Als der Sohn
des Königs
Wenzel II.
von Böhmen
und Polen
und der Guta
von Habsburg
am 21. Juni
1305 mit
sechzehn
Jahren die
Nachfolge
seines
verstorbenen
Vaters
antrat, trug
er bereits
eine
Königskrone.
1298 hatte
Wenzel II.
seinen
damals
neunjährigen
Sohn in Wien
mit
Elisabeth,
der Tochter
des letzten
Arpaden
Andres III.
von Ungarn
vermählt.
Als dieser
am 14.
Januar 1301
starb,
verzichtete
Wenzel II.
zugunsten
seines
einzigen
Sohnes auf
die ihm
angetragene
ungarische
Königskrone.
Dieser wurde
daraufhin
als László
V.
(Ladislaus)
in
Stuhlweißenburg
gekrönt. Mit
Polen und
dem neu
hinzugekommenen
Ungarn
verfügten
die
böhmischen
Přemysliden
über eine
beachtliche
Machtbasis,
vermochten
diese aber
wegen eines
unzureichenden
politischen
und
administrativen
Apparates
nicht
effektiv und
nachhaltig
zu
kontrollieren.
Besonders
Karl Robert
von Anjou,
unterstützt
von Papst
Bonifaz
VIII.,
erwies sich
als
gefährlicher
Widersacher
im Kampf um
die St.
Stephanskrone
von Ungarn.
Bonifaz
VIII.
proklamierte
1303 Karl
Robert zum
König von
Ungarn. Der
Versuch
Wenzels II.,
durch ein
Bündnis mit
König
Philipp von
Frankreich
die
ungarische
Krone für
seinen Sohn
zu erhalten,
schuf ihm
eine starke
Koalition
von Gegnern,
der auch
seine
Schwäger
König
Albrecht I.
(1298-1308)
und Rudolf
von
Österreich
angehörten.
Insofern
entsprach es
einer
realistischen
Einsicht in
die
tatsächlichen
Machtverhältnisse,
als der
junge König
Wenzel III.
nach dem
Tode seines
Vaters am
18. August
1305 unter
Verzicht auf
Eger und
Meißen
Frieden mit
König
Albrecht
schloß und
seine
Ansprüche
auf das
ungarische
Königtum an
Herzog Otto
von
Niederbayern
abtrat.
Darüber
hinaus
übergab
Wenzel III.
dem
Bayernherzog
die
Kroninsignien
und löste
außerdem
seine
Verlobung
mit
Elisabeth,
der Tochter
des letzten
Arpaden. All
dies geschah
vor dem
Hintergrund
wachsender
Schwierigkeiten
in Polen, wo
Herzog
Wladyslaw
Lokietek von
Sieradz mit
Unterstützung
der
ungarischen
Anjou-Partei
Sandomierz
und Teile
von
Kleinpolen
erobert
hatte. Um
seine
Ansprüche in
Polen
nachdrücklicher
vertreten zu
können,
heiratete
Wenzel III.
am 5.
Oktober 1305
Viola, die
Tochter
Herzog
Mieszkos I.
von Teschen,
die als eine
der ersten
Schönheiten
ihrer Zeit
galt.
Die sich
zuspitzende
Lage in
Polen zwang
schließlich
1306 Wenzel
III. zur
Vorbereitung
eines
Feldzuges,
da seine
Statthalter
in Krakau
und
Großpolen,
Herzog
Nikolaus von
Troppau und
Heinrich von
Lipa,
erklärten,
sich ohne
Hilfe nicht
mehr lange
gegen
Wladyslaw
Lokietek
behaupten zu
können. Der
böhmische
Landtag
bewilligte
daraufhin
ein
allgemeines
Aufgebot zur
Erhaltung
und
Befreiung
Polens, was
an sich
nicht ohne
weiteres
möglich war,
da ein
solches
Aufgebot
sich nur auf
die
Verteidigung
Böhmens
beziehen
konnte. Als
Sammelplatz
für das Heer
war Olmütz
vorgesehen,
doch vor
Beginn der
militärischen
Aktionen
wurde Wenzel
am 4. August
1306 im
Hause des
Olmützer
Domdechanten
unter nie
geklärten
Umständen
ermordet.
Mit ihm
starben die
Přemysliden
im legalen
Agnatenstamm
aus.
Bestehen
blieb
allerdings
eine
Nebenlinie,
die auf eine
illegitime
Verbindung
Premysl
Otokars II.
zurückging
und der die
Herzöge von
Troppau,
Jägerndorf
und Ratibor
entstammten,
die bis 1465
bzw. 1521
regierten.
Für Böhmen
bedeutete
der Tod des
letzten
Přemysliden
eine
unerwartete
Katastrophe,
man hatte
allgemein
die Jugend
des Königs
als Garant
für eine
längere
Regierungszeit
angesehen.
Anwärter und
Bewerber um
seine
Nachfolge
gab es mehr
als genug,
so daß die
böhmischen
Länder
nunmehr
unruhigen
Zeiten
entgegengingen.
Lit.:
Franz
Palacky,
Geschichte
von Böhmen.
2. Band, 1.
Abt., Prag
1847. – F.
Graeber, Die
böhmische
Politik vom
Tode
Ottokars II.
bis zum
Aussterben
der
Přemysliden.
MVGDB 41
(1903) - 42
(1904). –
Handbuch der
Geschichte
der
böhmischen
Länder.
Hrsg. im
Auftrag des
Collegium
Carolinum
von Karl
Bosl. Band
l, Stuttgart
1967. – Jörg
K. Hoensch,
Geschichte
Böhmens. Von
der
slawischen
Landnahme
bis ins 20.
Jahrhundert,
München
1987.
Romedio Graf
v.
Thun-Hohenstein