Keiner der
acht Söhne
von Georg
Philipp
Telemann ist
Musiker
geworden und
auch unter
seinen
Vorfahren
sind keine
Musiker
auszumachen,
nur ein
Enkel, Georg
Michael, der
gleich dem
berühmten
Großvater
seinen Vater
im
Kindesalter
verlor, hat
sich der
Musik
zugewandt.
Georg
Michaels
Eltern waren
der älteste
Sohn Georg
Philipp
Telemanns,
Andreas
Telemann,
Pastor in
Plön, und
Auguste
Clara geb.
Capsius.
Nach dem Tod
des Vaters
kam der
siebenjährige
Georg
Michael nach
Hamburg in
das Haus
seines
damals
74jährigen
berühmten
Großvaters,
des obersten
Musikdirektors
der fünf
Hauptkirchen
in Hamburg.
Er erhielt
von ihm
musikalischen
Unterricht
und besuchte
das
Johanneum.
Früh wirkte
er als
Generalbaßspieler
bei
Kirchenmusiken
mit, auch
war er
seinem
Großvater
bei der
Abfassung
von Werken
behilflich.
Diese Hilfe
hat mit
zunehmendem
Alter des
Großvaters
an Bedeutung
gewonnen, da
dessen
Kräfte in
den letzten
Jahren stark
nachließen.
Über einige
Jahre
bekleidete
Georg
Michael auch
„die Stelle
eines
Accompagnisten
beim
Musikchor“.
1767
komponierte
er die
Trauer-Ode
auf das
betrübte
Absterben
meines
Großvaters
Herrn
Georg
Philipp
Telemann,
des
Hamburgischen
Musik-Chor-Direktors.
Georg
Michael
übernahm das
Amt bis zum
Eintreffen
des
Nachfolgers
Carl Philipp
Emanuel
Bach, zu
dessen
Einsetzung
1768 er die
Kantate
Hamburg,
Deutschlands
Pflegerin
komponierte.
C. Ph. E.
Bach hatte
ihn in einem
Kondolenz-Brief
„theuerster,
und wegen
Ihres mir
unvergesslichen
würdigen
seeligen
lieben Herrn
Grossvaters
würdigster
Freund“
genannt.
Bis 1770
hatte
Telemann das
Gymnasium
academicum
besucht, wo
er vor allem
philosophische
und
historische
Wissenschaften
studierte.
Nach einem
Theologiestudium
an der
Universität
Kiel war er
dann kurze
Zeit in
Hamburg als
Lehrer an
der
Nicolaischule
tätig. 1773
erschien bei
Bock in
Hamburg sein
Unterricht
im
General-Baß-Spielen
auf der
Orgel oder
sonst einem
Clavier-Instrument.
Zu erkennen
ist, daß die
Musik trotz
anderweitiger
Studien
große
Bedeutung
für ihn
hatte, denn
diese
Generalbaß-Schule
war eine
Summaria
seiner
mehrjährigen
Tätigkeit
als
Generalbaßspieler
unter der
Obhut und
Anleitung
seines
Großvaters.
Diese
Schrift
sollte ihm
denn auch
seinen
weiteren
musikalischen
Weg weisen.
Sie war für
eine
Berufung
nach Riga
ausschlaggebend,
die ohne ein
Ansuchen von
seiner Seite
durch Rektor
Schlegel und
den Rigaer
Rat
erfolgte.
Nach Riga
kam er 1773,
und zwar als
Kantor und
Musikdirektor
der
Stadtkirchen
und zugleich
als Kantor
und Lehrer
der
Domschule.
Sein
zweifaches
Amt, das er
bis 1801,
als er die
Lehrerstelle
niederlegte,
bekleidete,
schlug sich
auch in
seinen
Schriften
nieder, die
dem
Kompositorischen
an die Seite
treten, wie
beispielsweise
Regeln
der
deutschen
Orthographie...
(Riga u.
Leipzig
1779),
Fortsetzung
einiger
Anmerkungen
zur
Königsbergischen
lateinischen
Grammatik
(Riga 1781)
oder
Ueber die
Benennung
des ältesten
Hauses der
Deutschen in
Liefland...
(Riga 1791).
1813 bekam
er unter
Beibehaltung
des
Kantorats
das
Organistenamt
an der
Domkirche
übertragen.
Georg
Michael
Telemann
„soll eine
Menge
Cantaten und
besonders
Passionsgesänge
für die
Rigaischen
Stadtkirchen“
(RTTL)
komponiert
haben, von
welchen sich
einige
Textbücher
erhalten
haben. Im
Druck ist
nur weniges
erschienen,
vielleicht
auch, „weil
er aus
Bescheidenheit
seine
Talente
verborgen
hielt“.
Einen
umfassenderen
Einblick in
sein an der
Kantorenpraxis
orientiertes,
früheres
kompositorisches
Schaffen
gibt die
1785 von
Hartung in
Königsberg
verlegte
Sammlung
Beitrag zur
Kirchen-Musik,
die mehrere
Chöre sowie
Orgelvorspiele
enthält.
1809
erschien das
Chorwerk
Auferstehn,
ja
auferstehn
nach
Klopstock
bei G.
Behrends in
Riga.
Georg
Michael
Telemann hat
in Riga
zahlreiche
Werke seines
Großvaters
aufgeführt,
welche er
durch
Änderungen
dem
Zeitgeschmack
anpaßte,
indem er
beispielsweise
Evangelisten-Passagen
durch
instrumentale
Zwischenspiele
ersetzte. So
wurde durch
ihn Riga die
einzige
Stadt, in
welcher das
Schaffen
Georg
Philipp
Telemanns
nach dessen
Tod noch
eine Pflege
erfuhr, und
dies über
ein halbes
Jahrhundert
lang.
Angemerkt
sei, daß die
Stadt Riga
bereits vor
der
Tätigkeit
des Enkels
schon über
ein halbes
Jahrhundert
eine
bedeutende
Pflegestätte
der Werke
Georg
Philipp
Telemanns
gewesen war.
Das hatte
sich durch
seinen
Rigaer
Freund, den
Kaufmann J.R.
Hollander
ergeben.
Einige
Briefe aus
den 1730er
Jahren haben
sich
erhalten,
die den
Versand von
Noten
belegen,
Widmungen
von Werken
enthalten,
aber auch
auf
Vertonungen
von Texten
Hollanders
durch
Telemann
hinweisen.
Ein weiterer
Rigaer
Bekannter
war der
Domkantor
Andreas
Erhardt,
welcher
zuvor in
Hamburg
tätig
gewesen war.
1828 wurde
Georg
Michael
Telemann auf
sein
Ansuchen hin
wegen
Augenschwäche
pensioniert,
„mit
Beibehaltung
nicht nur
seines
vollen
Gehalts,
sondern
sogar mit
Zulage von
100 Rbl.“.
Er verstarb
an
„gänzlicher
Entkräftung“
im 83.
Lebensjahr.
In einem
Nachruf auf
ihn
schrieben
die
Rigaer
Stadtblätter,
daß er als
Mensch
allgemein
die größte
Achtung
genossen
habe, seinem
Berufseifer
bis zur
Peinlichkeit
treu gewesen
sei und
Reinheit und
Tiefe sein
Gemüt
ausgezeichnet
hätten. „Den
gefeierten
Namen eines
berühmten
Großvaters
erhöhete er
durch
eigenes
Verdienst“.
Verheiratet
war er nicht
gewesen. Ein
Porträt
scheint
nicht
überliefert
zu sein,
jedoch hatte
sich ein von
ihm selbst
entworfener
Lebenslauf
erhalten,
welcher bei
seiner
Beerdigung
verlesen
wurde.
Wie ein
Eintrag
Telemanns
aus dem
Jahre 1792
in das
Stammbuch
des
19jährigen
Georg
Poelchau
zeigt, war
dieser schon
früh mit ihm
in nähere
Beziehung
getreten.
Der
Deutschbalte
Poelchau ist
als
berühmter
Musikaliensammler
in die
Musikgeschichte
eingegangen,
welchem die
Musikabteilung
der Berliner
Staatsbibliothek
wesentliche
Substanz
verdankt. So
sind auch
viele
Handschriften
Georg
Philipp
Telemanns,
die im
Besitz des
Enkels
waren, durch
Poelchau
nach Berlin
gekommen. In
ihnen sind
die
Änderungen
für die
Rigaer
Aufführungen
auszumachen,
für welche
Georg
Michael
Telemann in
Anmerkungen
Rechenschaft
ablegte.
„Durch ihn,
einen der
letzten
Vertreter
des
Generalbaßzeitalters,
war diese
Epoche in
Riga bis in
die Zeit der
Romantik
noch
gegenwärtig“
(Scheunchen
balt. Lande,
s.u.,
Lit.verz.).
Werke
(außer jenen
im Text
genannten):
Größere Zahl
von Kantaten
und
Passionsgesängen
(mehrere
Textbücher
überliefert).
–
Trauermusiken.
– Sammlung
alter und
neuer
Choral-Melodien
für das seit
dem Jahre
1810 in den
evangelisch-lutherischen
und
reformierten
Kirchen zu
Riga und in
Liefland
eingeführte
neue
Gesangbuch
mit Harmonie
verbunden
von G.M.T.,
Cantor und
Musik-Direktor
in Riga,
Mitau 1812.
D. Kaiserin
und große
Frau Maria
Feodorowna
gewidmet vom
Verleger
(Jul. Conr.
Daniel
Müller, Riga
1812). –
Johannes-Kantate,
Kantate über
die
Leidensgeschichte
Jesu Christi
zufolge der
Erzählung
des
Evangeliums
Johannes
(Häcker Riga
1809, 1815).
Lit.:
Rigaische
Stadtblätter
für das Jahr
1831, Nr. 11
S. 93 (enth.
Kurzgefaßter
Lebenslauf
G.M.T.,
Cantoris in
Riga, von
ihm selbst
entworfen).
– Rigasche
Biographien
etc., 2. Bd.
Riga 1883 S.
23ff. – M.
Rudolph:
Rigaer
Theater- und
Tonkünstlerlexikon,
Riga 1890 ND
Hann.-Döhren
1975. – F.
Chrysander:
Briefe von
Ph. E. Bach
u. G.M.
Telemann,
AMZ IV
(1869) S.
177. – H.
Miesner: Die
Lebensskizze
des jüngeren
Telemann,
in:
Zeitschrift
d. Vereins
f.
hamburgische
Geschichte
33 (1933) S.
143ff. – H.
Wagner:
Komponisten
aus
Schleswig-Holstein,
Husum 1978,
S. 57. – H.
Scheunchen:
Die Musik
der
Deutschen in
den
baltischen
Ländern, in:
W. Schwarz,
F. Kessler,
H.
Scheunchen:
Musikgeschichte
Pommerns,
Westpreußens,
Ostpreußens
und der
baltischen
Lande,
Dülmen 1990
S. 148. –
Ders.:
Lexikon
deutschbaltischer
Komponisten
(in Vorb.).
– Div.
Musiklexika.
Helmut
Scheunchen