Wilhelm
Wagner war
einer von
drei Söhnen
des Pastors
zu Wohnbach.
Nach dem
Abitur
schrieb sich
der junge
Wilhelm
Wagner an
der
Universität
zu Gießen
ein. Zum
letzten
Semester
ging er nach
Marburg, wo
er aufgrund
seiner
Dissertation
Über die
Percussion
des Magens
nach
Auftreibung
mit
Kohlensäure,
mit der er
einen
Beitrag zur
Anatomie und
zur
physikalischen
Diagnostik
leistete,
das
Doktor-Diplom
erlangte.
Als
21jähriger
Mann nahm er
eine
Tätigkeit
als Kurarzt
im Bad
Nauheim
(Hessen)
auf, wo er
mit
seinem
vielseitigen
Wissen und
seiner
Begierigkeit,
es ständig
zu
vertiefen,
die
Aufmerksamkeit
der
Vorgesetzten
auf sich
lenkte.
Während des
Krieges
1870/71
zwischen
Deutschland
und
Frankreich
wurde er zum
Militär
einberufen.
Den
militärischen
Dienst
leistete er
in einem
Lazarett bei
Friedberg
ab. Nach dem
Friedensschluß
blieb er in
Friedberg
und
heiratete
Marie
Herzberger,
seine große
Liebe seit
den
Studienjahren.
Seine in
Friedberg
betriebene
ärztliche
Praxis
blühte
schnell auf.
Wagner war
ein begabter
Chirurg.
Obwohl er
bei keinem
der
nennenswerten
Chirurgen
Assistent
gewesen war
und nie
einer
Operation
beigewohnt
hatte,
führte er
schon in der
Nauheimer
Zeit viele
erfolgreiche
chirurgische
Eingriffe
durch, und
die
Resultate
seiner
Erfahrungen
publizierte
er in den
damals noch
kargen
Schriften
für Ärzte.
Im Jahre
1877, als
Wagner von
der
Möglichkeit
erfuhr, eine
Stelle als
Oberarzt im
Knappschafts-Lazarett
in
Königshütte
in
Oberschlesien
zu bekommen,
bewarb er
sich um sie
und wurde
angestellt.
Nach
Königshütte
kam Wagner
mit seiner
Familie
(drei
Kinder) und
bezog eine
Wohnung auf
dem Boden
des
Krankenhauses,
das der
Knappschaft
gehörte
(jetzt
Krankenhaus
Nr. 3).
Neben der
Erfüllung
seiner
Pflichten
als Oberarzt
der
chirurgischen
Abteilung im
Knappschafts-Lazarett
arbeitete er
in dem
ältesten
Königshütter
Krankenhause,
dem zur Hl.
Hedwig,
welches sich
damals im
Dachgeschoß
eines
Miethauses
befand
(jetzt
Krankenhaus
Nr. 2). Die
Arbeitsbedingungen
in
Königshütte
waren nicht
leicht.
Wagner
wirkte als
Arzt und
Verwaltungschef
zugleich,
und erst
nach fünf
Jahren wies
man ihm
einen
Assistenten
zu. Trotzdem
fühlte sich
Wagner im
Kreise der
sehr schwer
arbeitenden
oberschlesischen
Menschen,
die oft an
Krankheiten
litten, die
durch
Unfälle und
ungünstige
Arbeitsumstände
verursacht
worden
waren, wohl.
In kurzer
Zeit wurde
er Mitglied
dieser
Gemeinschaft
und
akzeptierte
den
schlesischen
Boden und
das
schlesische
Wesen so
weit, daß er
Schlesien
als sein
Heimatland
und die
Stadt
Königshütte
als Stadt
seiner
Bestimmung
ansah.
Von der
Anerkennung
Wagners auf
dem Gebiete
der
Chirurgie
zeugt die
Tatsache,
daß er schon
als junger
Arzt in die
Deutsche
Gesellschaft
für
Chirurgie
aufgenommen
wurde. Seine
eigenen
Erfahrungen
aus der
Behandlung
von
Verletzungen
der
Wirbelsäule
und des
Rückenmarks
bearbeitete
er zusammen
mit Paul
Stolper und
veröffentlichte
sie in dem
Buch Die
Verletzungen
der
Wirbelsäule
und des
Rückenmarks
(1898). Das
größte
Verdienst
jedoch hatte
Wagner an
der
Einführung
in die
Neurochirurgie,
einer neuen
Arbeitstechnik,
die auf dem
operativen
Öffnen des
Cranium mit
Bildung
eines aus
Knochen und
Fascia
bestehenden
Lappens
beruhte, der
nach dem
Eingriff
wieder
aufgelegt
werden
konnte (der
osteoplastische
Schädellappen,
in der
Craniotomie
als
Wagnerischer
Lappen oder
Wagnerische
Operation
bezeichnet).
Diese
Methode
benutzte man
bei
Extirpationen
intracranialer
Auswüchse,
bei
Gehirnabszessen
und den
Resektionen
der
Hirnrinde
bei
Epilepsie.
Die
Gehirnchirurgie
konnte sich
nur auf
Grund der
Forschungen
auf dem
Gebiet der
Hirn- und
Rückenmarkphysiologie
weiterentwickeln.
Die erste
Operation
eines
Hirntumors
fand 1884
statt und
wurde durch
den Londoner
Chirurgen
John Rickman
Godlee
(1859-1925)
anhand der
Diagnose des
Neurologen
Hughes
Bennet
(1848-1901)
ausgeführt.
Als Pionier
in der
Neurochirurgie
gilt im
allgemeinen
der
französische
Chirurg
Mathieu
Jaboulay
(1860-1913),
der seit
1890 eine
Reihe
intracranialer
Operationen
unternommen
hatte und
als erster
1899 die
Sympathektomie
der
Oberschenkelmuskeln
bei
trophischen
Störungen
vollbrachte.
Den weiteren
Fortschritt
der Technik
bei den
intracranialen
Operationen
verdankt man
Wagner. Er
war
derjenige,
der nach
vielen
Experimenten
an Leichen
im Jahre
1889 neue
Trepanationsmethoden
einführte.
1894 erhielt
Wagner den
Titel des
Geheimen
Sanitätsrates,
später den
des
Professors.
Neben seinen
vielfältigen
beruflichen
Beschäftigungen
interessierte
sich Wagner
sehr für
Botanik. Er
führte eine
umfangreiche
Korrespondenz
mit vielen
botanischen
Zentren der
Welt. Das
durch ihn
angelegte
Herbarium
war sehr gut
ausgestattet
und wurde
ständig
ergänzt.
Wagner
erfreute
sich einer
Anerkennung
weit über
Schlesien
hinaus. Das
schlichte
und
anspruchslose
Krankenhaus
in
Königshütte
wurde unter
seiner Hand
hinsichtlich
der
Krankenbetreuung
und der
Therapie zu
einer
vorbildlichen
Anstalt.
Viel Freude
hatte Wagner
am Wandern,
besonders am
Bergwandern.
Als Mitglied
der
Schlesisch-Ungarischen
Abteilung
des Vereins
für
Hochgebirgstouristik
beteiligte
er sich an
dem Bau der
Gebirgsherberge
„Schlesierhaus“,
die sich auf
der
slowakischen
Seite
befindet.
Ein Gipfel
in der Hohen
Tatra wurde
nach ihm
benannt.
Wagner fand
auch
außerhalb
seines
dienstlichen
Wirkens
Zeit, der
Gemeinschaft
zu dienen.
Unter
anderem war
er der
Initiator
der Gründung
eines
privaten
Mädchen-Gymnasiums,
in dem er
danach 20
Jahre
Vorsitzender
des
Fürsorgekomitees
war. Ihm war
es zu
verdanken,
daß in Bad
Gotschalkowitz
(Goczalkowice)
ein
Sanatorium
für
Bergleute
und
Hüttenarbeiter
und in
Wodzislaw
ein
Krankenhaus
mit
Sanatorium
für
Lungenkranke
entstand.
Im Jahre
1897
erkrankte
Wagners
Frau. Der
Versuch, ihr
zu helfen,
gelang
nicht. Nach
ihrem Tode
wurde aus
dem
lebensfrohen
Menschen,
der Wagner
stets
gewesen war,
ein
verschlossener
und
schweigsamer
Mann. Er kam
nicht mehr
zu Kräften
und erlangte
seine
frühere
Energie nie
wieder
zurück. Der
Tod ereilte
ihn im Alter
von 52
Jahren.
Begraben
wurde Wagner
auf dem
evangelischen
Friedhof in
Königshütte.
Auf seinem
Grabstein,
der noch
vorhanden
ist, stehen
Worte: „Die
Liebe höret
nimmer auf“.
1908 wurde
im Zentrum
der Stadt
Königshütte
sein Denkmal
enthüllt.
Auf einer
metallenen
Platte mit
Relief
befand sich
die
Inschrift: „Allis
Inserviendo
Consumor“
(Ich lebte
für Andere).
Im Jahre
1934 –
Königshütte
gehörte
inzwischen
zu Polen –
entschloß
man sich,
auf dem
Platz, auf
dem sich das
Denkmal
befand, das
Gebäude der
Stadtsparkasse
zu
errichten.
Das Denkmal
wurde auf
das Gelände
des
Krankenhauses,
in dem
Wagner
gewohnt und
gearbeitet
hat,
verlegt. Es
steht dort
noch heute,
nur wurde
die
Gedenktafel
ausgetauscht.
Die heutige
trägt den
Namen des
jetzigen
Patrons des
Krankenhauses
– den des
Doktors
Andrzej
Mielecki.
Die große
Leistung,
mit der
Doktor
Wagner zur
Entwicklung
der
medizinischen
Wissenschaft
beigetragen
hat, ist
heute in den
Ärztekreisen,
auch unter
den
Neurochirurgen,
in nur
ungenügendem
Maße
bekannt.
Quellen
und Lit.:
Archiwum
Panstwowe,
Oddzial w
Bytomiu,
Akta miasta
Chorzowa,
sygn. 1488,
k. 5, sygn.
2039, k. 14,
sygn. 2720,
k. 4. – F.
Knötel:
Professor
Dr. Wilhelm
Wagner –
Geheimer
Sanitätsrath.
Ein
Gedenkenblatt
zur
Enthüllung
seines
Denkmals in
Königshütte,
in:
Oberschlesien,
1908, S.
107-111. –
R. Schmidt:
Kleines
Stadtbuch
von
Königshütte,
Königshütte
1941, S.
97-98. – M.
Buchfelder,
B. Ljunggern:
Wilhelm
Wagner
(1848-1900).
P. 1: A
Forgotten
Pioneer, „Surg.
Neurol.“
1988, vol.
30, nr 6, S.
423-427. –
M.
Buchfelder,
B. Ljunggern:
Wilhelm
Wagner
(1848-1900).
P. 2: The
osteoplastic
Flap, „Surg.
Neurol.“
1988, vol.
30, nr 6, S.
428-433. –
B. Seyda:
Dzieje
medycyny w
zarysie
[Geschichte
der Medizin
im
Überblick],
Warschau
1973, S.
307. – A.
Grossmann:
Zasluzony
dla
Krolewskiej
Huty.
Wilhelm
Wagner –
lekarz,
uczony i
spolecznik
[Verdient
für
Königshütte.
Wilhelm
Wagner –
Arzt,
Gelehrter],
in: Gazeta
Gornoslaska.
Oberschlesische
Zeitung,
1991, nr 16
(37), S. 4.
– W.
Korzeniowska:
Kurorty
gornoslaskie
dawniej i
dzis
[Oberschlesische
Kurorte
früher und
heute],
Oppeln 1992,
S. 36-66. –
W. Slezak,
Z. Jedynak,
B.
Mauer-Gorska:
Wagner
Wilhelm
(1848-1900),
in:
Slownik
medycyny i
farmacji
Gornego
Slaska
[Medizinisches
und
pharmakologisches
Fachwörterbuch
Oberschlesiens],
verf. A.
Puzio, Bd.
1, Kattowitz
1993, S.
277-278.
Włodzimierz
Kaczorowski