Lebensende
trat Max Tau
für
Versöhnung
zwischen den
Völkern ein
und blieb
doch seiner
Heimat
dankbar
verbunden.
1974 faßte
er
rückblickend
zusammen:
”Eigentlich
hat alles,
wonach ich
gestrebt
habe, seinen
Ursprung in
den Bildern
des Lebens,
die ich
durch meine
oberschlesische
Heimat
erfahren
habe. [...]
Die Menschen
in meiner
Heimat
lehrten
mich, daß
Einfachheit
das
Wesentlichste
und Größte
ist. Nur
durch
Einfachheit
kann man das
erreichen,
was den Wert
des Lebens
ausmacht,
nämlich das
Nachdenken
für den
anderen, die
Hingabe an
den anderen
und das
höchste
Geschenk,
die
Freundschaft.”
Er schließt
mit Sätzen,
die ihm als
Richtschnur
im Leben
dienten:
”Die
Erneuerung
kann nur aus
dem Geiste
und der
Liebe
kommen. Sie
ist überall
wirksam. Nur
wer vergeben
kann, vermag
auch den
Frieden in
sich selbst
zu
erreichen.”
Neben dem
Friedenspreis
des
Deutschen
Buchhandels
erhielt Max
Tau den
Nelly-Sachs-Preis
(1965), den
Literaturpreis
der
deutschen
Freimaurer
(1966), den
Sonningpreis
der
Universität
Kopenhagen
(1970) und
den
Oberschlesischen
Kulturpreis
(1974). Er
war
Ehrenbürger
der
Christian
Albrechts-Universität
Kiel und
Ehrenmitglied
des
Börsenvereins
des
deutschen
Buchhandels.
Werke:
Bruno Arndt.
Sein Leben
und Werk.
Trier,
Konstanz,
Leipzig
1920. –
Landschafts-
und
Ortsdarstellungen
Theodor
Fontanes.
Oldenburg
1928. –
Glaube an
den
Menschen.
Berlin-Grunewald
1948. – Denn
über uns ist
der Himmel.
Hamburg
1955. –
Albert
Schweitzer
und der
Friede.
Hamburg
1955. – Das
Land, das
ich
verlassen
mußte.
Hamburg
1961. – Ein
Flüchtling
findet sein
Land.
Hamburg
1964. – Auf
dem Weg zur
Versöhnung.
Hamburg
1968.
Max Tau als
Herausgeber:
Die Stillen.
Dichtungen.
Trier 1921.
– Hermann
Stehr.
Gesammelte
Werke in
neun Bänden.
Trier 1924.
– Das
Wilhelm-Schmidtbonn-Buch.
Berlin,
Lübeck,
Leipzig
1927. –
Vorstoß.
Prosa der
Ungedruckten
(Hg. zus.
mit W. v.
Einsiedel).
Berlin 1930.
– Joseph
Görres. Eine
Auswahl aus
seinen
Schriften.
Berlin 1931.
– Albert
Schweitzer
erobre Norge.
En liten bok
om en stor
opplevelse
(Hg. mit C.F.
Engelstadt).
Oslo 1954. –
Herausgeber
der
Buchreihen
”Die
deutsche
Novelle.
Eine
Bücherei
zeitgenössischer
Dichtung”
und ”Der
deutsche
Roman
zwischen
1921 - 1925”
(Verlag
Friedrich
Lintz,
Trier). –
Norwegische
Ausgaben
deutscher
Schriftsteller
mit
Einführungen
von Max Tau
(Verlag
Johan Grundt
Tanum,
Oslo):
Augustiny,
Waldemar:
Drømmens blå
blomst (Die
Wiederkehr
des
Novalis).
1950. –
Richter,
Hans Werner:
De beseirede
(Die
Geschlagenen).
1950;
Schweitzer,
Albert:
Ærefrykt for
livet
(Denken und
Tat). 1951.
– Kirst,
Hans
Hellmut:
Loytnanten
er forrykt
(Wir nannten
ihn
Galgenstrick).
1951. –
Rinser,
Luise:
Midtveis i
livet (Mitte
des Lebens).
1952. –
Bamm, Peter:
Det usynlige
flagg (Die
unsichtbare
Flagge).
1953.
Lit.:
Däumling,
Hans (Hg.):
Das Leben
lieben. Max
Tau in
Briefen und
Dokumenten
1945 - ?.
Würzburg
1988. –
Doerdelmann,
Bernhard
(Hg.):
Freundesgabe
für Max Tau.
Gratulationen
zu seinem
70.
Geburtstag.
Hamburg
1967. –
Haas, Olaf:
Max Tau und
sein Kreis.
Paderborn
1988. –
Rakette,
Egon H.: Max
Tau – Der
Freund der
Freunde.
Heidenheim
1977. –
Stiehm,
Lothar: Max
Tau. Bildner
- Erwecker -
Warner.
Heidelberg
1968.
Bibliographie:
Perlick,
Alfons:
Festschrift
für Dr. Max
Tau.
Dortmund
1961. – Ders.:
Max
Tau-Biographie
und
-Bibliographie
(Ergänzung
und
Fortsetzung).
In:
Mitteilungen
des
Beuthener
Geschichts-
und
Museumsvereins,
H. 25/26
(1963/64),
S. 149-154.
Bild:
Süddeutscher
Verlag
München
Ruth
Kaiser