Der Name
Herbert
Wessely galt
über
Jahrzehnte
hinweg im
Bereich der
ostdeutschen
Vertriebenen,
vor allem im
Bereich der
Sudetendeutschen,
gleichsam
als Synonym
für
südmährische
Kulturleistungen
in der
Vertreibung.
Seine
Schöpfungen
als Dichter
standen
dabei im
Vordergrund,
doch er war
ein
vielseitig
begnadeter
Künstler,
der
Dichtung,
der Malerei,
der Musik
und dem
Modellieren
zugetan.
Das
Südmährische
Jahrbuch,
erstmals für
das Jahr
1952
erschienen,
wurde von
Anfang an
von ihm
entscheidend
mitgeprägt.
Ganz
augenfällig
die
Einbandgestaltung,
die von 1952
bis 1985
sein
Grafikertalent
unter Beweis
stellte. Den
Inhalt hat
er ebenfalls
von Anfang
an mit
Gedichten,
Erzählungen
und
zeichnerischen
Darstellungen
bereichert.
In den
Jahren 1965
bis 1973
trug er als
Hauptschriftleiter
die Last der
Gesamtgestaltung.
„Kalendermacher“
nannte er
sich und
unterstrich
damit den
Charakter
des
Jahrbuches
als
Jahresbegleiter
für die
heimatvertriebenen
Südmährer in
der
Tradition
der in der
Heimat
verbreitet
genützten
Hauskalender
in Buchform
mit
belehrendem
und
erbaulichem
Lesestoff.
So wurde das
Jahrbuch zu
einer
Lesebuch-Reihe
mit einer
Themenvielfalt
aus der
breiten
Palette
heimat- und
volkskundlicher
Stoffgebiete.
Zum anderen
wurde das
Jahrbuch
auch zu
einer Basis
für junge
Lyrik- und
Erzählertalente,
die sich so
– von
Herbert
Wessely
ermuntert
und
gefördert –
ihren
Landsleuten
vorstellen
konnten. Die
Geleitworte
des
„Kalendermachers“
von 1965 bis
1973 sind in
ihrer
Gedankenvielfalt,
Sprachform
und
Aussagekraft
zeitenüberdauernd
vorbildlich.
In diesen
Jahren war
Herbert Wessely auch Kulturbeauftragter des Südmährischen Landschaftsrates
und so mit
Aufgaben
betraut, die
ihm neben
seiner
beruflichen
Tätigkeit
erhebliche
Lasten
aufbürdeten
und die
Verwirklichung
seiner
eigenen
schöpferischen
Arbeitspläne
erheblich
beeinträchtigten.
Die
Ehrenmitgliedschaft
im
Südmährischen
Kulturausschuss
(1983) und
die
Ernennung
zum
Ehrenkulturbeauftragten
(1988) waren
Ausdruck des
Dankes und
der hohen
Wertschätzung.
Sein Rat und
seine
Mitarbeit
wurden immer
noch gerne
und dankbar
angenommen.
Herbert
Wessely
blieb
zeitlebens
Südmährer,
obgleich er
von 1929 bis
1948
familien-
und
berufsbedingt
– er
arbeitete
als
Mustermacher
und
Medailleur –
im
nordböhmischen
Isergebirge
lebte. Als
Spezialist
wurde er mit
seiner Frau
und zwei
Kindern von
den
Tschechen
bis 1948 in
der
Unfreiheit
festgehalten.
Der
berufliche
Neubeginn in
Karlsruhe
und das
Wieder-Sesshaftwerden
ließen die
Verbindung
zu
vertriebenen
Südmährern
und damit zu
den Wurzeln
wieder
aufblühen,
ohne dabei
den
Isergebirgs-Lebensabschnitt
zu
verdrängen.
Seine
Kindheits-
und
Jugenderinnerungen
waren
lebendig
geblieben:
Die
Kriegsjahre
1914/18, die
Besetzung
Znaims durch
die
Tschechen,
die
Verdrängung
der
Deutschen
aus Ämtern
und vielen
Berufen,
wobei der
Vater seine
Stellung
verlor, mit
der
Konsequenz,
dass die
Kinder nicht
mehr die
ihrer
Begabung und
Intelligenz
adäquate
Schulbildung
erfahren
konnten;
herausragend
auch das
Gemeinschaftserlebnis
bei den
„Wandervögeln“,
das die
häusliche
Not mildern
half.
Was er vor
1948 an
Gedichten,
Erzählungen,
Zeichnungen,
Bildern und
Kompositionen
geschaffen
hatte, war
fast restlos
verloren
gegangen.
Ungebrochen
waren die
schöpferischen
Gaben
geblieben,
mit denen er
beim
Eintritt ins
Leben
beschenkt
worden war,
die Liebe zu
den Künsten,
der Fleiß
und der
innere
Drang, sich
zu
vervollkommnen.
Schon als
15-Jähriger
hatte er
Laienspiele
in der Art
des
Nürnberger
Meistersingers
Hans
Sachs
geschrieben,
aber auch
ernste, der
bedrückenden
Zeit gemäße
Volksspiele
mit
romantischen
Idealfiguren.
Mit seinen
Zeichnungen
eiferte er
seinem
Vorbild
Albrecht
Dürer
nach und
begann auch
zu malen.
Seine
musikalische
Begabung
brachte
Lieder mit
eigenen
Texten und
Weisen
hervor. Zum
70.Geburtstag
sollte
Widmar
Hader
ein Liedheft
mit elf
seiner
Frühwerke
herausgeben.
Nun, nach
1948, konnte
sich die
aufgestaute
dichterische
und
künstlerische
Schaffenskraft
entfalten:
Die Liste
der
Veröffentlichungen,
der
Dichtungen,
der
Rundfunk-Hörbilder,
der
Anthologie-Beiträge
wuchs
beständig.
Exemplarisch
herausgehoben
seien hier
nur die
Kantatentexte
Der
Wassermann
von der
Thaya
und Der
Znaimer
Keltertanz,
die er für
die
Südmährische
Sing- und
Spielschar
und für die
südmährische
Heimat
schrieb.
Viele
kulturtragende
Vereinigungen
verdanken
Herbert
Wessely ihr
Entstehen
und sein
aktives
Mitwirken.
Er war
Mitbegründer
der
Südmährischen
Sing- und
Spielschar
(1952), der
Charles-Sealsfield-Gesellschaft
(1964),
deren
Vorsitzender
er 1985 bis
1994 war,
der
Vereinigung
ostdeutscher
Dichter,
Marburger
Kreis
(1956), der
Ferdinand-Staeger-Gesellschaft,
der
Walther-Hensel-Gesellschaft;
auch
der
Gustav-Leutelt-Gesellschaft
war er lange
aktiv
zugetan.
Nach kurzer
schwerer
Krankheit
starb
Herbert
Wessely am
12. März
1998, fünf
Monate vor
Vollendung
des 90.
Lebensjahres.
Werke:
Suchen
und
Bekennen.
Gedichte,
München
1955. – Der
Sensenschmied.
Ein
Mahnspiel,
München
1956. –
Mährische
Ballade.
Erzählungen
und
Gedichte,
München
1957. –
Schmaler
Pfad.
Gedichte und
kleine
Prosa,
München
1958. – Im
Schilf des
Maises.
Gedichte,
Marburger
Bogendrucke
1966. –
Kindheit an
der Thaya.
Heitere
Erzählungen,
München
1966. –
Gläserne
Erinnerung.
Erzählungen
und Gedichte
aus dem
Isergebirge,
1968. –
Wanderung.
Gedichte und
Prosa, 1968.
–
Weihnachtlicher
Baum.
Erzählungen
und
Gedichte.
DJO-Weihnachtsbrief,
1973. –
Mystischer
Realismus.
Ferdinand-Staeger-Monographie,
1975. –
Passion und
Weihnacht.
Erzählungen.
Weihnachtsbrief
der DJO
1976. –
Eisvogel und
Sperling.
Gedichte,
1977. – Das
Radfahren.
Erzählungen,
Marburger
Bogendrucke
1980. –
Südmährische
Reise.
Erinnerungen
zu Bildern
von Thomas
Zach,
1979. – Der
Turmsegler.
Erzählung,
Marburger
Bogendrucke
1980. –
Hubert
Rösler –
Leben und
Werk, 1984.
– Ferdinand
Staeger –
Gedenkschrift,
1987. – Der
Greif.
Erzählungen,
Marburger
Bogendrucke
1987. – 40
Jahre
Sudetendeutsche
Landsmannschaft
Karlsruhe,
1990. – Nur
Masken.
Erzählungen,
Marburger
Bogendrucke
1992. – Das
Znaimer
Gesicht.
Erzählung,
1994. – Die
Knaben und
Gott.
Erzählungen,
1994. –
Weihnachtlicher
Baum.
Jahresgabe
der
Walther-Hensel-Gesellschaft
1994.
Dramatische
Dichtungen:
Im Malter
der Not.
Sudetendeutsches
Trauerspiel,
Manuskript
1936. –
Ramphold
Gorenz, der
Held von
Brüx,
Manuskript
1952. –
Weihnachtsspiel,
Manuskript
1958. – Die
Termiten.
Zeitgemäßes
Mahnspiel,
Manuskript
1965. –
Eulenspiegel
in Hall.
Kindersingspiel,
Musik von
Helmut
Maschke,
1983. –
Diogenes
sucht
Menschen und
Götter.
Tragikomödie,
Manuskript
1983/85.
Kantatentexte:
Baut neu den
Dom. Kantate
Komponist:
Herbert
Schröter,
1958. –Unser
Weg.
Komponist:
Widmar
Hader. Aus
Anlaß des
10jährigen
Gründungsjubiläums
der
Südmährischen
Sing- und
Spielschar.
1962. –
Lebenskreis-Kantate.
Komponist:
Fritz Jeßler.
1970. – Der
Wassermann
von der
Thaya.
Komponist:
Widmar
Hader. 1972.
– Der
Znaimer
Keltertanz.
Komponist:
Widmar
Hader. 1972.
Hörbilder
für den
Rundfunk:
Südmähren.
Bild einer
Landschaft.
Süddeutscher
Rundfunk
[SDR] 1959.
– Der
Böhmerwald.
Landschaftsbild.
SDR 1960. –
Das Egerland.
Bild einer
Landschaft.
SDR 1961. –
Das Saazer
Land -
Gestern und
heute. SDR
1961. –
Ostböhmen.
Ein
Landschaftsbild.
SDR 1961. –
Ein
südmährischer
Tag. SDR
1961
(Wiederholungen
im WDR, HR,
Saarl. Rdf.)
. – Der
Schönhengstgau.
Bild einer
Landschaft.
SDR 1961. –
Die
Bischofsstadt
Olmütz – Im
Wandel der
Zeiten. SDR
1962. – Die
Zips. Bild
einer
Sprachinsel.
SDR 1962. –
Die Brünner
Sprachinsel
- Im Wandel
der Zeiten.
SDR 1962. –
Frühling im
Elbtal. Bild
einer
Landschaft.
SDR 1962. –
Die
böhmische
Landschaft
in den
Werken von
Caspar David
Friedrich.
SDR 1963. –
Vom Altvater
zur Lissa
Hora.
Zwischen
Gesenke und
Beskiden.
SDR 1964. –
Karl Bacher
– Ein
Mundartdichter.
Mit Chören
der
Südmährischen
Sing- und
Spielschar.
SDR 1964. –
Böhmisches
Glas. Von
alten
Glashütten
und
Glasbläsern.
SDR 1964. –
Peter
Parler,
Baumeister
Karls IV.
SDR 1965. –
Die
Wischauer
Sprachinsel.
Gesicht und
Geschick
einer
Sprachinsel.
SDR 1965. –
Pressburg.
Geschichte
und
Gegenwart
der
Donaustadt.
SDR 1965. –
Wieder
einmal
ausgeflogen.
Spielscharen
der DJO im
Ausland. SDR
1968. –
Heimat
Südmähren –
Sitte und
Brauch.
Zwiegespräch.
SDR 1986
Herausgeberschaft:
Wege der
Liebe.
Erzählungen
und Gedichte
aus dem
Nachlaß von
Ilse
Ringler-Kellner.
München
1963. –
Brücken und
Zeichen.
Lyrik-Anthologie
des
Marburger
Kreises.
Augsburg
1963. –
Südmährisches
Jahrbuch,
Jahrg. 14
(1965) – 22
(1973), . –
Südmähren –
Antlitz
einer
deutschen
Landschaft.
Bildband. 1.
Aufl. 1967,
2. Aufl.
1986, 3.
Aufl. 1990.
–
Rolf-Nitsch-Gedenkbuch,
1988. –
Walther-Sturm-Gedenkbuch,
1992
Beiträge in
Anthologien
u.a.:
Sudetendeutsches
Lyrikbuch.
Herausgegeben
von
A.Schmidt,
1939. –
Grosse
Sudetendeutsche.
Herausgegeben
von Josef
Schneider,
1962/1970. –
Leuchtender
Bogen.
Herausgegeben
von Erhard
Josef
Knobloch . –
Erbe und
Auftrag.
Herausgegeben
von der
Künstlergilde,
o.J. –
Sudetendeutsches
Weihnachtsbuch.
München
1964. – Du
Land meiner
Kindheit.
München
1966. – Die
Kehrseite
des Mondes.
München
1975. –
Begegnungen
und
Erkundungen.
München
1982.
Mitarbeit an
zahlreichen
Zeitungen
und
Zeitschriften,
u.a.:
Südmährisches
Jahrbuch,
Sudetenland,
Sudetendeutsche
Zeitung/Volksbote,
Der Pfeil,
Der Greif,
Stimmen der
Heimat,
Schwädds
(Mundartzeitschrift).
Preise und
Auszeichnungen:
Literarische
Preise als
Soldat 1940
und 1943. –
Lyrikpreis
des Adalbert
Stifter-Preises
1941. –
Rudolf-von-Lodgman-Medaille
1958. –
Literaturpreis
der Stadt
Karlsruhe
1960. –
Sudetendeutscher
Kulturpreis
für
Schrifttum
1961. –
Südmährischer
Kulturpreis
1973. –
Adalbert-Stifter-Medaille
1978. –
Großes
Goldenes
Ehrenzeichen
des
Südmährischen
Landschaftsrates
1978. –
Gedenkmedaille
der Stadt
Esslingen
1983. –
Bundesverdienstkreuz
1.
Klasse 1988.
–
Pro-arte-Medaille
der
Künstlergilde
1988. –
Ehrenzeichen
der DJO –
Deutsche
Jugend in
Europa 1992.
Ehrenmitgliedschaften:
Deutsche
Jugend des
Ostens 1958.
–
Südmährischer
Kulturausschuß
1983,
Ehrenkulturbeauftragter
1988. –
Charles-Sealsfield-Gesellschaft
1993,
Ehrenvorsitzender
1994. –
Ferdinand-Staeger-Gesellschaft
1977.
Bild:
Porträt
von Thomas
Zach,
Frankfurt/M.
Walfried
Blaschka