Josef
Trischler
(Dr. u.
Dipl.-Ing.
der Chemie,
Dipl.-Ing.
der
Landwirtschaft)
war als
Erzieher,
Genossenschaftler
und
Politiker
eine der
markantesten
Persönlichkeiten
des
Deutschtums
in
Jugoslawien,
von 1941 bis
1945 in
Ungarn.
Seine Eltern
hatten einen
landwirtschaftlichen
Zwergbesitz.
Er besuchte
sechs Jahre
lang das
Jesuitengymnasium
in Kalocsa
(im heutigen
Ungarn),
zwei weitere
Jahre das
Private
Deutsche
Gymnasium zu
Hatzfeld im
Banat
(damals
Königreich
der Serben,
Kroaten und
Slowenen),
heute
Rumänien.
Während
seiner
Studienzeit
in München
war er
zeitweise
Vorsitzender
der
„Landsmannschaft
Südostschwäbischer
Hochschüler“
sowie des
Bundes
„Südostschwäbischer
Hochschüler“,
der seine
Tätigkeit in
Deutschland,
Deutsch-Österreich,
Jugoslawien,
Ungarn und
Rumänien
entfaltete.
In den
Jahren
1930/1931
leistete er
seinen
Militärdienst
beim
südslawischen
Heer ab und
wurde, weil
er die
kyrillische
Schrift
nicht lesen
konnte, als
„Analphabet“
geführt.
Besondere
Verdienste
erwarb sich
Trischler
auf dem
Gebiet des
Genossenschaftswesens
der
deutschen
Minderheit
(später:
Volksgruppe)
in
Jugoslawien.
Die
Liquidität
der
Landwirtschaftlichen
Zentral-Darlehenskasse
war
unzureichend,
die meisten
Aktivposten
bestanden
aus nur
langsam
realisierbaren
Darlehen und
Anlagen. Die
ausländischen
Kreditgeber
drohten mit
Aufkündigung
ihres in den
Genossenschaftszentralen
investierten
Kapitals.
Die erste
Aufgabe
Trischlers
bestand in
der
Reorganisierung
des
deutschen
Genossenschaftswesens
in
Jugoslawien.
Die
Genossenschaftsform
war gewählt
worden, um
polizeiliche
Einmischung
des
südslawischen
Staates in
die
Wirtschaftsführung
abzuwehren.
Sie hatte
sich als
solche gut
bewährt, der
Verkehr mit
Nur-Mitgliedern
erwies sich
aber für
eine
dynamische
Wirtschaftsentwicklung
als zu eng.
Um die
schwierige
Frage der
Kreditierung
zu lösen,
erhielten
auf
Trischlers
Initiative
die
Genossenschaften
„Jugo-Agrar“,
die „Avis“
und der „Selektor“
neue
Rechtsformen.
Der
Grundgedanke
Trischlers
war:
Verknüpfung
des
genossenschaftlichen
Systems mit
privater
Initiative
und privatem
Kapital.
Trischlers
Konzeption
ging über
den engen
ökonomischen
Rahmen
hinaus. Sie
bedeutete
die
Sprengung
des bisher
bäuerlichen
Rahmens der
wirtschaftlichen
Gemeinschaftsarbeit.
Den
bisherigen
soziologischen
Schichten,
den Bauern,
Kaufleuten,
Handwerkern
und
Industriellen,
standen die
deutschen
Arbeiter
gegenüber,
die vierzig
von Hundert
der
deutschen
Bevölkerung
ausmachten.
Sie standen
bisher
außerhalb
der
deutschen
Wirtschaftsorganisation,
obwohl sie
mit ihren
Spareinlagen
zur
Liquiderhaltung
wesentlich
beitrugen.
Trischler
ging es um
die
Integration
der
Landarbeiter-Kredit-
und der
Wohlfahrtsgenossenschaften.
Sein größtes
Verdienst
erwarb sich
Trischler
mit der
Errichtung
der Privaten
Deutschen
Landwirtschaftlichen
Schule im
Schloß
Chottek zu
Futok in der
Batschka.
Daraus
machte er
ein großes
Schulungszentrum,
dem er auch
als Direktor
vorstand
(vorher
unterrichtete
er an der
Privaten
Deutschen
Lehrerbildungsanstalt
zu
Neu-Werbaß,
Batschka).
Die
Entwicklung
auf dem
Genossenschaftswesen
war
überschattet
vom
„innervölkischen“
Kampf
zwischen den
„alten
Demokraten“
unter dem
Abgeordneten
Dr. Stephan
Kraft und
der
nationalsozialistisch
orientierten
„Erneuerungsbewegung“
unter Dr.
Jakob
Awender.
Sein
Abgeordnetenmandat
in Belgrad
verdankte
Trischler
indirekt
einer
Intervention
des
deutschen
Gesandten
Viktor von
Heeren. 1938
kandidierten
auf der
Regierungsliste
an erster
Stelle nur
zwei
Deutsche:
der
Journalist
Franz Hamm
und der
Rechtsanwalt
Ludwig Keks.
Hamm wurde
gewählt (mit
den Stimmen
der
Deutschen
und der
Ruthenen
(Ukrainer).
Keks fiel
gegen den
Belgrader
Bankier
Gavrilović,
der früher
Fischer
geheißen und
sich
serbisch-orthodox
hatte taufen
lassen,
glatt durch.
Von Heeren
warf dem
jugoslawischen
Ministerpräsidenten
Stojadinović
Wahlschwindel
vor und
verlangte
eine
Wiederholung
der Wahl.
Der Serbe
lehnte ab,
vor allem
wegen einer
zu
erwartenden
Kettenwirkung
bei den
Kroaten,
veranlaßte
aber den
Unterrichtsminister
Dr.
Magarašević,
auf sein
Mandat als
Abgeordneter
zu
verzichten.
So kam sein
Stellvertreter
Dr.
Trischler
zum Zug. Nun
waren alle
zufrieden:
Das Deutsche
Reich, weil
der Protest
letzten
Endes doch
Erfolg
gehabt
hatte, die
Jugoslawien-Deutschen,
weil sie
einen
zweiten
Abgeordneten
bekamen, und
der
Ministerpräsident,
weil er den
Protest des
mächtigen
Deutschen
Reiches
zurückgewiesen
hatte.
Von 1941 bis
1945 gehörte
die Batschka
zu Ungarn.
Reichsverweser
Nikolaus von
Horthy
ernannte
unter
anderen
Trischler
und Hamm zu
Abgeordneten
im
Ungarischen
Reichstag.
1943 wurde
ein
Handgranatenattentat
auf die
Abgeordneten
Hamm,
Trischler
und
Spreitzer im
letzten
Moment
verhindert.
Der Täter,
ein sich
betrogen
fühlender
SS-Mann auf
Heimaturlaub
machte die
Abgeordneten
für die
Einberufung
der
Volksdeutschen
zur
Waffen-SS
verantwortlich.
Der
politische
Hintergrund:
Generalfeldmarschall
Keitel, der
Chef des
Oberkommandos
der
Wehrmacht ,
hatte am 20.
Januar 1942
in Budapest
von der
ungarischen
Regierung
einen
größeren
militärischen
Beitrag an
der Ostfront
gefordert.
Ungarn
wollte aber
nach
Möglichkeit
„madjarisches
Blut“
schonen und
gestattete
eine
großangelegte
Werbung
unter den
Ungarndeutschen
für die
Waffen-SS.
(Die
deutschen
Siedlungsgebiete
Batschka und
Nord-Siebenbürgen
gehörten
damals zu
Ungarn.) Die
Außenminister
von
Ribbentrop
und Bárdossy
vereinbarten,
daß
Ungarndeutsche
statt bei
der
ungarischen
Wehrmacht („Honvéd“)
bei der
Waffen-SS
dienen
konnten. Die
Werbung
mußte aber
von den
Amtswaltern
der
deutschen
Volksgruppe
in Ungarn
durchgeführt
werden.
Trotz
beachtlichen
Propagandaaufwands
meldeten
sich aber
nur 9.322
Mann. Ihnen
wurde
verschwiegen,
daß sie
durch den
Eintritt in
die SS die
ungarische
Staatsangehörigkeit
verlieren
würden. Nach
einer
zweiten
Werbeaktion
wurde
schließlich
am 16. April
1944 ein
Vertrag
zwischen dem
Deutschen
Reich und
Ungarn
geschlossen,
wonach für
alle
Volksdeutschen
der
Jahrgänge
1882 bis
1927 (vom
17. bis zum
62.
Lebensjahr)
eine
Einberufungspflicht
zur
Waffen-SS
bestand. Von
„Freiwilligkeit“
war nicht
einmal mehr
formal die
Rede.
Trischler
stand also
zwischen
zwei
Fronten: dem
Deutschen
Reich und
seinen
Landsleuten
bei der
Waffen-SS,
die ihre
Staatsbürgerschaft
verloren
hatten. Da
die Batschka
1945 von
Ungarn an
die
Föderative
Sozialistische
Volksrepublik
Jugoslawien
abgetreten
werden mußte,
wurde die
gesamte
deutsche
Volksgruppe
vom Tito-
Regime wegen
Landesverrates
enteignet
und
interniert.
Vom
Kleinkind
bis zu den
Greisen,
unterschiedslos,
ob sie nun
für oder
gegen Hitler
gewesen
waren.
Die
Kandidatur
Dr.
Trischlers
zum ersten
Deutschen
Bundestag
war durch
Art. 116 des
Grundgesetzes
möglich
geworden,
der allen
Deutschen,
die auf dem
Boden der
Bundesrepublik
Deutschland
ansässig
waren, also
auch den
Volksdeutschen
ohne
deutsche
Staatsbürgerschaft
(das
Staatsbürgerschaftsbereinigungsgesetz
kam erst
später) die
Gleichberechtigung
mit den
Einheimischen
und
Eingebürgerten
sicherte.
Alle
südostdeutschen
Gruppen –
landsmannschaftliche
Zusammenschlüsse
waren noch
durch die
Gesetze der
Besatzungsmächte
verboten –
waren sich
darin einig,
daß es bei
dieser Wahl
galt,
Wahldisziplin
zu
demonstrieren
und damit
ihr
zahlenmäßig
geringes
Gewicht
wettzumachen.
Trischler
kandidierte
auf der
Liste der
einzigen
Partei, die
bereit war,
einem
Südostdeutschen
einen
aussichtsreichen
Platz
einzuräumen,
der FDP, der
er damals
noch nicht
als Mitglied
angehörte.
In seinen
Wahlreden
paßte er
sich der
Situation
und der
Stimmung an,
ohne seinen
Standpunkt
zu
verleugnen.
Hier sprach
er seine
Landsleute
in Mundart
an, dort
hielt er
Reden auf
hohem
sozialpolitischen
Niveau, die
den
Vergleich
mit den
Ausführungen
von Thomas
Dehler und
Theodor
Heuss nicht
zu scheuen
brauchten.
(Heuss hatte
sich
übrigens in
jüngeren
Jahren mit
der
donauschwäbischen
Literatur
publizistisch
beschäftigt.)
Die Wahl am
14. August
1949
erbrachte
ihm als
einzigem
Südostdeutschen
ein
Bundestagsmandat.
Er wurde
Repräsentant
jener, die
zu keiner
Zeit Bürger
des Reiches
gewesen
waren. Als
man bei der
Beratung der
Flüchtlings-
und
Vertriebenengesetze
erwog, nur
deutsche
Bürger und
ehemalige
Bürger
Österreichs
in deren
Genuß kommen
zu lassen,
war es
Trischlers
Einsatz zu
verdanken,
daß auch die
Deutschen
aus
Südosteuropa
in alle
einschlägigen
Gesetze mit
einbezogen
wurden. (Man
sprach im
Bundestag
salopp von „Trischler-Leuten“
und meinte
die
Südostdeutschen.)
Trischlers
Anliegen war
die
Seßhaftmachung
der
Südostdeutschen.
Da
vorauszusehen
war, daß
sich die
Abwicklung
des in
diesem 1.
Deutschen
Bundestag
beschlossenen
Lastenausgleichsgesetzes
über
Jahre
hinziehen
werde, trat
er für die
Gewährung
billiger
Kredite ein
und für die
Anerkennung
der in
Nachbarschaftshilfe
geleisteten
Arbeit an
Eigenheimen
als Ersatz
für
finanzielle
Eigenleistung.
Nach 1953
wählten alle
südostdeutschen
Landsmannschaften
Trischler
zum
Vorsitzenden
des
„Südostdeutschen
Rates“,
eines Amtes,
das er
jahrelang
innehatte.
Er dürfte
der einzige
Abgeordnete
gewesen
sein, der
dem
Parlament
dreier
Staaten
(Jugoslawiens,
Ungarns und
der
Bundesrepublik
Deutschland)
angehört
hatte.
Lit.:
Brücker,
Wilhelm: Dr.
Josef
Trischler 70
Jahre alt.
In: Banater
Post.
München.Jg.
28 (1973)
Nr.4, S. 4
f. –
Schumacher,
Ludwig: Dr.
J. Trischler
zum 65.
Geburtstag.
In: Jb. der
Donauschwaben
aus
Jugoslawien.
Sindelfingen
1969. S. 72-
74. – Der
Donauschwabe.
Aalen. Jg.18
(1968) Nr.
12. S. 1. –
Der
Ungarndeutsche.
München. Jg.
12 (1968)
Nr. 7. S. 6.
– Neuland.
Salzburg.
Jg. 21
(1968) F.12.
S. 3.