Ernst
Wiechert,
der große
Deuter des
Leidens und
der
Schwermut,
aber auch
der Künder
von der
Tapferkeit
des Herzens,
von dem
Reinhold
Schneider
sagt: „Alles
Leiden
scheint
diesem
Dichter
entgegenzuströmen
– oder ihn
an sich zu
ziehen; ...
die
Mißhandelten
flüchten zu
ihm und
möchten sich
bergen in
seinem
Wort“; Ernst
Wiechert,
dem seine
ostpreußische
Heimat immer
Inbild der
Gestaltung
blieb, wäre
am 18.5.1987
hundert
Jahre alt
geworden.
Försterssohn,
ab 1911 im
höheren
Schuldienst,
bis 1933
Studienrat
in
Königsberg,
wandte er
sich ab da
der
Schriftstellerei
zu.
Wiecherts
erste Prosa
ergießt sich
noch in
einem Rausch
der Worte,
bis sie
einmündet in
den großen
Erziehungs-
und
Bildungsroman
von biblischer
Strenge.
Ernst
Wiechert,
der Christ
ohne Dogma,
der
Gottsucher
bis zur
Lebensendlichkeit,
der von
seiner
Ankunft im
KZ
Buchenwald
schrieb:
„... wie
durch das
Bild Gottes
ein Sprung
hindurch
lief, der
nicht mehr
heilen
würde“, war
ein zutiefst
pädagogischer
Schriftsteller,
und seine
Bücher waren
programmatische
Anrufe an
uns,
Bekenntnisschriften
bis hin zu
„Missa sine
nomine“,
seinem
literarischen,
schwer
deutbaren
Vermächtnis.
Die „Unruhe
des
Gewissens“
war
Wiecherts
moralischer
Kompaß. Sie
gab ihm die
starke
Leidensfähigkeit,
die
seelischen
Beschädigungen
der KZ-Haft
in
Buchenwald
zu
überstehen,
nicht, wie
andere, in
die
Emigration
auszuweichen,
sondern
Deutschlands
dunkelste
Jahre
1933-1945
auszuleiden.
Wiechert
kann, wie
nur ganz
wenige
Deutsche
während
dieser Zeit,
für sich in
Anspruch
nehmen, für
alle
Bedrängten
und
Beladenen
eine
unverrückbare
moralische
Instanz
gewesen zu
sein. Denn
seine Rede
„Der Dichter
und die
Jugend“ 1933
vor der
Münchener
Studentenschaft
und „Der
Dichter und
die Zeit“
vor dem
gleichen
Auditorium
1935
legitimierten
ihn als ein
deutsches
Gewissen.
Man redet so
oft von dem
„anderen
Deutschland“:
Ernst
Wiechert
repräsentierte
es auf die
vornehmste
Weise, mit
dem Wort des
Dichters. –
Er zahlte
dafür einen
bitteren und
hohen Preis.
2 Monate
KZ-Haft,
1938. Danach
lebte der
Autor
zurückgezogen
unter
Gestapo-Aufsicht.
Das
literarische
Zeugnis
dieser Zeit
ist „Der
Totenwald“,
Bericht aus
dem KZ-Lager
Buchenwald
(1945). Nach
dem
Zusammenbruch
waren die
Stimmen der
Tröstungen
und der
Barmherzigkeit
gefragt. So
verzeichnete
Ernst
Wiechert bei
seinen
Lesungs- und
Vortragsreisen
immer
überfüllte
Säle. Seine
Stimme hatte
Gewicht, vor
allem bei
den jungen
Menschen,
die durch
ein Inferno
von Blut und
Tränen
gegangen
waren und
doch reinen
Herzens
geblieben
sind. So gab
Ernst
Wiechert
vornehmlich
in die Hand
der Jungen
sein
Vermächtnis,
die „Missa
sine nomine“
(1950). In
diesem bei
aller
Kirchenferne
doch
zutiefst
christlichen
Weisheitsbuch
der Liebe
und der
Barmherzigkeit
wird des
Dichters
Confessio
eindringlich
klar –
Lebenshilfe
zu geben. Er
bekennt es
einmal in
der ihm
eigenen Art:
„Kunst war
nie etwas
anderes als
ein Licht
für die im
Dunklen
Gehenden,
ein Trost
für die
Trostlosen.“
So sollten
die Romane
Wiecherts
verstanden
werden, der
auch Meister
der kleinen
Form war. So
gehören die
Erzählungen
„Geschichte
eines
Knaben“
(1928) und
„Hirtennovelle“
(1935) zu
dem
Schönsten
überhaupt,
was deutsche
Dichtung
hervorgebracht
hat.
Wiecherts
Lebensleistung wird bleiben, weil sie nicht den Kriterien einer Mode-
und
Tagesliteratur
unterworfen
ist. Ihm
ging es
darum, die
ewigen
Ordnungen
sichtbar zu
machen, in
die der
Mensch
eingebettet
ist.
Werke: Die Flucht, R. 1916; Der Wald, R. 1922; Der Totenwolf, R. 1924; Die
blauen
Schwingen,
R. 1925; Der
silberne
Wagen, Nn.
1928
(daraus:
Geschichte
eines
Knaben,
1930, Der
Kinderkreuzzug,
1935); Die
kleine
Passion, R.
1929; Die Flöte
des Pan, Nn.
1930;
Jedermann,
R. 1931; Die
Magd des
Jürgen
Doskocil, R.
1932; Das
Spiel vom
deutschen
Bettelmann,
Hörsp. 1933;
Der
Todeskandidat,
Nn. 1934;
Die Majorin,
R. 1934; Die
Hirtennovelle,
N. 1935; Der
verlorene
Sohn, Dr.
1935; Das
heilige
Jahr, Nn.
1936; Von
den treuen
Begleitern,
Über vier
Gedichte von
Claudius,
Goethe,
Hölderlin,
Mörike,
1938; Eine
Mauer um uns
baue, Aufs.
1937; Vom
Trost der
Welt, Ess.
1938; Atli,
der
Bestmann,
En. 1938;
Der
brennende
Dornbusch,
N. 1945;
Demetrius,
Nn. 1945;
Über Kunst
und
Künstler,
Rede, 1946;
Der armen
Kinder
Weihnachten,
Sp. 1946;
Märchen,
zwei Bände,
1946; Die
Gebärde, Der
Fremde, En.
1947; Rede
an die
Schweizer
Freunde,
1947; Der
große Wald,
Erinn. 1947;
Der Richter,
E. 1948;
Jahre und
Zeiten,
Auto. 1949;
Die Mutter,
E. 1949; Es
geht ein
Pflüger
übers Land,
Betr. u. En.
1951; Der
ewige Stern,
En., 1952;
Die letzten
Lieder, G.
1952; Am
Himmel
strahlt ein
Stern. Ein
Weihnachtsbuch,
1957;
Haftung Nr.
7188.
Tagebuchnotizen
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hg. v. G.
Kamin 1966.
– Hsp. u.
Bühnensp.
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