Sohn des aus der Lausitz
stammenden
Leipziger
Universitätsprofessors
der
Theologie
Karl Thieme
und einer
Baseler
Fabrikantentochter,
studierte
Th.
Rechtswissenschaft
in Basel –
wo schont
Gymnasiast
für ein Jahr
heimisch
geworden war
–, München,
Berlin und
Leipzig.
Hier
promovierte
er 1929 mit
einer
völkerrechtlichen
Arbeit über
die
Fortbildung
der
Internationalen
Schiedsgerichtsbarkeit
seit dem
Ersten
Weltkrieg.
Gefördert
von dem
Freiburger
Emeritus
Franz
Beyerle,
folgte 1931
in
Frankfurt/Main
die
Habilitation
mit einer
Arbeit über
das späte
Naturrecht
und die
preußische
Kodifikation
von 1794.
1934 erhielt
er vom
Reichswissenschaftsministerium
den Auftrag,
an der
Universität
Breslau,
wo
Eugen
Rosenstock-Huessy
entlassen
worden war,
die
Professur
für deutsche
Rechtsgeschichte,
bürgerliches
und
Handelsrecht
wahrzunehmen.
Damit begann
eine fast
fünfjährige
fruchtbare
Lehrtätigkeit,
der allein
22
Doktorarbeiten
entstammen.
In diese
Zeit bald
mit dem
Wohnsitz auf
der Domäne
Gr. Nädlitz
(Nädlingen)
fällt die
Vermählung
mit der
Stettinerin
Ursel Rauch.
Die Trauung
fand durch
den Pfarrer
der
Bekennenden
Kirche
Gottfried
Winkelmann
1937 in
Rosenbach
(Eulengebirge)
statt.
Mehrfach zu
Wehrübungen
seit Sommer
1936
eingezogen,
erhielt Th.
Ende August
1939 die
Einberufung
zur
schlesischen
Landwehr und
machte den
Krieg im
Osten mit,
unterbrochen
für zwei
Jahre, als
er 1940
einen Ruf an
die
Universität
Leipzig
erhielt.
Nach dem
Krieg nahm
er seine
Lehrtätigkeit
in Göttingen
auf, von wo
er 1953 als
Nachfolger
seines
Lehrers
Beyerle an
die
Universität
Freiburg/Br.
berufen
wurde. Ihr
hat er bis
zu seiner
Emeritierung
im Jahre
1974
erfolgreich
in Forschung
und Lehre
gedient,
nicht
zuletzt als
Rektor im
Studienjahr
1960/61. In
dieser Zeit
hat er 67
Doktorarbeiten
betreut;
seine
zunehmende
internationale
Anerkennung
belegen die
Verleihungen
der
Ehrendoktorwürde
durch die
Universitäten
Granada,
Montpellier,
Basel und
Paris;
jahrelang
hat er die
führende
Fachzeitschrift
der
Savignystiftung
für
Rechtsgeschichte
in ihrer
germanistischen
Abteilung
herausgegeben
und die
Betreuung
des
Freiburger
Ostdeutschen
Akademischen
Arbeitskreises
(Kopernikus-Kreis)
ausgeübt.
Sein
umfassendes
wissenschaftliches
Opus –
solide
Rezensionsleistungen
eingeschlossen
– gilt seit
früher Zeit
zwei
Schwerpunktsregionen:
Schlesien,
dessen
Rechtsgelehrten
er
biographisch-editorisch
immer wieder
gern
nachgegangen
ist
(Heinrich
von Loesch
1953 f. und
1964, Paul
Rehme 1942,
Carl
Gottlieb
Svarez
1965-67,
Hermann
Conrad 1975,
Ernst Cohn
1974 und
1976, Ernst
Theodor
Gaupp 1978,
Eberhard
Schmidt
1979), und
dem
deutschen
Südwesten
mit der
benachbarten,
schon
familiär ihm
mehrfach
verbundenen
Schweiz,
also zwei
Brückenlandschaften,
welche den –
in diesem
Lebensgang
immer wieder
gern
aufgegriffenen
– Ausblick
in die
Nachbarbereiche
der
Deutschen
mit unserer
Einbettung
in
Mehrvölkerschicksale
verpflichtend
auferlegen.
Freunde,
Kollegen und
Schüler
schätzen in
Th. bis hin
in das ferne
Japan den
feinsinnigen,
einfühlsamen
Menschen,
den
aufgeschlossenen
Wissenschaftler
von
universaler
Blickweite,
den
Rechtshistoriker,
dem – nach
einer
überzeugenden
Selbstaussage
– die
Auseinandersetzung
mit der
Geschichte,
der längst
vergangenen
und der
Zeitgeschichte,
ein Stück
seines
Berufes
geworden und
geblieben
ist.
Werke:
Jörg Winter,
Bibliographie
Hans Thieme,
in:
Rechtshistorische
Studien.
Hans Thieme
zum 70.
Geburtstag,
Köln/Wien
1977, S.
161-194.
Lit.:
(autobiographisch)
Hans Thieme:
Letzte
Vorkriegsjahre
an der
Breslauer
Universität,
in: Herbert
Hupka, Meine
schlesischen
Jahre,
München
1964, S.
199-210. –
Ferner
Eberhard
Günter
Schulz:
Geschichte
und Recht.
Prof. Hans
Thieme 70
Jahre, in:
Schlesien
21. 1976, S.
246f. –
Adolf Laufs:
Hans Thieme
zum 70.
Geburtstag,
in: Deutsche
Juristenzeitung
14. 1976, S.
453.
Ludwig Petry
(1986)