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Nicht nur die Liebe
des Künstlers Heinz Theuerjahr aus Stolp gehört dem Tier, sondern auch
sein gesamtes bildhauerisches und druckgrafisches Werk. Seine innere
Auseinandersetzung mit dem freien und behüteten Tier geht bis in
Theuerjahrs Jugend auf pommerschen Gütern zurück und auf Besuche im Zoo.
Seit den sechziger Jahren sucht er die Tiere auf Afrikareisen (Kenia,
Tanganyika, Uganda, Sudan, Ägypten, Westafrika, Zentralafrika, Sahara,
Südwest- und Nordafrika) auf, vorher schon im Bayerischen Wald, wo er
seit dem Kriege lebt.
Seine Zeichnungen
und Holzschnitte, vor allem aber seine Holzdkulpturen (Nuß- und
Birnbaum, Lindenholz, Mooreiche) und Bronzeplastiken verraten einen
überaus konzentrierten, knappen Stil, so knapp wie sein Briefstil und
seine Texte. Aus einem Brief, den Theuerjahr mir vor Jahren schrieb,
zitiere ich: „Ich bin am 18.7.13 in Stolp geboren. Mein Vater war
Leiter der dortigen Oberlandzentrale im ‚Grünen Weg‘. Ich besuchte die
Stephan-Oberrealschule und machte dort das Abitur. 1933 wurde mein Vater
nach Stralsund versetzt. Ich war damals schon in Berlin und studierte an
der Staatl. Hochschule für Kunsterziehung, nachdem ich vorher zwei Jahre
auf pommerschen Gütern meine Lehrzeit als Landwirt durchgemacht und mit
Abschluß vor der damaligen Landesbauernschaft beendet hatte. 1938 machte
ich mein Examen in Berlin und ging dann ein Jahr lang nach Italien. Das
wurde für mich durch die Bekanntschaft mit dem Maler H. J. Staude ein
sehr wichtiges Jahr, denn dieser Mann zeigte mir den Weg, den ich bis
heute verfolgte. Als ich in Florenz war, begann der Krieg. 1939 wurde
ich eingezogen und ein Jahr später wegen Krankheit entlassen ... Nach
meiner Entlassung vom Militär siedelte ich mich in Waldhäuser an und
begann nach meiner Art zu arbeiten.“ Zum Wesen seiner Tierplastiken, von
denen etliche als Kunst am Bau an Schulen und Amts- und
Regierungsgebäuden, auf Plätzen und an Brücken Aufstellung gefunden
haben: in Passau und Regensburg, Grafenau, Vietach, Pfarrkirchen,
Landau, Weiden, Zwiesel, Landshut, Neumarkt und – die zweieinhalb Meter
hohe Freiplastik aus Chrom-Nickelstahl – auf dem GRUGA-Gelände der
Essener Bundesgartenschau, kam der Künstler über die strenge
Abstraktion. Die Liebe zu Tieren in Afrika ließ ihn diesen Kontinent oft
aufsuchen; doch auch die altägyptischen Bildwerke mit ihren das Auge und
den Tastsinn ansprechenden reduzierten Formen, brachten ihm Anregung.
Die gejagten Gnus, das frierende Huhn, die schleichende Katze, der
ruhende Löwe, die leicht-schwebenden Vögel und immer wieder Affen in
verschiedenen Stellungen und viele, viele andere Tiere wurden von
Theuerjahr in meist bewegten Silhouetten, stets aber in abstrahierten
Formen dargestellt.
„Mit 70 wächst man
eigentlich ein wenig aus der Kunstszene heraus, auch wenn man, wie ich,
wohl niemals ganz dazu gehört hat“, reagierte Heinz Theuerjahr auf meine
Geburtstagswünsche vor fünf Jahren. Sicherlich zu bescheidene Worte.
Obgleich zugegeben werden kann, daß dieser Künstler – anders als z.B.
Gerhard Marcks und Ewald Mataré, die allerdings nicht ausschließlich
Tierbildner waren – vornehmlich im vom Kunstbetrieb abgelegenen
süddeutschen Raum zu Hause ist und dort seine Anerkennung gefunden hat.
(Kulturpreis von Niederbayern 1971, Ehrenbürger der Gemeinde Neuschönau
1979, Ehrenmitglied des Kunstvereins Passau). Theuerjahr zog es nicht in
die Kunstmetropolen, er blieb – sofern er nicht gerade in Afrika war –
in der Einsamkeit des Bayerischen Waldes. Das ändert nichts an der
Tatsache, daß er zu jenen seltenen Bildhauern gehört, die das Tier in
seinem Wesen erfaßt und gleichzeitig die Bildhauerei als eine
körperhaft-plastische Kunst verstanden haben.
Lit.:
„Zwischen Waldhäuser und Afrika“, Grafik, Plastik und Texte von H. T.,
Verlag Morsak, Grafenau 1973 — Hans Vollmar: Internationales
Künstlerlexikon, Leipzig 1962 – Bruckmann: Lexikon der
Gegenwartskünstler, München 1956/57 – „Kunst und das schöne Heim“,
München (1/1952 und 1959) – Sigrid Dittrich: „Zwischen Waldhäuser und
Afrika“, in: „Der Zoofreund“, Hannover 57/1985 – Günther Ott:
„Künstlerprofile I – Im Osten geboren – im Westen Wurzeln geschlagen“,
Walter Rau Verlag, Düsseldorf 1980 – E. L. Biberger: „Was ist hier
Schilf – was Reiher“, 1984.
Günther Ott (1988)
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