Joachim
Utech hat
nach dem
Besuch des
Gymnasiums
in seiner
Heimatstadt
bei
Bildhauer
Bräger in
Kolberg
volontiert,
im Winter
von 1907 auf
1908 die
Kunstschule
des Westens
in
Berlin-Charlottenburg,
danach,
unterbrochen
durch das
Einjahrig-Freiwilligen-Jahr
beim
Pommerschen
Artillerie-Regiment,
die
Hochschule
der
bildenden
Künste in
Berlin-Charlottenburg
(Professoren
Koch und
Friedrich)
besucht und
nach dem
Studium an
der
Staatlichen
Kunstschule
im
Zeichenlehrer-Seminar
(Professoren
Hauschild
und Frank)
1912 die
Staatsprüfung
als
Kunsterzieher
und
Werklehrer
abgelegt. Es
folgten noch
Studien in
Leipzig
(Akademie
für
Buchgewerbe
und Graphik,
Universität,
Pädagogische
Handelshochschule).
Nach
Kriegsdienst
und schwerer
Verwundung
war er 1919
bis 1945
Kunsterzieher
an höheren
Schulen in
Leipzig,
Insterburg
und Beigard,
das er
Anfang März
auf der
Flucht vor
den
sowjetischen
Truppen
verließ. Die
Nachkriegsstationen
waren
Eyendorf in
der
Lüneburger
Heide,
Lüneburg
(neue
Berufstätigkeit
als
Studienrat
im Johanneum
und an der
Wilhelm-Raabe-Schule),
nach
frühzeitigem
Ruhestand
(Herzleiden
als Folge
der
Strapazen
der Flucht)
die
Atelierzeit
von 1952 bis
1955 in
Daxweiler im
Hunsrück,
die
Übersiedlung
in die
neugeschaffene
Siedlung des
Heimstättenwerkes
für
Wissenschaftler
und Künstler
in
Marburg/Lahn,
in deren
Nähe er auch
bestattet
ist.
Erste
künstlerische
Erfolge und
Ausstellungen
in
Deutschland
gipfelten in
der
Beteiligung
an der
Biennale di
Venezia
1936. Auch
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
fand Utech
Beachtung in
Ausstellungen,
die bisher
in der
letzten kurz
vor seinem
Tode,
gestaltet
von der
Künstlergilde,
im
Germanischen
Nationalmuseum
Nürnberg
(Jahrestagung
des
Ostdeutschen
Kulturrats)
und der
Gedächtnisausstellung
1971 in der
Ostdeutschen
Galerie
Regensburg
gipfelten,
in der neben
den
Sammlungen
der Stiftung
Pommern in
Kiel
wesentliche
Teile des
Nachlasses
gesammelt
und
ausgestellt
sind.
Öffentliche
Aufträge
wurden dem
Künstler
nach dem
Krieg vor
allem in
Marburg
zuteil.
Einige
Publikationen
unterrichten
über Utech.
Die Familie
und
Schülerinnen
und Schüler
pflegen
pietätvoll
sein Werk.
Ausstellungen
im
Gedenkjahr
sind
vorbereitet,
doch steht
Joachim
Utech noch
viel zu
wenig im
Bewußtsein
der
Öffentlichkeit,
auch der
Kunstfachwelt.
Zu bemerken
wäre noch,
daß die
sowjetische
Besatzung
1945 die
Hand über
Utechs
zurückgelassene
Werke hielt
– als Dank
nicht
zuletzt für
seine
Maxim-Gorki-Büste,
sogar die
Eröffnung
eines
Utech-Museums
in seinem
Belgarder
Haus
veranlaßte,
das von den
Polen
aufgelöst
wurde. Das
polnische
Kultusministerium
hat aber –
fast ein
einzigartiger
Vorgang –
1957 75
Arbeiten
Utechs der
Familie
(nach
Marburg)
zurückgegeben.
Joachim
Utech sprach
einmal von
einem
Findling,
dem er als
Kind
vergeblich
versucht
hatte,
seinen
„plastischen
Willen
aufzuzwingen“,
als von
seinem
„gewaltigen
Gegner“. Und
später heißt
es dann:
„Mein
Schaffen in
Granit wurde
mein größtes
Glück.“ Das
harte
Urgestein
vor allem
war sein
Werkstoff.
„Denn alle
diese
kleinen,
unscheinbaren
Pflastersteine,
die da im
Straßenstaub
niemand
beachtet,
sind meine
besten
Freunde.
Hier bin ich
in meinem
Reich, denn
ich kenne
sie edle:
Die Granite
und Gneise
in ihrer
glitzernden
Farbenpracht,
die Diorite
und Basalte
in ihrer
unerhörten
Härte, die
feurigen
Porphyre und
die
widerspenstigen
Syenite, die
dunklen
Gabbros
und die
grobkristallischen
Pegmatite
und
schließlich
die stolzen
finnischen
Rapakiwi
...“ Utech
war ein
Bildhauer im
wahrsten und
eigentlichen
Sinne des
Wortes, wie
man ihn in
unserer Zeit
kaum mehr
antrifft.
Unmittelbar
aus dem
Material
geholt,
erwuchsen
seine Köpfe,
figuralen
Kompositionen,
seine Tier-
und
Phantasiegestalten,
seine
zeichenhaften
Formungen.
Neben
mannigfachen
Steinen sind
die
schmiegsameren,
ganz andere
Ausdrucksmöglichkeiten
erschließenden
Hölzer seine
Werkstoffe
gewesen.
Modelle
spielten für
diesen
Bildhauer
kaum eine
Rolle, seien
es auch nur
Vorarbeiten.
Skizzen sind
von ihm
unbekannt.
Bei allen
Anklängen an
griechische
Plastik,
Archaisches,
ägyptische
Kunst, Früh-
und
Hochmittelalter
hat sich
Utech eine
eigene
zeitlose
Handschrift
erarbeitet.
Seine
Skulpturen
sind aus
einem
jahrelangen
Leben und
Kampf mit
dem Stein
und dem Holz
erwachsen.
Zwischen
Utechs nur
scheinbar
naturalistischen
und seinen
absoluten
Formen sind
nur
Übergänge,
nicht
Gegensätze
in der
Aussage zu
verzeichnen.
Mit der
Sicherheit
des in
seiner
Herkunft
Wurzelnden
hat er sich
mit den
Anregungen
verschiedener
Zeitalter
auseinandergesetzt
und eine
Sprache
gefunden,
die ihn in
diesem
Jahrhundert
als Solitär
ausweist.
Zu Hunderten
standen die
Stein- und
Holzskulpturen
von Joachim
Utech im
Keller
seiner
Atelierwohnung
in der
Siedlung für
Künstler und
Wissenschaftler
in
Marburg/Lahn
sowie in
einem Raum
des
Schlosses
hoch über
der Stadt.
Durch die
Vermittung
des um
Pommern
hochverdienten
Architekten
und
Schriftstellers
Hans
Bernhard
Reichow sind
die meisten
Werke aus
dem Nachlaß
zwischen der
Stiftung
Pommern Kiel
und der
Ostdeutschen
Galerie
Regensburg
aufgeteilt
worden.
Wenige
Monate vor
seinem Tode
konnte Utech
noch die
Freude
haben, daß
ihm eine
würdige und
eindrucksvolle
Sonderausstellung
im Kreuzgang
des
Germanischen
Nationalmuseums
Nürnberg
ausgerichtet
wurde. Wie
er in einem
Dankesbrief
schrieb,
ahnte er,
daß dies die
letzte zu
seinen
Lebzeiten
sein würde.
Lit.:
Straße
(„Gespräch
mit
Granit“),
20.2.1949.
Der Holz-
und
Steinbildhauer,
1949, H. 2.
– Die Kunst,
München,
Nov. 1950
und Mai
1959. – Das
Kunstwerk,
Baden-Baden,
1951, H. 2.
– Der
Naturstein,
1951, H. 7
und 1959, H.
5 und 6. –
Steimetz und
Steinbildhauer,
München,
Febr. 1952,
Juli 1953
und Mai
1959. – The
Studio,
London, Mai
1957. – La
Revue
Moderne,
Paris, Sept.
1956. –
Baltische
Studien, 4.
Band, Okt.
1957. –
Franz Roh,
Geschichte
der
deutschen
Kunst von
1950 bis zur
Gegenwart,
München
1958, S. 352
f. – Katalog
der
Ausstellung:
Steinbildwerke
und
Fotographien
von
Plastiken;
Nürnberg,
Germanisches
Nationalmuseum,
Nov. 1959. –
Joachim
Utech,
Skulpturen
in Stein und
Holz;
Ostdeutsche
Galerie
Regensburg,
März-Mai
1971 (reichbebilderter
Katalog). –
Joachim
Utech –
Skulpturen
in Stein und
Holz. Aus
Anlaß des
25.
Todestages
des
Künstlers
1985
zusammengestellt
von Ilse
Hohrank-Detmold
(15 Abb.).
Zu beiden
Katalogen
Texte von
Ernst
Schremmer.
Ernst
Schremmer