Georg Trakl
ist einer
der
meistgelesenen
und am
häufigsten
übersetzten
deutschsprachigen
Dichter der
Moderne. Man
stellt fest,
„daß kaum
einer in
Österreich
je schönere
Verse
schrieb als
Georg Trakl“
(J. Leitgeb),
man spricht
von einer
„Trakl-Welt“
(Karl
Kraus), man
betont die
Klarheit der
Vieldeutigkeit
bei Trakl
(Martin
Heidegger),
oder man
schreibt wie
Else
Lasker-Schüler:
„Des
Dichters
Herz, eine
feste Burg/
Seine
Gedichte:
singende
Thesen“ und
widmet das
Gedicht
Georg Trakl.
Und dieser
große
Lyriker
lebte nur
knapp 27
Jahre lang!
Durch seinen
Vater ist
Trakl mit
den
Donauschwaben
verbunden.
Tobias Trakl
stammt aus
einer
donauschwäbischen
Familie, die
in
Ödenburg/Ungarn
ansässig war
(oft
Schreibung:
Trackel).
Die Mutter,
Maria Halik,
deren
Familie aus
Böhmen
stammt, ist
in Wiener
Neustadt zur
Welt
gekommen.
Zwischen dem
Mirabell in
Salzburg,
den Gondeln
Venedigs,
den Berliner
Literatenkreisen,
zwischen
Karl Kraus
und Ludwig
von Ficker,
Wien und
Innsbruck,
zwischen dem
galizischen
Grodek und
Rimbauds
Visionen
lebt die
Dichtung von
Georg Trakl.
Die
Monotonie
eines
Alltags
bereitete
ihre
Schwermut
über sein
Erleben, bis
dann – in
geraffter
Dramatik –
plötzlich
Lebensdichte
und
Aussagespannung
gestaut
wurden.
An dem
sichtbaren
Gang seiner
Tage ist
seine
Dichtung
kaum zu
ermessen.
Der Sohn
eines
Eisenhändlers
in Salzburg
besuchte die
Übungsschule
der
katholischen
Lehrerbildungsanstalt
in seiner
Heimatstadt.
Trakl wird
zweimal
nicht
versetzt und
verläßt 1905
das
Gymnasium.
Literarische
Auftritte
beginnen
1906. Sein
„Dramatisches
Stimmungsbild“
„Totentag“
wird im
Stadttheater
in Salzburg
aufgeführt,
ein
Prosaversuch
(„Traumland“)
gilt als
literarisches
Debüt. Trakl
bereitet
sich auf
eine
Apothekerlaufbahn
vor. 1909
legt er mit
mäßigem
Erfolg seine
Fachprüfungen
ab. 1911 ist
die Apotheke
„Zum weißen
Engel“ in
Salzburg
Trakls
Tätigkeitsgebiet,
1912 tritt
er in
Innsbruck
seinen
Dienst als
Militärmedikamentenbeamter
an. Seine
Mitarbeit an
der
Zeitschrift
„Der
Brenner“
setzt neue
Akzente für
den Dichter
und für die
Zeitschrift.
Versuche,
nach Wien
auszureißen,
sind
erfolglos,
bis sich am
Jahresende
(1912) eine
„Rechtspraktikantenstelle“
anbietet.
Der Verlag
Albert
Langen lehnt
eine
Herausgabe
von Trakls
Gedichten
ab, Kurt
Wolff bietet
eine
Zusammenarbeit
an. 1913
besucht
Trakl
zusammen mit
Karl Kraus,
Peter
Altenberg,
Adolf Loos
Venedig,
1914 besucht
er die
Schwester
Margarethe
in Berlin.
Im August
kommt Trakl
an die
Ostfront.
Nach der
Schlacht von
Grodek/Rawa-Ruska
erleidet der
Dichter
einen
seelischen
und
physischen
Zusammenbruch,
von dem er
sich nicht
mehr erholt.
Ob er am 3.
November
freiwillig
oder an
einer
Überdosis
von Kokain
gestorben
ist, bleibt
ein Rätsel
für
Biographen
und Freunde
von
Sensationellem.
Dieses brave
Dasein,
aufgereiht
in einer
Abfolge von
genau
bestimmbaren
Einzeldaten,
aufgelockert
durch
Freundschaften
und
Künstler-Gemeinschaften,
ist keine
Handhabe für
die Dichtung
Trakls, die
nur
mengenmäßig
leicht
überschaubar
bleibt.
Seine
dramatischen
Versuche („Totentag“,
1906, „Fata
Morgana“,
1906,
„Blaubart“,
„Don Juans
Tod“) sind
Stückwerk;
der Verlust
der
Manuskripte
schmerzt
nicht
merklich.
Die drei
Rezensionen,
die Trakl
publizierte,
seine
Prosaversuche
lassen
ebensowenig
wie die
wenigen
Aphorismen
den echten
Dichter
erkennen.
Und so
bleiben der
dichterische
Nachlaß und
die früher
veröffentlichten
Gedichtbücher:
„Gedichte“
(1913),
„Sebastian
im Traum“
(1914) und
„Aus
goldenem
Kelch. Die
Jugenddichtungen“
(1939) die
einzige
Handhabe, um
dem
„Unsäglichen“
näherzukommen.
Trakl ist
einer der
Früh-Verstorbenen.
Die
eigentliche
Schaffensintensität
kam dabei
spät und war
von kurzer
Dauer. Ob
eine solche
Dichte über
lange
Wegstrecken
ertragbar
gewesen
wäre, darf
wohl gefragt
werden. Auch
so ist es
immer wieder
erstaunlich,
wie Trakl
die Fülle an
Gegensätzlichem
doch noch
zusammenzuhalten
vermag. Das
Zerbrechen
der Welt und
an der Welt
wird oft
thematisiert.
Ein
Untergang,
der in
Schwebe
verhält,
eine
Auflösung,
die keine
Lösung
bedeutet:
Das hat
Trakl
belastet.
Den Druck
des
Erkennen-Müssens
durch
Sprache, die
Verpflichtung,
eine eigene
Form zu
finden und
zu meistern,
hat er immer
auf sich
genommen.
Wahrhaftigkeit
ist für ihn
ein
zweischneidiges
Schwert: Sie
zerstört und
erhält. Und
so kommt es
zu Bild- und
Wortfügungen,
die
sibyllinisch
und doch
erdennah,
die als
Sphärenmusik
aufrauschen
und doch
Rausch und
Genuß
zulassen.
Trakls
Dichtung
dreht sich
um
Sinnliches
und
Übersinnliches.
Der
Mittelpunkt
ist und
bleibt der
„bleiche
Mensch“. Die
Motive und
Farbgebungen
werden
obsessiv
wiederholt.
Eine
Abstrahierung
ist möglich,
aber auch
ein
Eindringen
in neue
Labyrinthe,
in „kältere“
Tiefen. Auch
die
„ungeborenen
Enkel“
werden
miterlebt
und
miterlitten.
Chiffren
entstehen,
weil die
Sprache
immer mehr
andeutet und
auf
Hintergründiges
verweist:
Das
Geheimnis
des Menschen
und der
Schöpfung
kann nur
jenseits von
Begriffen
und
Begrifflichem
liegen. Das
ist die
schwer
ertragbare,
die oft kaum
noch
verständliche
Welt des
Dichters
Trakl. Und
daß er ein
echter
Dichter war,
hat er
gewußt,
durchfühlt,
durchlitten.
Seine
menschliche
Größe kann
nur
vermutet,
seine
Botschaft in
einer
einmaligen,
ganz
persönlichen
Bilder-Sprache
hingenommen
werden.
Werke:
Georg Trakl:
Gedichte,
1913;
Sebastian im
Traum, 1914;
Die
Dichtungen.
Erste
Gesamtausgabe,
1917; Aus
goldenem
Kelch, 1939;
Dichtungen
und Briefe.
Hist.-kritische
Gesamtausgabe,
1969; Der
Wahrheit
nachsinnen –
viel
Schmerz.
Gedichte,
Dramenfragmente,
Briefe,
1981.
Lit.:
E. Buschbeck,
1917; E.
Vietta,
1947; E.
Lachmann,
Kreuz u.
Abend, 1954;
T. Spoerri,
1954; A.
Focke, 1955;
K. Simon,
Traum und
Orpheus,
1957; H.
Goldmann,
Katabasis,
1957;
Erinnerungen
an G. T.,
hg. L. v.
Ficker,21959;
L. Dietz, D.
lyr. Form G.
T.s, 1959;
H. Szklenar,
1960; G. T.
in
Zeugnissen
d. Freunde,
hg. W.
Schneditz,
21960;
W. Falk,
Leid u.
Verwandlung,
1961; E. G.
Bleisch,
1964; G. T.
(Text u.
Kritik,
Sonderheft),
1964; T. J.
Casey,
Manshape
that shone,
Oxf. 1964;
O. Basil,
1965; W.
Killy, 1967;
R. Blaß,
1968; H.-G.
Kemper, G.
T.s
Entwürfe,
1969; Johann
Adam Stupp:
Georg Trakl.
Der Dichter
und seine
südostdeutsche
Abkunft,
Stuttgart,
1969; Johann
Adam Stupp:
Der Vater
des Dichters
Georg Trakl,
in:
Semesterblätter,
1967, H.
17-18, S.
31/41; R. D.
Schier, D.
Spr. G. T.s,
1970; A.
Helemich,
Klang u.
Erlösg.,
1971; R.
Rovini, La
fonction
poétique de
l'image dans
l'oeuvre de
G. T., Nizza
1971; E.
Philipp,
1971; H.
Lindenberger,
N. Y. 1972;
H. Wetzel,
Klang u.
Bild,21972;
J.-M.
Palmier,
Situation de
G. T., Paris
1971; Ch.
Saas, 1973;
Bibl.: W.
Ritzer,
1956. Bibl.
vor allem
neuerer
Sekundärlit.
v. H.-G.
Kemper in:
Text +
Kritik,
4/4a, 1969,
revid.
Neuausg.
geplant f.
1982; ders.:
„Trakl-Forschung
der
sechziger
Jahre“ in
DVjS. 1971;
Index zu G.
T., bearb.
v. W. Klein
u. H.
Zimmermann,
1971,
Christa Saas:
G. T., 1974;
Salzburger
Trakt-Symposion,
hg. v. W.
Weiss u. H.
Weichselbaum,
1978.
Londoner T.-Symposion,
Hg. v. W.
Methlagl u.
W. E. Yuill,
Salzburg
1981.
Horst Fassel