Hansheinrich
Trunz wuchs
in
Allenstein
auf, wo der
Vater August
Trunz
(1875-1963)
in den
Jahren
1907-1935
Generalsekretär
des
Landwirtschaftlichen
Zentralvereins
war.
Hansheinrich
besuchte
zunächst die
Kopernikus-Oberrealschule
in
Allenstein,
wechselte
dann aber
bis zum
Abitur
Ostern 1931
an die
Herder-Oberrealschule
in Mohrungen.
Nach
praktischer
landwirtschaftlicher
Tätigkeit
als Eleve
studierte er
an der
Universität
Königsberg
Landwirtschaft.
Sein Studium
schloss er
dort am 3.
Februar 1938
mit der
Promotion
zum Dr. rer.
nat. bei
Prof. Werner
Kirsch
(1901-1975)
ab, wofür er
die
Dissertation
Der
Einfluss der
staatlichen
und privaten
Körordnungen
auf die
ostpreußische
Pferdezucht
vorlegte. Um
nicht bei
der von den
Nationalsozialisten
beherrschten
Landesbauernschaft,
der früheren
Landwirtschaftskammer,
arbeiten zu
müssen, die
seinen Vater
1935 aus
politischen
Gründen
zwangspensioniert
hatte, legte
er 1939 an
der
Hochschule
für
Lehrerbildung
in Lauenburg
(Pommern)
die
Staatsprüfung
für das
Lehramt der
Landwirtschaft
ab. Nach
kurzer
Tätigkeit an
den
Landwirtschaftsschulen
in Sensburg
und
Preußisch
Holland
wechselte er
zur
Landwirtschaftlichen
Beratungsstelle
der
Thomasphosphat-Fabriken
in
Königsberg,
musste aber
bereits 1939
Soldat
werden. Vom
Juli 1944
bis April
1948 befand
Trunz sich
in
sowjetischer
Kriegsgefangenschaft,
aus der er
krank
entlassen
wurde. Ab 1.
Oktober 1948
konnte er
wieder bei
seinem alten
Arbeitgeber,
den
Thomasphosphat-Fabriken
in
Düsseldorf,
als
Werbeleiter
arbeiten und
blieb dort
bis zur
Pensionierung
(1973). In
dieser Zeit
verfasste er
Fachaufsätze
und
Werbeschriften
und war 1951
(1949?)
Mitgründer
des
Verbandes
Deutscher
Agrarjournalisten.
Er lebte in
Mettmann bei
Düsseldorf,
zog nach dem
Tod seiner
Frau (1989)
aber zu
seinem
älteren Sohn
nach
Clausthal-Zellerfeld.
Trunz war in
einem
kulturell
sehr regen
Elternhaus
aufgewachsen
und durch
die
Prussica-Bibliothek
seines
Vaters schon
früh zur
ostpreußischen
Kulturgeschichte
hingezogen
worden. Als
Schüler
regte ihn
sein
Allensteiner
Deutschlehrer
zur
Beschäftigung
mit der
Heimatkunde
an. So
verfasste
Trunz
bereits 1928
einen
Jahresschulaufsatz
über die
Kirchen im
Landkreis
Allenstein,
den er in
gekürzter
Form 1968 im
Heimatbuch
des Kreises
Allenstein
veröffentlichte.
Durch
glückliche
Umstände
konnte 1945
die
Prussica-Bibliothek
des Vaters
nach dem
Westen
gebracht
werden und
wurde dann
von den
Brüdern
Prof. Erich
Trunz
(1905-2001),
dem
Germanisten,
besonders
Goethe- und
Barockforscher,
und
Hansheinrich
Trunz
gepflegt und
benutzt und
besonders
durch
Hansheinrich
mittels
Ankäufen
ständig
erweitert.
Mit Hilfe
dieser
Sammlung
begann
Hansheinrich
Trunz
Abhandlungen
zu
schreiben,
besonders zu
kulturgeschichtlichen
Fragen. Ihn
reizten der
Inhalt der
alten Bände
und ihre
Autoren,
aber auch
die
Papiermacher
und das
Papier, auf
dem die
Bücher
gedruckt
waren. Gern
widmete er
sich der
Alltagskultur
und
Kulturtechniken,
berichtete
auch immer
wieder über
die
Pferdezucht
und die
Landwirtschaft
in
Ostpreußen.
Lange
veröffentlichte
er seine
Aufsätze in
Zeitungen
und
Zeitschriften,
bevor er
Monographien
herausbrachte,
beginnend
mit dem Band
Pferde im
Lande des
Bernsteins
(1967, 2.
Aufl. 1979),
in dem er
4.000 Jahre
Geschichte
der Pferde
in
Ostpreußen
darstellt.
Eine Art
Ergänzung
hierzu
bildete der
dünne Band
Landstallmeister
Wilhelm von
Burgsdorff-Trakehnen
(1814-1842)
(1988). Mit
dem Werk
Apotheker
und
Apotheken in
Ost- und
Westpreußen
1397-1945
(Band 1
1992, Band 2
zum Druck
vorbereitet,
erschienen
1996) betrat
er
„historisches
Neuland“ und
schuf die
erste
umfassende
Darstellung
dieses
Berufsstandes
für eine
östliche
deutsche
Provinz. Der
Band enthält
im
Wesentlichen
Quellenangaben;
die Quellen
selbst sind
in einer
umfangreichen
Materialsammlung
zusammengestellt,
die er noch
zu Lebzeiten
an
Vesters
Archiv für
Pharmazie
abgab, das
sich heute
in der
Universität
Basel
befindet.
Ausführliche
Darstellungen
über die
Apotheken
und ihre
Besitzer hat
Trunz für
die Kreise
Angerapp-Darkehmen,
Bartenstein,
Braunsberg,
Lyck,
Osterode,
Sensburg und
Wehlau
veröffentlicht.
Aufgrund
dieser
Veröffentlichungen
erhielt er
viel neues
Material, so
dass er
einen
zweiten Band
noch zum
Druck
vorbereitete
und weitere
Unterlagen
einem
Nachfolger
übergab. Als
einziger
befasste er
sich nach
1945 auch
mit den
Papiermühlen
und
Papiermachern
in Ost- und
Westpreußen.
Nach
Veröffentlichungen
über die
Papiermühlen
in Kutzburg
(Kr.
Ortelsburg)
und Domkau
(Kr.
Osterode,
beide 1974)
folgte ein
größerer
Beitrag über
Die
ermländischen
Papiermühlen
Wusen und
Wadang
(Zeitschrift
für die
Geschichte
und
Altertumskunde
Ermlands,
38, 1976, S.
53-79).
Seine
weiteren
Unterlagen
übergab er
seinem
Nachfolger
Dr. Klaus
Roemer, mit
dem zusammen
er den Band
Die
Geschichte
der
Papiermühlen
Westpreußens
einschließlich
des
Netzedistrikts
noch zum
Druck
vorbereitete
(erschienen
2000).
Da die
Prussica-Sammlung
Trunz im
Laufe der
Jahrzehnte
zu einer der
größten
privaten
Sammlungen
dieser Art
angewachsen
war, die
Hansheinrich
und Erich
Trunz auch
der
allgemeinen
Benutzung
zugänglich
machen
wollten,
übergaben
sie diese
1978 der
Universitäts-Bibliothek
Münster,
doch
sammelte
Hansheinrich
weiter und
ließ 1991
einen
Katalog der
gesamten
Sammlung
erscheinen.
Auch die
ursprünglich
von seinem
Bruder Erich
begonnene
Familiengeschichte
der
mütterlichen
Linie hat
Hansheinrich
in den
Jahren 1978
bis 1988
unter dem
Titel
Chronik der
Familie
Fähser
zu einem
dreibändigen
Werk mit
reichem
Quellenmaterial
erweitert.
Obwohl
Hansheinrich
Trunz im
Laufe der
Jahre
insgesamt
etwa 240
Arbeiten
veröffentlichte,
war er zu
bescheiden,
um seine
Leistung in
den
Vordergrund
zu stellen.
Die
Landsmannschaft
Ostpreußen
ehrte ihn
aber 1992
mit ihrem
Kulturpreis
für
Wissenschaft.
Trunz hat
sich lange
und
intensiv,
mit viel
Liebe zum
Detail, mit
Themen
beschäftigt,
die nicht
traditionelle
Arbeitsfelder
der
Historiker
sind.
Lit.:
Nachweise
bei: Klaus
Bürger:
Trunz,
Hansheinrich,
in:
Altpreußische
Biographie,
Bd. V, 1.
Lieferung,
Marburg/Lahn
2000, S.
1722-1723.
Bild:
Das
Ostpreußenblatt
27.6.1992,
Folge 26, S.
4.
Klaus Bürger