Peter Adolf
Thiessen
studierte in
Breslau,
Freiburg
(Breisgau),
Greifswald
und
Göttingen.
In Göttingen
machte er
sein Diplom,
wurde er
promoviert
und
habilitierte
er sich
(1926).
Unter seinen
Lehrern
erwähnt er
selbst die
Chemiker
Gustav
Tamman,
Richard
Zsigmondi
und den
Physiker Max
Born. 1933
ging der
junge
Professor
(seit 1932)
von
Göttingen
als
Abteilungsleiter
an das
Institut für
physikalische
Chemie und
Elektrochemie
des
Kaiser-Wilhelm-Instituts
(KWI) nach
Berlin. Hier
hatte im
selben Jahre
der
Institutsdirektor,
Nobelpreisträger
Fritz Haber,
ebenso wie
ein
beachtlicher
Teil seiner
Mitarbeiter
die Arbeit
aufgeben
müssen.
Damals wurde
dort der
ehemalige
NSDAP-Kreisleiter
Rudolf
Mentzel als
“eigentlicher
Machthaber”
eingesetzt,
dessen
Hauptberater
der
Gaskampfexperte
Thiessen
war, der
1935
Direktor
wurde. Beide
wohnten
zusammen in
Habers
ehemaliger
Dienstvilla.
Außerdem war
Thiessen
seit 1935
Professor in
Münster und
seit 1939
ordentliches
Mitglied der
Preußischen
Akademie der
Wissenschaften.
Unter
Thiessen,
der seit
1926
Mitglied der
NSDAP war,
wandelte
sich das
Kaiser-Wilhelm-Institut
für
Physikalische
Chemie und
Elektrochemie
in ein
“nationalsozialistisches
Musterinstitut”,
doch hat er
sich Otto
Hahn zufolge
zu der
jüdischen
Kernphysikerin
Lise Meitner
während
ihres
dortigen
Wirkens bis
1938 korrekt
verhalten.
Max Planck
berichtete
später, daß
man sich am
KWI von
politischer
Tätigkeit
ferngehalten
habe, eben
mit der
Ausnahme von
Thiessen.
Später wurde
dieser durch
den
Reichsminister
für
Wissenschaft,
Erziehung
und
Volksbildung,
Rust, zum
Personalreferenten
für die
Universitäten
berufen,
weiterhin
zum Leiter
der
Fachgliederung
“Chemie und
organische
Werkstoffe”
im
Reichsforschungsrat;
von 1939 bis
1942 war er
Sektionsvorsitzender
im KWI.
Am 12. Mai
1945 wurde
Thiessen vom
Zehlendorfer
Bezirksbürgermeister
(in dessen
Amtsbereich
die meisten
Institute
lagen) zum
Leiter der
gesamten
Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft
ernannt. Er
entzog
daraufhin
dem von den
Nationalsozialisten
eingesetzten
Dr.
Forstmann
alle
Vollmachten,
ließ aber
bereits am
29. Mai 1945
verlauten,
daß er bald
in die
Sowjetunion
gehen werde,
wohin auch
die
Ausrüstung
des
Institutes
verlagert
wurde.
Vorher hatte
er
vorgeschlagen,
die im Krieg
unversehrten
Institute
der
Universität
anzugliedern,
und
Professor
Dr.
Ferdinand
Sauerbruch
als
Nachfolger
empfohlen.
Manfred von
Ardenne
brachte
Thiessen auf
dessen Bitte
hin Ende
1945 an ein
im
sowjetischen
Sinop bei
Suchumi
(Schwarzes
Meer)
aufzubauendes
Institut, wo
industrielle
Verfahren
zur Trennung
von
Uranisotopen
erforscht
wurden.
Ardenne, der
aufgrund
seiner
Forschungen
dafür
ausersehen
worden war,
hatte
Thiessen,
wie er in
seinen
Erinnerungen
schreibt,
aus Dank für
vorherige
Förderung
eigener
elektronenmikroskopischer
Arbeiten den
Sowjets
empfohlen,
vor allem
aber auch
deshalb,
weil er bei
der Leitung
einer so
großen
wissenschaftlichen
Einrichtung
fachliche
Unterstützung
benötigte.
Nach elf
Jahren dort
erhielt
Thiessen
1956 den
Auftrag, das
Institut für
Physikalische
Chemie der
Deutschen
Akademie der
Wissenschaften
(später
Akademie der
Wissenschaften
der DDR)
aufzubauen,
wobei es ihm
am Herzen
lag, den
Raum für
ständige
wissenschaftliche
Anpassungen
und
zusätzlich
den Kontakt
zu der erst
im Aufbau
befindlichen
Industrie
offen zu
halten.
Während
seines
Direktorates
von 1957 bis
1964 hatte
er zudem die
Professur
für
Physikalische
Chemie an
der
Humboldt-Universität
zu Berlin
inne. Mit
der Gründung
des
Forschungsrates
der DDR 1957
wurde
Thiessen
dessen
Vorsitzender,
blieb es bis
1965 und war
danach
Ehrenvorsitzender.
Seine
Hauptarbeitsgebiete
waren
Grenzflächenchemie,
Physik und
Chemie der
Festkörper,
Kernverfahrenstechnik
und
Tribochemie.
Nach seiner
Emeritierung
behielt
Thiessen in
Berlin-Adlershof,
dem Sitz des
von ihm
aufgebauten
Instituts,
ein kleines
Labor und
beschäftigte
sich unter
anderem mit
der
Gewinnung
von Salpeter
aus der Luft
und
Rüdersdorfer
Kalkstein.
An
Auszeichnungen
hat es
Thiessen nie
gemangelt.
So war er
von 1960 bis
1963
Mitglied des
Staatsrates
der DDR und
in nicht
wenigen
inländischen
und
internationalen
Gremien
vertreten,
so auch
Auswärtiges
Mitglied der
Akademie der
Wissenschaften
der UdSSR.
In der
Sowjetunion
erhielt er
den
Staatspreis
der UdSSR,
den
“Rotbannerorden
der Arbeit”
und den
Leninorden,
in der DDR
den
Nationalpreis,
die
Ehrenspange
zum
“Vaterländischen
Verdienstorden”
in Gold und
den Orden
“Banner der
Arbeit”.
Lit.:
Kürschners
Deutscher
Gelehrten-Kalender
1940/41,
hrsg. v. G.
Lüdtke, Bd.
2, Berlin
1941, und
dass. 1966,
hrsg. v. W.
Schuder, Bd.
2, Berlin
1966. – Wer
war wer in
der DDR, Ein
biographisches
Handbuch,
hrsg. v.
B.-R. Barth
u.a.,
Frankfurt
a.M. 1995. –
Forschung im
Spannungsfeld
von Politik
und
Gesellschaft.
Geschichte
und Struktur
der
Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft.
Hrsg. Rudolf
Vierhaus und
Bernhard vom
Brocke.
Stuttgart,
Deutsche
Verlags-Anstalt
1990. –
Friedrich
Glum:
Zwischen
Wissenschaft,
Wirtschaft
und Politik.
Erlebtes und
Erdachtes in
vier
Reichen.
Bonn 1964. –
Gert Lange
und Joachim
Mörke:
Wissenschaft
im
Interview.
Leipzig-Jena-Berlin,
Urania-Verlag
1979. –
Biographien
bedeutender
Physiker
(Hrsg.
Autorenkollektiv
unter
Wolfgang
Schreier).
[Ost-]
Berlin, Volk
und Wissen
Volkseigener
Verlag 1984.
– Otto Hahn:
Mein Leben.
München-Zürich,
Verlag Piper
1986. –
Manfred von
Ardenne: Die
Erinnerungen
(Neuschrift
1990, 10.
Gesamtauflage),
München,
Herbig 1990.
Otto
Löw/Hans
Bruchlos