Der
ungarndeutsche
Pädagoge und
Autor Martin
Anton
Thomann
gehörte zu
jenen
Minderheitenschriftstellern,
die, von
Hause aus
Sprachlehrer
und
Erzieher,
versuchen,
auch
künstlerisch
tätig zu
sein. Sie
beginnen zu
schreiben,
um ihre
Erfahrungen
des Alltags
zweier
Sprachen und
Kulturen
festzuhalten,
zeitgemäß zu
bedenken, um
herauszufinden,
inwiefern
sie eine
Bereicherung
für das
Leben des
Einzelnen,
aber auch
der
Gruppengemeinschaft
und
schließlich
ihrer
näheren
Heimat wie
auch des
ganzen
Landes sein
könnten.
Dabei
zeichnen
sich gerade
die
Ungarndeutschen
durch ihre
besonders
enge
Beziehung zu
Ungarn,
seiner
Sprache und
Kultur aus.
Viele
ungarndeutsche
Autoren sind
Ungarisch-
und
Deutschlehrer,
wie
Engelbert
Rittinger,
Ludwig
Fischer,
Valeria
Koch, um nur
die
bekanntesten
zu nennen.
Sie
schreiben
zweisprachig
und haben
eher
Schwierigkeiten
mit der
deutschen
Sprache als
mit der
ungarischen,
was sie aber
nicht davon
abhält, in
bewundernswerter
Zielstrebigkeit
mit beiden
zu arbeiten.
Dabei war es
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
für die in
ihrer alten
Heimat
Ungarn
verbliebene,
nicht nach
Deutschland
vertriebene
Hälfte der
Ungarndeutschen
keineswegs
leicht, ihre
Muttersprache
zu pflegen,
da sie
gleich nach
dem
Kriegsende,
in
stalinistische
Kollektivschuld
genommen,
zunächst nur
zu Hause –
und das nur
äußerst
eingeschränkt
– ihre
Mundart
gebrauchen
konnten.
Als Mitte
der
fünfziger
Jahre eine
zunächst
noch
zaghafte
Änderung zum
Besseren hin
begann,
wuchs der
Generation
Thomanns,
die aus
Vorkriegs –
und
Kriegszeiten
Sprachkenntnisse
herübergerettet
hatte, die
Aufgabe zu,
diese nun in
den
schwierigen
Bedingungen
eines
Neuanfanges
zu nutzen.
Da wurde
Thomann 1950
im fünften
Studienjahr
der Medizin
aufgrund
fingierter
politischer
Anschuldigungen
viereinhalb
Jahre zur
"Arbeit an
der Basis"
als
Hilfsarbeiter
in ein
Röhrenwerk
strafversetzt.
Das
veranlaßte
ihn, sich
verstärkt
der
Literatur
zuzuwenden.
Er studierte
nach dieser
Unterbrechung
an der
Universität
Budapest
Ungarisch
und Deutsch,
stieg dann
vom
Grundschullehrer
zum
Gymnasiallehrer
und
schließlich
zum Direktor
des
renommierten
Kossuth-Gymnasiums
in
Budapest-Elisabethstadt
auf. 15
Jahre (von
1972 bis
1987) stand
er diesem
bekannten
Gymnasium
vor. Es
gelang ihm,
den
ungarndeutschen
Klassenzug
von anfangs
17 Schülern
auf über 200
auszubauen,
wobei
besonders
erfreulich
ist, daß
diese
Abteilung
nicht nur
von
Ungarndeutschen,
sondern auch
von
ungarischen
Schülern
gern besucht
wurde und
wird.
Außer
Thomanns
deutschsprachiger
Gymnasialabteilung
im
Kossuth-Gymnasium
in Budapest
gab es nur
noch eine in
Fünfkirchen/Pécs
und eine in
Frankenstadt/Baja.
Obwohl
Thomann mit
unermüdlicher
Energie
tätig war –
er
promovierte
zwischendurch
zum Dr. phil.
-,
vielleicht
aber gerade
deshalb,
hörte der
Ärger mit
den Behörden
nie ganz
auf, so daß
er schon
1987 – gegen
seinen
Willen – in
den
Ruhestand
versetzt
wurde. Trotz
des
administrativen
Kommunismus
war es ihm
gelungen,
mit seinem
Gymnasium
eine der
ersten
Schulpartnerschaften
Ungarns mit
der
Bundesrepublik,
mit dem
Saarlouiser
Gymnasium am
Stadtgarten,
einzugehen,
so daß er
auch in
dieser
Hinsicht –
Schüleraustausch
mit dem
Westen –
bahnbrechend
wirkte.
Bei diesem
der Sprach-
und
Literaturerziehung
in beiden
Sprachen
gewidmeten
Leben ist es
kein Wunder,
daß Thomanns
Prosa diese
Erfahrungen
thematisiert.
Sein Band
Die
Glaskugel –
er
veröffentlichte
auch in
Zeitungen,
Zeitschriften
und
Anthologien
– erschien
1990. In der
stimmungsvollen
Titelerzählung
Die
Glaskugel
und in der
Kurzprosa
Der
Rohrstock
schildert er
anschaulich
den
autoritären
Schulalltag
seiner
Kindheit.
Diese Kritik
an der
damaligen
autoritären
Pädagogik
schloß eine
Kritik an
der
Reglementierung
des
Schulwesens
seiner Zeit
mit ein. Er
behandelt
auch die
Vertreibungsproblematik,
wenn er in
der
Kurzprosa
der Stuhl
einfühlsam
macht, wie
die alte
Heimat als
unsichtbares
Gepäck
mitgebracht
wird und der
Stuhl nur
ein
sichtbarer
Bruchteil
davon ist.
Auch in der
Kurzgeschichte
Damals
hatte es
geschneit
geht es um
die
Vertreibungsproblematik.
Aber nicht
nur
nostalgisch,
sondern auch
alternativ.
Der
Hauptheld
kehrt zurück
nach Ungarn.
Das Fazit
seines
Lebens "Tie
Einsamkeit
is tie
kreschti
Armut" wird
auch in der
Erzählung
Der alte
Mann
thematisiert,
in der die
Vertreibung
innerhalb
des Landes
stattfindet
und die
Dorfbewohner
am Rande der
Hauptstadt
sich
ansiedeln
müssen.
Trost bietet
die Familie.
Die Söhne
werden zu
Besuch
erwartet
oder der
Freund
hilft, die
schweren
Stunden zu
überbrücken.
Dies ist
auch das
Vermächtnis
Martin Anton
Thomanns,
nämlich der
Appell, der
Arbeit für
die
Gemeinschaft
– sei es in
der Familie,
im
Freundeskreis
oder an
seiner
Arbeitsstätte
der Schule,
im Beruf –
nachzugehen.
Dabei bieten
Sprache und
Kultur,
Sitten und
Bräuche,
Land und
Leute feste
Bande, die
über die
Abgründe von
Heimatlosigkeit
und
Entfremdung
immer wieder
haltbare
Brücken der
Hoffnung
bauen
helfen.
Ingmar
Brantsch