Silvius
Leopold Weiß
entstammte
einer
Breslauer
Musikerfamilie;
außer seinem
Vater Johann
Jacob war
auch sein
Bruder
Johann
Sigismund
ein
ausgezeichneter
Lautenist.
Zwischen
1706 und
1708 als
Lautenist in
der
Düsseldorfer
Hofkapelle
tätig, trat
er
anschließend
in die
Dienste des
polnischen
Prinzen
Alexander
Sobieski und
begleitete
diesen nach
Rom. Auf
seine
Empfehlung
wurden Vater
und Bruder
1708 nach
Düsseldorf
verpflichtet.
Nach dem
Tode des
Prinzen
(1714)
kehrte Weiß
nach
Deutschland
zurück und
wurde 1718
mit einem
Gehalt von
1000 Talern,
das später
mehrfach
erhöht
wurde,
kurfürstlich-sächsischer
und
königlich-polnischer
Kammermusiker
in Dresden.
Er war der
höchstbezahlte
Instrumentalist
der Dresdner
Hofkapelle.
Die vielen
Reisen, die
Weiß im
Auftrag des
sächsischen
Königs
unternahm,
dienten
meist der
höfischen
Repräsentation.
1718-1719
weilte er
mit 11
weiteren
Hofmusikern
zur
Brautwahl
des
sächsischen
Kurfürsten
in Wien,
1722 zur
Hochzeit des
bayerischen
Kurprinzen
mit einer
kaiserlichen
Prinzessin
in München.
Mehrfach
besuchte er
Prag und
glänzte mit
seinem
Können 1723
bei der
Krönung
Kaiser Karls
VI. zum
böhmischen
König. 1728
begleitete
er seinen
Herrn nach
Berlin, wo
er nach
dessen
Rückreise
drei weitere
Monate
blieb,
vermutlich
auf Bitten
der
Lieblingsschwester
des
Kronprinzen,
der späteren
Markgräfin
Wilhelmine
von
Bayreuth.
Als
Interpret
errang Weiß
internationale
Geltung. Von
kompetenter
Seite wurde
er als
„vielleicht
größter
Lautenspieler,
der je
gelebet
hat“,
bezeichnet,
und auf
seinen
Grabstein
ließen
Freunde
meißeln:
„Nur Silvius
soll die
Laute
spielen.“
Weißens
Schüler und
Landsmann,
der
Breslauer
Ernst
Gottlieb
Baron,
beschreibt
in seiner
„Untersuchung
des
Instruments
der Lauten“
(Nürnberg
1727) mit
rühmenden
Worten die
einmalige
Vortragskunst
seines
Lehrers.
Dieses
Urteil
bestätigen
uns auch
uneingeschränkt
seine rund
100
Kompositionen,
die, von
einer
Ausnahme
abgesehen,
zu Lebzeiten
nicht
gedruckt
wurden und
heute
hauptsächlich
von den
Bibliotheken
in Dresden,
London und
Moskau im
Manuskript
überliefert
werden. Im
Vordergrund
seines
Schaffens
steht die
Suite, von
ihm häufig
als Sonate
bezeichnet,
daneben
gewichtige
Charakterstücke,
Capricci,
eine
Fantasie und
diverse
Einzelsätze
für Laute
solo, ferner
Kammermusik
mit Laute.
Der
Schwerpunkt
seines
Œuvres
scheint nach
eigenen
Datierungen
in die
frühen
Dresdner
Jahre
(1717-1721)
zu fallen.
Erst etwa
die Hälfte
seines
Schaffens
liegt bisher
im Neudruck
vor.
Weiß
variiert
stärker als
seine
Vorgänger
die
zyklische
Form der
Suite und
nimmt in sie
auch
zahlreiche
freie,
nicht-tanzbezogene
Stücke auf.
Stilistisch
steht er in
unmittelbarer
Nähe J.S.
Bachs, mit
dem ihn auch
enge
Freundschaft
verband. Er
bevorzugt
einen
dichten,
polyphon
strukturierten
Satz,
fordert vom
Spieler
höchstes
technisches
Können und
verwendet in
der
Melodiegestaltung
die
italienische
Kantabilität
nur sparsam.
Gleich Bach
gehört er zu
den kühnsten
Harmonikern
seiner Zeit.
In der
lebhaften
Darstellung
der Affekte
und in der
Kunst der
musikalischen
Rhetorik
verbindet
beide eine
gewisse
„Seelenverwandtschaft“.
Weißens
künstlerische
Phantasie,
die seine
Zeitgenossen
vor allem in
der freien
Improvisation
bewunderten,
spiegelt
sich auch im
gleichen
Maße in den
Kompositionen
wider,
vornehmlich
in seinen
genialischen
Präludien.
Uneingeschränkt
gilt das
treffliche
Urteil, das
der erste
Bach-Biograph,
Nikolaus
Forkel, 1782
über die
Werke von
Weiß fälle:
„In dem
ächten und
körnichten
Geschmack
geschrieben
wie ungefähr
die
Clavierarbeiten
des seligen
J.S. Bach.“
Weiß ist
heute der
weltweit
bekannteste
schlesische
Komponist.
Werke:
6 Suiten und
3 Stücke in:
Lautenmusik
des 17. und
18.
Jahrhunderts,
hrsg. im H.
Neemann (Das
Erbe
deutscher
Musik, Bd.
12),
Frankfurt
1939,
4/1974; 28
Suiten und
41 Stücke
in:
Intavolatura
di Liuto (=
Londoner
Ms.), hrsg.
von R.
Chiesa,
Milano 1976;
Music for
the Lute (=
Moskauer
Ms.), hrsg.
von R.
Manabe,
Tokyo 1976;
Sämtliche
Werke, hrsg.
von D.A.
Smith, 10
Bde.,
Frankfurt
1980 ff.
Lit.:
H. Neemann,
Die
Lautenistenfamilie
Weiß, in:
Archiv für
Musikforschung
1/1939, 157
ff.; L.
Hoffmann-Erbrecht,
Der
Lautenist
S.L. Weiß
und J.S.
Bach, in:
Ars musica –
Musica
scientia.
Festschrift
H. Huschen,
Köln 1980,
246 ff.;
ders.;
Bedeutende
schlesische
Lautenisten
der
Barockzeit,
in: Barock
in
Schlesien,
Dülmen 1981,
35 ff.
Lothar
Hoffmann-Erbrecht