Bekanntlich
handelte es
sich bei der
1918/1919
wiedererstandenen
Republik
Polen in bevölkerungsmäßiger
Hinsicht
keineswegs
um einen
rein
polnischen
Staat.
Vielmehr
machten dort
die
nationalen
Minderheiten
– Ukrainer,
Juden,
Weißruthenen,
Deutsche u.a.
– zusammen
etwa 40% der
Bevölkerung
aus. Diesen
Volksgruppen
war im
Versailler
Minderheitenschutzvertrag
vom
28.6.1919
die Wahrung
der
völkischen
Eigenart
sowie die
Gleichberechtigung
aller
polnischen
Bürger
international
garantiert
worden. So
waren diese
Minderheiten
– also auch
die
deutsche,
die 1919
etwa 2
Millionen,
am 31.
August 1939
nur noch
etwa 1100000
Köpfe zählte
– jeweils in
den
polnischen
parlamentarischen
Kammern – im
Sejm und im
Senat –
vertreten.
Derjenige
Deutsche,
der diesen
Kammern bei
weitem am
längsten
angehörte,
nämlich 8
Jahre dem
Sejm und
danach 5
Jahre dem
Senat, war
August Utta.
Er wurde am
5. Juni 1887
als
Bauernsohn
in
Augustynow
im Kreis
Wielun –
unweit von
Lodz – im
seinerzeitigen
Russisch-Polen
geboren.
Nach Besuch
des damals
in Warschau
befindlichen
(später nach
Lodz
verlegten)
Evangelischen
Lehrerseminars
war er
einige Jahre
in
Mittelpolen-Land
als
Volksschullehrer
und Kantor tätig.
1913 wurde
er nach Lodz
versetzt,
aber während
des 1.
Weltkrieges
mußte er
seinen
staatsbürgerlichen
Pflichten
als
russischer
Soldat
nachkommen.
Erst 1918
konnte Utta
in Lodz
wieder seine
Tätigkeit
als Lehrer
aufnehmen.
Er wurde
Schulleiter
und bald
danach
Stadtverordneter.
Schon 1922
wurde er als
deutscher
Vertreter
des
Wahlkreises
Lodz-Land in
den Sejm
gewählt, dem
er von 1922
bis 1928 und
von 1928 bis
1930
angehörte.
Im letzteren
Parlament
waren die
deutschen
Siedlungsgruppen
in
Posen-Pommerellen,
in
Mittelpolen,
in Wolhynien,
in Galizien
sowie in
Ostoberschlesien
und im
Teschener
Schlesien
insgesamt
durch 21
Sejmabgeordnete
und 5
Senatoren
vertreten.
Bei den
Wahlen 1930
konnten die
Deutschen in
ganz Polen
nur noch 5
Abgeordnete
und 3
Senatoren
durchbringen;
einer von
den
letzteren
war August
Utta.
Im Laufe
dieser Jahre
hat der
Genannte
sich u. a.
als Mitglied
von
Parlamentsausschüssen
eifrig für
die
deutschen
Belange,
insbesondere
für das
deutsche
Schulwesen,
eingesetzt.
Ihm
verdankte
das
Deutschtum
Polens u.a.
die Annahme
zweier
wichtiger
Schulgesetze,
die die
Lebensdauer
gewisser
deutscher
Schulen
verlängerte.
Bei späteren
Schwierigkeiten
reichte Utta
sogar beim
Völkerbund
in Genf
Petitionen
ein. Auch
veranlaßte
er
zahlreiche
Prozesse
deutsch-evangelischer
Kirchengemeinden
gegen den
polnischen
Staat, um
die Rückgabe
beschlagnahmter
deutscher
Schulgebäude
und
deutschen
Schullandes
zu
erreichen,
was vielfach
gelang. Im
Sejm selbst
und dann
später im
Senat war
Utta ein
unermüdlicher
Wortführer
der
Deutschen in
den Fragen
des
Volkstums.
Seine gute
Kenntnis des
Polnischen
ermöglichte
es ihm,
seine Sache
in scharf
geschliffenen
Ausführungen
zu
vertreten.
Als
ausgezeichneter
Polemiker
verstand er
es, seine
Gegner in
die Enge zu
treiben.
Seine klare
Haltung und
seine
Zivilcourage
verschafften
ihm auch die
Anerkennung
tolerant
eingestellter
polnischer
Politiker.
Uttas
Tätigkeit
beschränkte
sich aber
keinesfalls
auf die
parlamentarische
Ebene. Seine
Hauptaufgabe
sah er in
der
Aktivierung
des
deutschen
Volkstums in
Mittelpolen.
Auf seine
Initiative
hin entstand
am 1. Juni
1924 in Lodz
der
„Deutsche
Volksverband
in Polen“,
der unter
seiner
Leitung in
ganz
Mittelpolen
Ortsgruppen
gründete.
Auf diese
Weise
sollten die
deutschbewußten
Kräfte im
Land
zusammengefaßt
und zum
gemeinsamen
Wirken
veranlaßt
werden.
Diese
Aktivität
war
besonders
auf
kirchenpolitischem
Gebiet
erforderlich,
da die
Leitung der
Evangelisch-Augsburgischen
Kirche
Polens, der
über 90 %
der
Deutschen
Mittelpolens
angehörten,
unter dem
zwar
deutschstämmigen,
aber
polnisch
eingestellten
Generalsuperintendenten
Julius
Bursche eine
Polonisierung
der
deutschen
Gemeinden
betrieb. In
den
diesbezüglichen
Synoden war
Utta mit
Erfolg
Sprecher der
den
Absichten
Bursches
widerstrebenden
deutschen
Gemeinden.
Seit 1934/35
faßte
auch in
Mittelpolen
die aus
Bielitz
kommende
„Jungdeutsche
Partei für
Polen“ Fuß.
Die dadurch
ausgelöste
Belebung der
völkischen
Arbeit
führte dazu,
daß sich
auch jüngere
Kräfte aus
dem Lodzer
Deutschtum
dem
„Volksverband“
für die
Volkstumsarbeit
zur
Verfügung
stellten. Da
legte der
gesundheitlich
schon
angeschlagene
August Utta
im Mai 1938
den Vorsitz
im
Volksverband
nieder; sein
Nachfolger
wurde Ludwig
Wolff. Utta
lebte jetzt
auf seinem
Bauernhof in
Groß-Okup
bei Lask,
wirkte aber
immer noch
publizistisch
für das
Deutschtum
Mittelpolens.
Seinem
Herzleiden
erlag er am
28. Dezember
1940.
Lit.:
Dr.
Fritz
Wertheimer:
„Von
deutschen
Parteien und
Parteiführern
im Ausland“,
2. Auflage,
Berlin W
1930; Adolf
Kargel im
„Jahrbuch
Weichsel-Warthe
1956“, S.
73-78 und in
„Von unserer
Art“,
Herausgeber
Fritz
Weigelt,
Wuppertal
1963, S.
143-148;
Theodor
Bierschenk:
„Die
deutsche
Volksgruppe
in Polen
1934-1939“,
Kitzingen-Göttingen
1954.
Theodor
Bierschenk