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Als das Domkapitel des Magdeburger Erzstifts 1152 zur Wahl eines neuen
Erzbischofs schritt, konnte zwar einer der beiden angetretenen
Kandidaten die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen, er fand aber
nicht die Anerkennung der unterlegenen Partei. Kaiser Friedrich
Barbarossa, an den sich das Domkapitel nun wandte, ließ daraufhin durch
eine Minderheit seinen eigenen Kandidaten Wichmann zum Erzbischof
wählen. Die Wahl des aus dem im Mansfeldischen begüterten Seeburger
Geschlecht stammenden und mit den Wettinern verwandten Wichmann war
kirchenrechtlich umstritten, da er seit 1149 Bischof von Naumburg war
und für die Annahme seiner neuen Würde eine ausdrückliche päpstliche
Erlaubnis benötigte. Erst 1154 gelang es Wichmann, das Pallium in Rom zu
erlangen. Er betrachtete sich seitdem als „von Gottes und des Kaisers
Gnaden“ eingesetzter Erzbischof. In der Reichspolitik, die im
wesentlichen durch die Auseinandersetzungen des Kaisers mit den Städten
Oberitaliens und dem Papsttum bestimmt wurden, trat Wichmann bis in die
Mitte der sechziger Jahre nur wenig in Erscheinung. Die nach dem Schisma
von 1159 auf Konfrontation angelegte Vorgehensweise Friedrichs war
vornehmlich von Rainald von Dassel, dem Reichskanzler und Kölner
Erzbischof, konzipiert und ließ Wichmann nur wenig Raum für Aktivitäten
– besonders, da der Magdeburger Erzbischof eher einem Ausgleich zwischen
den Anhängern des kaisertreuen Papstes und dem von der Mehrheit der
Kardinale gewählten Alexander III. zuneigte. Dies zeigte sich sowohl in
seiner Vermittlung zwischen Barbarossa und dem alexandrinisch gesinnten
Erzbischof von Salzburg als auch in seiner Haltung auf dem Würzburger
Reichstag 1165, als er anfänglich den von Rainald vorgeschlagenen Eid
auf den kaiserlichen Papst und seine Nachfolger zu leisten sich
weigerte.
Nach dem Tode des Kölner Erzbischofs 1167 und der vernichtenden
Niederlage der Reichstruppen 1176 bei Legnano gegen die
oberitalienischen Kommunen war die Zeit des Ausgleichs gekommen. Bei den
Verhandlungen mit Alexander III., die zuerst zum Vorvertrag von Anagni
und dann im Jahre 1177 zum Frieden von Venedig zwischen Kaiser und Papst
führten, schreiben zeitgenössische Quellen Wichmann eine herausragende
Rolle zu. Unzweifelhaft zählte der Magdeburger zeit seines Lebens zu den
Stützen des Kaisers. Seine Verdienste belohnte Kaiser Heinrich VI. im
Jahre 1192 mit ansehnlichen Güterschenkungen aus ehemals welfischem
Besitz westlich von Magdeburg.
Größere Bedeutung als in der Reichspolitik kommt Wichmann im Rahmen der
deutschen Ostsiedlung zu. Wahrscheinlich als Ergebnis des erfolgreichen
Feldzugs, den er 1157 zusammen mit Albrecht dem Bären gegen Jaxa von
Köpenick um das dem Askanier zugefallene Erbe des brandenburgischen
Fürsten Pribislav geführt hatte, waren ihm Gebiete östlich der Elbe bis
zur Nuthe zugefallen. Schon wenige Jahre später ließ Wichmann sumpfiges
Gelände trockenlegen und – teilweise auch unter Einbezug der
unterworfenen Slawen – Siedlungen errichten. Dabei bediente er sich in
großem Umfang sogenannter Lokatoren, Gründungsunternehmer, die für den
Zuzug von zumeist aus Flandern oder dem westdeutschen Raum herrührenden
Bauern Sorge tragen und die dörfliche Organisation leiten mußten.
Neben der Urbarmachung des Landes ließ sich Wichmann auch eine
tatkräftige Unterstützung des Handels angelegen sein. In Groß-Wusterwte
und Jüterbog, das er 1174 mit Magdeburger Recht begabte, entstanden
Kaufmannssiedlungen, für die Zollbefreiungen, die Verleihung von
Marktrecht sowie eine Vereinfachung der Rechtsprechung die Grundlagen
schufen. Auch die kirchlichen Orden wurden in die Kolonisation
miteinbezogen, sei es durch Besitzschenkungen im Kolonialland wie an das
Prämonstratenserstift Gottesgnaden oder durch eine Klosterneugründung
wie Zinna, dessen Bau 1171 von Wichmann begonnen und das mit
Zisterziensern aus Altenberg besetzt wurde. Wichmanns Leistung in diesem
Bereich ist um so höher zu bewerten, als er in den sechziger und dann
noch einmal gegen Ende der siebziger Jahre gezwungen war, das
Territorium des Magdeburger Erzstifts im Westen gegen die Übergriffe
Heinrichs des Löwen zu verteidigen. Seine Eroberung der weifischen Feste
Haldensleben im Jahr 1181, deren Besatzung durch eine von Wichmann mit
der Anlage von Dämmen verursachte Überschwemmung der Ohre zur Aufgabe
gebracht wurde, erregte die Bewunderung der Zeitgenossen. Doch war es
Heinrich dem Löwen zwei Jahre zuvor gelungen, Elbslawen und Pommern zum
Einfall in die ostelbischen Gebiete des Erzstifts zu bewegen, in dessen
Verlauf ein Teil der Siedlungsarbeit Wichmanns der Zerstörung anheimfiel.
Mit der Unterwerfung des Sachsenherzogs konnte sich das Magdeburger
Territorium jedoch konsolidieren.
Lit.:
Willy Hoppe: Erzbischof Wichmann von Magdeburg (Diss. v. 1908). In: Ders.:
Die Mark Brandenburg, Wettin und Magdeburg. Ausgewählte Aufsätze, 1965,
S. 1-152. – Dietrich Claude: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in
das 12. Jahrhundert, Teil II (= Mitteldeutsche Forschungen 67/11), 1975,
S. 71-175.
Bild:
Bronzetüren an der Westseite der Sophienkathedrale zu Nowgorod,
Universitätsbibliothek Bonn
Arno
Weinmann
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