Zu den
legendären
Erscheinungen
während der
Kämpfe der
„Weißen“
gegen die
„Roten“ in
den Weiten
Rußlands in
den Jahren
1917 bis
1921 gehört
General-Leutnant
Roman
Freiherr von
Ungern-Sternberg,
der als Sohn
des Geologen
und
Wirklichen
Mitglieds
der
Kaiserlichen
Geographischen
Gesellschaft,
Dr. phil.
Theodor Frhr.
v. U.-St.
auf Waldau
(Estland)
und seiner
Gemahlin
Sophie, geb.
Freiin von
Wimpffen, am
29. Dezember
1885 in Graz
geboren
wurde.
Bereits in
der Schule,
so heißt es
über ihn,
wurde er zum
Schrecken
seiner
Lehrer. Er
trat in das
privilegierte
Marinekadettenkorps
zu St.
Petersburg
ein,
absolvierte
die
Pawlow'sche
Militärschule
als jüngerer
Gardemarin
des
Marinekorps
mit dem
Diplom 2.
Grades,
befand sich
1905 beim
Regiment
Dwinsk und
wurde auf
seinen
Wunsch gegen
Ende des
Russisch-japanischen
Krieges an
die
fernöstliche
Front
abkommandiert,
wo er den
Zusammenbruch
der
russischen
Armee
erlebte und
an der
Grenze der
Mandschurei
erkrankt
ist. Einen
Heimaturlaub
verband er
mit einer
Reise nach
Deutschland,
Frankreich
und der
Schweiz
sowie zu
Verwandten
seiner
Mutter nach
Wien. Nach
seiner
Rückkehr bat
er um
Versetzung
von der
Garde zu den
sibirischen
Kosaken. Er
wählte das
Amurkosakenregiment
in
Blagoweschtschensk
und wurde
später zum
Tschita
Regiment der
Transbaikalkosaken
versetzt,
von wo er
jedoch bald
wieder nach
Blagoweschtschensk
zurückkehrte.
Beim
Ausbruch des
Ersten
Weltkrieges
wurde er an
die Front
versetzt und
gelangte
nach der
Schlacht bei
Tannenberg
in das
Masurische
Seengebiet.
Er wurde zum
Rittmeister
befördert,
erhielt den
Georgs-Orden
4. Kl. mit
Schwertern
am Bande,
den
Annen-Orden
3. Kl.,
wurde
viermal
verwundet,
galt als
hervorragender
Offizier und
wurde mit
dem Goldenen
Georgs-Ehrensäbel
ausgezeichnet.
Gegen Ende
1916 kam er
nach
mehrfachem
Truppenwechsel
zur sog.
„Wilden
Division“,
die ein
Bruder des
Kaisers
befehligte.
Er wurde an
die
persische
Grenze
versetzt,
erlebte 1917
den
Zusammenbruch
des
russischen
Kaiserreiches
und warf
sich dem
Strom der
Revolution
entgegen.
Kreuz und
quer zog er
durch
Sibirien,
sammelte
eine
verschworene
Schar
verwegener
Offiziere
und
Mannschaften
um sich und
ging in die
Äußere
Mongolei, wo
er Menschen
fand, die
seinem Wesen
verwandt
waren. Ganze
Stämme
stießen zu
ihm, sein
Ruhm
verbreitete
sich, als
wäre er ein
wiedergeborener
Dshingis-Chan.
Er wurde zum
General-Leutnant
und
Kommandeur
der
Asiatischen
Kavallerie-Division
und des
Detachements
der Kosaken
von Ataman
Ssemenow
ernannt und
war
Befehlshaber
der Weißen
Armee in der
Mongolei
gegen die
Bolschewiken.
Er besiegte
die Garnison
der Roten in
der
Hauptstadt
Urga und
wollte als
Chan der
Mongolei
anerkannt
werden. Er
heiratete am
30. Juli
1919 die
1900 in
Peking
geborene
Prinzessin
Zsi,
vormaliges
Hoffräulein
der Kaiserin
von China,
die bei der
Trauung den
Namen Helena
Pawlowna
erhielt.
Nach der
Eroberung
von Urga
beschloß er,
um Herr von
ganz
Ost-Sibirien
zu werden,
den
Baikalsee zu
erreichen
und die
Transsibirische
Eisenbahnlinie
abzuschneiden.
Er wurde
Buddhist,
und es
gelang ihm,
bis 1921 das
Vordringen
des
Bolschewismus
in die
Äußere
Mongolei zu
verhindern,
wo er mit
der
Entwicklung
des Landes
begann, mit
der Gründung
von
Industrien,
Schulen und
Krankenhäusern.
Schließlich
gelang es
der
Übermacht
der Roten,
sich seiner
(durch
Verrat?) zu
bemächtigen.
Sie
überwältigten
ihn; ein
Kriegsgericht
verhängte
das
Todesurteil
über ihn,
nachdem ein
Versuch der
Roten, ihn
für sich zu
gewinnen,
gescheitert
war. Er
wurde am 17.
September
1921 in
Irkutsk
hingerichtet.
Ein
ritterliches
Leben war zu
Ende
gegangen.
Die Legende
bemächtigte
sich seiner.
Man verehrte
ihn als
„Herzog der
Mongolen“,
als ihren
wiedergeborenen
Kriegsgott.
Lit.:
Nils Frhr.
v.
Ungern-Sternberg:
„De Hungaria.
Ungern-Sternberg
zu Pürkel,
Ein
Geschlecht
im Wandel
der Zeiten“
(Selbstverlag
des
Verfassers,
1979);
Berndt
Krauthoff:
Ich befehle.
Kampf und
Tragödie des
Barons
Ungern-Sternberg
(Bremen
1938, 367
S.).
Erik Thomson