Tschirnhaus
ist einer
der
bedeutenden
Repräsentanten
der frühen
Aufklärung
in
Deutschland
– zusammen
mit dem fünf
Jahre
älteren
Gottfried
Wilhelm
Leibniz und
dem vier
Jahre
jüngeren,
seit 1681 in
Leipzig und
seit 1694 in
Halle
lehrenden
Christian
Thomasius.
Er war der
erste
Deutsche,
der in die
Pariser
Akademie der
Wissenschaften
aufgenommen
wurde (1682
auf
Vorschlag
von
Colbert).
Sein
philosophisches
Hauptwerk
ist die „Medicina
mentis sive
artis
inveniendi
praecepta
generalia“,
d.i. eine
Medizin des
Geistes oder
allgemeine
Vorschriften
für die
Kunst der
Entdeckung
von
Wahrheiten.
Dieses Werk
enthält eine
Logik und
eine
Erkenntnistheorie,
die sowohl
der
Erfahrung
als auch der
rein
intellektuellen
Erkenntnis
des Menschen
ihr Recht zu
geben
versucht.
Das Buch ist
1687 in
Amsterdam
erschienen,
nachdem dort
bereits ein
Jahr zuvor
seine „Medicina
corporis seu
cogitationes
admodum
probabiles
de
conservandi
sanitate“,
d.i. eine
Medizin des
Körpers mit
höchst
wahrscheinlichen
Betrachtungen
über die
Erhaltung
der
Gesundheit,
herausgekommen
war. Von
diesem Werk
erschien
1687 eine
niederländische
Übersetzung.
Sein
philosophisches
Denken
knüpft an
Descartes,
Spinoza und
Leibniz an.
Mit Spinoza,
den er
verteidigte,
und mit
Leibniz
stand er in
persönlichem
Kontakt. Für
die
Entwicklung
der
Philosophie
von
Christian
Wolff, des
1679 in
Breslau
geborenen
Vaters der
Gründlichkeit
und der
Aufklärung
in
Deutschland,
war seine
medicina
mentis nicht
ohne
Bedeutung.
Auch zur
Pädagogik im
Aufklärungszeitalter
leistete er
wirksame
Beiträge.
1700
erschien
sein Werk
„Gründliche
Anleitung zu
nützlichen
Wissenschaften,
absonderlich
zu der
Mathesi und
Physica, wie
sie anitzo
von den
Gelehrtesten
abgehandelt
werden“.
Dieses Werk
wurde
mehrfach,
auch nach
seinem Tode,
neu
aufgelegt.
In Halle
übte diese
Schrift
wegen der
starken
Berücksichtigung
der Realien
(besonders
der
Mathematik
und Physik),
aber auch
wegen neuer
Methoden zum
Erlernen
fremder
Sprachen
Einfluß auf
den Lehrplan
der Anstalt
von August
Hermann
Francke aus.
So hat
zunächst die
Pädagogik
der
Pietisten
und später
des
Philanthropinismus
in den
Gedanken von
Tschirnhaus
manche
Stütze
finden
können.
Als
Naturwissenschaftler
war
Tschirnhaus
bis in die
Technik
hinein
erfolgreich.
Seine
Experimente,
denen die
Aufmerksamkeit
und
Förderung
durch den
Kurfürsten
von Sachsen
zuteil
wurde,
führten u.a.
zur
Erfindung
des
europäischen
Porzellans,
das in
Meissen
seine erste
und bis
heute
berühmteste
Produktionsstätte
fand.
Diese weit
gefächerte
Wirksamkeit
von
Tschirnhaus
wird erst
auf dem
Hintergrund
seines
Lebensweges
verständlich.
Aus altem
deutschen
Adel
stammend,
erhielt er
seine erste
Ausbildung
durch
Hauslehrer
und konnte
mit 15
Jahren
bereits in
die Prima
des unter
Leitung des
angesehenen
David
Vechner
stehenden
Görlitzer
Gymnasiums
eintreten.
1688 bezog
er die
berühmte
Leidener
Universität,
wo er den
Cartesianismus
in
Philosophie
und
Mathematik
und den
calvinistischen
Protestantismus
kennen
lernte. 1672
unterbrach
er seine
besonders
der Medizin
und den
Naturwissenschaften
gewidmeten
Studien, um
den von ihm
hoch
geschätzten
niederländischen
Republikanismus
gegen Ludwig
XIV. von
Frankreich
zu
verteidigen.
Anderthalb
Jahre diente
er als
Freiwilliger
im Regiment
des Obersten
von Niewland
und hielt
die
Belagerung
von Wesel
aus. Danach
kam er mit
Spinoza,
Oldenburg,
Papin, Boyle
und in Paris
mit Huygens
in Kontakt,
der ihn
damals schon
in den Kreis
der Pariser
Akademie
einführte.
In Paris
lernte er
auch Leibniz
kennen, den
er nach
Beendigung
einer
Kavalierstour
durch
Italien, die
ihn bis nach
Malta
führte, 1679
in Hannover
besuchte,
bevor er in
seine
oberlausitzische
Heimat
zurückkehrte.
Angebote,
als Kanzler
an die
Universität
Halle oder
als hoher
Beamter nach
Hessen-Darmstadt
oder
Hessen-Kassel
zu gehen,
lehnte er
ab. Er
wollte sich
vor allem
seinen
naturwissenschaftlichen
Experimenten
widmen.
Lit.:
Lebens- und
Todes-Geschichte
des
weltberühmten
Herrn
Ehrenfried
Walther von
Tschirnhaus
etc.
(anonym),
Görlitz bei
Jacob
Rohrlachen
1709. H.
Weißenborn:
Lebensbeschreibung
des E.W. v.
Tschirnhaus,
Eisenach
1866. H.
Kunze im
"Neuen
Lausitzischen
Magazin",
Bd. 43.
Werke:
Ehrenfried
Walther von
Tschirnhaus,
Medicina
mentis ...
Erstmalig
vollständig
ins Deutsche
übersetzt
und
kommentiert
von Johannes
Haussleiter.
Leipzig
1963.
Bild:
Otto Walcha:
Meißner
Porzellan,
Dresden
1975.
Eberhard
Günter
Schulz