Martin Wagner legte in
seiner
Geburtsstadt
das Abitur
ab und
studierte
anschließend
in Berlin
und Dresden.
Nach seinem
Architektenexamen
(1910) war
er in
verschiedenen
städtischen
Bauverwaltungen
tätig und
von 1914 bis
1918
Abteilungs-Vorstand
des
Zweckverbandes
Groß-Berlin.
1918 wurde
er
Stadtbaurat
in
Berlin-Schöneberg,
später in
Berlin, wo
er in engen
Kontakten zu
den
Architekten
W. Gropius,
H. Häring,
L. Mies van
der Rohe, H.
Poelzig, B.
Taut und H.
Scharoun
stand.
Wagner trat im 1.
Weltkrieg
mit Aufsätzen
zur
Wohnungsbaupolitik
hervor.
Während der
Weimarer
Republik war
er der
bedeutendste
Vertreter
einer
staatlichen
Wohnungsbaupolitik,
die
sozialistische
Ideale mit
den Verhältnissen
im
Nachkriegs
deutschland
in Einklang
zu bringen
suchte. Die
nach seinen
Plänen
erbaute
Siedlung
Lindenhof in
Berlin-Schöneberg
(1918-1921)
zeigte
bereits die
wichtigsten
städtebaulichen
Elemente der
späteren
Jahre:
geschlossene
Randbebauung
an der Straße,
großflächige
Hofräume,
ein Zentrum
als
Bezugspunkt
und eine
einheitliche
Gestaltung.
Diese
Bauideen
wurden dann
in
Zusammenarbeit
mit Bruno
Taut in der
Großsiedlung
in
Berlin-Britz
(„Hufeisensiedlung“,
1925-1927,1930/31)
weiterentwickelt.
Er regte
große
Wettbewerbe
für die
Gestaltung
Berlins an
(Umgestaltung
Potsdamer
Platz,
1928/29,
Alexanderplatz
1929).
Weiterhin
sind seine
Versuche der
Industrialisierung
des
Massenwohnungsbaus,
die
Einführung
der
Großplattenbauweise
und seine
Versuche mit
dem
„Wachsenden
Haus“ zu
nennen.
1933 trat er aus Solidarität
mit Käthe
Kollwitz und
Heinrich
Mann aus der
Preußischen
Akademie der
Künste aus.
Nach
Diffamierungen
durch die
Nationalsozialisten
emigrierte
er im
Frühjahr
1935 in die
Türkei, wo
er bis 1938
in Ankara
wirkte. Von
da an war er
Professor an
der Harvard
Universität.
Nach 1945
versuchte er
erfolglos,
auf die
Planungen
für den
Wiederaufbau westdeutscher
Städte
Einfluß zu
nehmen – In
seinem Buch
„Potemkin in
West-Berlin“
übte er
Kritik an
der
internationalen
Bauausstellung
„Interbau“
in Berlin.
Werke
(u.a.): Neue
Wege zum
Kleinwohnungsbau.
Berlin 1924;
Amerikanische
Bauwirtschaft.
Berlin 1925;
Das
wachsende
Haus. Berlin
1932;
Wirtschaftlicher
Städtebau.
Stuttgart
1951.
Lit.:
(Artikel in
Nachschlagewerken
usw.) Wer
ist's? 9.
Ausg. Berlin
1928;
Lexikon der
Kunst. Bd.
5. Leipzig
1978;
Hatje-Lexikon
der
Architektur
des 20.
Jahrhunderts.
Stuttgart
1983;
International
Biographical
Dictionary
of Central
European
Emigres
1933-1945.
II/2. München,
New York,
London,
Paris 1983;
– Jochen
Kempmann;
Das Ideengut
Martin
Wagners.
Diss., Techn.
Univ.
Berlin 1967;
Barbara
Miller Lane:
Architecture
and Politics
in Germany
1918-1945.
Cambridge/Mass.
1968;
Eberhard
Dreher:
Keine
Untertanen.
Heinrich
Mann, Käthe
Kollwitz,
Martin
Wagner. In:
Études
Germaniques,
(Paris) 26
(1971);
Norbert Huse:
„Neues
Bauen“
1919-1933,
München
1975.
Tendenzen
der
Zwanziger
Jahre.
(Ausstellungskatalog)
Berlin 1977;
Wem gehört
die Welt
(Katalog.)
Berlin 1977.
Harro Kieser