Nathanael
von Wolff
hat
ausgedehnte
Reisen durch
ganz Europa
unternommen
und sich
einen
ausgezeichneten
Ruf als
Mediziner
erworben,
der es ihm
erlaubte,
sich in
verschiedenen
Stellungen
und an
unterschiedlichen
Orten
Europas ein
kleines
Vermögen zu
erwirtschaften.
Dadurch war
es ihm
möglich,
seinen
Interessen
als Astronom
in einer
eigenen
Sternwarte
nachzugehen.
Dieses
Observatorium
unmittelbar
vor den
Toren
Danzigs
vermachte er
nebst
weiteren
wertvollen
Stiftungen
testamentarisch
der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig,
als deren
großer
Gönner er
schon zu
Lebzeiten
angesehen
wurde.
Aus der
Jugendzeit
des
Nathanael
Mattheus
(auch
Matthäus)
von Wolff
oder Wolf
ist nur
wenig
bekannt.
Sein Vater
soll
Apotheker in
Konitz,
einst eine
Stadt des
Deutschen
Ordens,
gewesen
sein, die
Vorfahren
väterlicher-
und
mütterlicherseits
hatten hohe
militärische
Ränge bis
zum General
inne. Seine
Eltern
müssen früh
gestorben
sein, denn
es wird
berichtet,
daß er nach
dem Besuch
des
angesehenen
Akademischen
Gymnasiums
in Danzig
“trotz
Abratens
seiner
Vormünder
und unter
drückendster
Dürftigkeit”
wohl
zunächst in
Jena, dann
in Leipzig
und Halle
ein Studium
aufnahm, in
dem er sich
mit den
alten
Sprachen,
mit der
englischen,
französischen
und
italienischen
Sprache,
schließlich
mit
Philosophie,
Mathematik
und Medizin
beschäftigte.
Seine große
Begabung muß
sich bald
erwiesen
haben, da
der
Fürstbischof
von Ermland,
Grabowski,
ihm in den
letzten
Semestern
ein
Stipendium
gewährte.
Nach seiner
Promotion im
Fach Medizin
1748 in
Erfurt ließ
sich Wolff
für kurze
Zeit als
praktischer
Arzt in
Warschau
nieder und
nahm dann
für etwa
drei Jahre
die Stelle
eines
Leibarztes
beim
Fürstbischof
von Posen,
Theodor
Czartoriski,
an. Die
Unruhe
seiner
soldatischen
Vorfahren
mag ihm im
Blut gelegen
haben, denn
1753 wurde
er – 29
Jahre alt –
für etwa
drei Jahre
Stadtphysikus
seiner
Vaterstadt
Konitz, die
in dieser
Zeit zu den
wohlhabenderen
und
aufstrebenden
kleineren
Städten
Westpreußens
gehörte. Er
trat dann
als Leibarzt
in die
Dienste des
polnischen
Krongroßmarschalls
Fürst
Lubomirski,
war
zwischenzeitlich
wohl auch
kurze Zeit
wieder in
Danzig und
begab sich
1758 mit dem
Fürsten auf
eine etwa
dreijährige
Reise nach
Ungarn,
Österreich,
durch
Deutschland
und nach
Frankreich,
Holland und
wohl auch
England.
Seine
Interessen
an Sprachen,
an der
Wissenschaft
und an
fremden
Ländern
führten ihn
in den
Jahren
danach auf
eigene
Kosten nach
Italien –
Neapel,
Livorno und
Genua werden
als
Aufenthaltsorte
genannt –,
durch die
Schweiz und
Deutschland
wieder nach
Holland und
England. In
London hat
er sich
einige Jahre
niedergelassen,
führte hier
eine
bedeutende
ärztliche
Praxis und
errang durch
seine
wissenschaftlichen
Arbeiten die
Aufnahme in
die Royal
Society und
in die
Londoner
Gesellschaft
zur
Aufmunterung
der Künste,
der
Manufakturen
und des
Handels.
Wegen einer
Beeinträchtigung
seiner
Gesundheit,
offenbar
eine
beginnende
Schwindsucht,
kehrte Wolff
zwar in
seine Heimat
zurück,
wurde aber
dennoch
Leibarzt des
polnischen
Fürsten Adam
Czartoriski,
General von
Podolien,
und begab
sich mit
diesem
wiederum auf
eine weite
und
anstrengende
Reise in die
Türkei, nach
Frankreich
und England.
Auf dem
polnischen
Reichstag
von 1766
wurde er
“auf Antrag
seiner hohen
Gönner” in
den
Adelsstand
erhoben.
Offenbar
hatte seine
Gesundheit
aber durch
Studium,
Reisen und
Arbeit so
stark
gelitten,
daß er sich
1769, also
mit 45
Jahren, als
wohlhabender
Privatmann
“in eine
philosophische
Ruhe nach
Dirschau” an
der Weichsel
in
Westpreußen
zurückziehen
mußte. Hier
wendete er
sich nun
astronomischen
Studien zu.
Als das Land
an der
unteren
Weichsel im
Jahre 1772
preußisch
wurde,
verlegte
Wolff seinen
Wohnsitz
nach Danzig,
ohne daß wir
nähere
Gründe dafür
kennen, und
hier werden
die Quellen
über das
Leben dieses
Mannes von
Standhaftigkeit
und seltener
Geradheit
deutlicher
und
ausführlicher.
Trotz seiner
fortgeschrittenen
Krankheit
eröffnete
Wolff im
Zeichen
seines
großen
Ansehens und
seiner
Erfolge auf
medizinischem
Gebiet auch
in Danzig
eine
ärztliche
Praxis.
Selbst
Kollegen
erbaten
seinen Rat.
Seine
astronomischen
Arbeiten gab
er dennoch
nicht auf,
sondern
richtete
sich in
einem
Eckzimmer
des zweiten
Stocks
seines
Wohnhauses
am
Holzmarkt,
dem
stattlichen
Haus des
Abtes vom
Zisterzienserkloster
Oliva, eine
Sternwarte
ein, die der
bekannte
“wissenschaftliche
Reisende”
Johann
Bernoulli
ausführlich
beschreibt.
Im Jahre
1776 trat
Wolff als
56. Mitglied
in die schon
1743
gegründete
Naturforschende
Gesellschaft
in Danzig
ein. Im
Kreise der
hier tätigen
Wissenschaftler
erfuhr er
Anerkennung
und
Anregung, so
daß er sich
entschloß,
aus seinem
Vermögen für
rund 22.500
Mark auf dem
höchsten
Punkt des
Bischofsberges,
auf dem
westlichen
Wall der
stark
befestigten,
selbständigen
Stadt
Danzig, 1780
eine
Sternwarte
nach
modernsten
Gesichtspunkten
zu bauen,
“die beste
Ehrensäule,
die ein
Gelehrter
sich selbst
errichten
kann!” (J.
F.
Goldbeck).
Wolff
verschaffte
sich eine
Reihe sehr
guter und
prächtiger
Instrumente,
vorwiegend
aus England,
die auf
isoliert
gesetzten
Fundamenten
standen,
damit die
Erschütterungen
in der
quadratischen,
etwa acht
Meter
Seitenlänge
messenden
Sternwarte
sich nicht
auf die
Beobachtungsinstrumente,
darunter
Mauerquadranten
und
Fernrohre,
übertragen
konnten. Er
stellte
einen
Gehilfen für
astronomische
Arbeiten,
Füllbach,
ein, obwohl
er selber
der
eifrigste
Beobachter
war, und
übereignete
die
Sternwarte
der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig,
wobei er
sich deren
Nutzung auf
Lebenszeit
vorbehielt.
Neben seiner
astronomischen
Tätigkeit
war Wolff
ein
gesuchter
Arzt, der
trotz der
“1774
bekannt
gemachten
Ratsverordnung,
durch welche
das
Einimpfen
der
Kinderblattern
– um
Ansteckung
zu
verhindern –
nur
außerhalb
der Stadt
erlaubt
wurde”,
gerade diese
Impfung in
Danzig
einführte,
zudem bei
drei
Töchtern
einer der
bekanntesten
Danziger
Ratsfamilien.
Die älteste
von ihnen,
Johanna
Trosiener,
verheiratete
Schopenhauer,
ist als
Schriftstellerin
später sehr
bekannt
geworden und
hat in ihren
Jugenderinnerungen
den
gefährlichen
und
umständlichen
Vorgang
höchst
amüsant
beschrieben.
Die Pocken
sind noch
heute eine
hochansteckende,
melde- und
isolierpflichtige
Infektionskrankheit,
gegen die
europäische
Ärzte am
Anfang des
18.
Jahrhunderts
aus Istanbul
eine
Kind–zu–Kind–Impfung
übernahmen,
die sich
wegen ihrer
Gefährlichkeit
nur sehr
langsam
durchsetzte
und später
verboten
wurde,
nachdem E.
Jenner 1796
die
wesentlich
harmlosere
Schutzimpfung
mit
Kuhpockenlymphe
gefunden
hatte. Das
Impfgesetz
gegen die
Pocken oder
Blattern des
Deutschen
Reiches
datiert erst
aus dem
Jahre 1874
(in Hessen
und Bayern
schon 1807).
Als
Nathanael
von Wolff im
61.
Lebensjahr
starb,
hinterließ
er der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig
nicht nur
seine erst
vier Jahre
alte
Sternwarte,
sondern auch
ein Kapital
von 4000
Gulden (oder
36.000
Mark),
dessen
Zinsen zur
Unterhaltung
der
Sternwarte
und zur
Anstellung
eines
ständigen
Astronomen
dienen
sollten.
Außerdem
vermachte er
der
Gesellschaft
Bücher, sein
herbarium
vivum von 40
Folio-Bänden,
seine
Conchylien–(Weichtier-)
und seine
Mineraliensammlung
mit
gedruckten
Verzeichnissen.
Er wurde so
zu einem der
bedeutendsten
Förderer der
Naturforschenden
Gesellschaft,
die sein
Bildnis in
Öl malen und
in Kupfer
stechen ließ
und ihm auf
seinem Grab
1794 ein
Denkmal
setzte, das
1876
inmitten der
Festungswerke
noch
vorhanden
war. Der
Körper des
in Danzig
hochangesehenen
Wissenschaftlers
wurde auf
seinen
Wunsch hin
einbalsamiert
und in einem
von ihm
selbst
gefertigten
eichenen
Sarg neben
der
Sternwarte
feierlich
begraben.
Die
Gedächtnisrede
von Lampe
wurde
gesondert
gedruckt und
dem
polnischen
König
Stanislaus
August
gewidmet und
übergeben,
der der
Naturforschenden
Gesellschaft
als
Gegengabe
einen Ring
für den
Direktor der
Gesellschaft
überreichen
ließ.
Nathanael
von Wolff
hat
zahlreiche
Schriften in
lateinischer,
englischer,
französischer
und
deutscher
Sprache
veröffentlicht.
Er
versuchte,
abweichend
von Linnè,
eine
einfachere
und
zweckmäßigere
botanische
Klassifikation
einzuführen,
doch geriet
sie zu
umständlich
und war wohl
nie in
Gebrauch.
Ihm gelang
die
Entdeckung
des
Männchens
der
Lack-Schildlaus,
die damals
zum
Scharlachfärben
benutzt
wurde, und
er
veröffentlichte
diese
Entdeckung
und mehrere
seiner
astronomischen
Arbeiten in
den
angesehenen
Philosophical
Transactions
der Royal
Society und
in anderen
anerkannten
Zeitschriften.
Zudem
verfaßte er
eine Reihe
von eher
populären
medizinischen
Schriften.
Seine
Sternwarte
bestand
leider nur
gut 30
Jahre:
während der
französischen
Belagerung
Danzigs 1708
beschädigt
und nach
einer
Beschwerde
des
Direktors
der
Naturforschenden
Gesellschaft,
Dr. Joh.
Gottfried
Kleefeld,
von Napoleon
wieder
repariert
(!), wurde
sie auf
Befehl des
französischen
Generals
Rapp 1813
abgebrochen,
weil die
französischen
Truppen in
der Stadt
wegen der
Belagerung
Danzigs
durch
russische
und deutsche
Truppen
freies
Schußfeld
verlangten.
Werke:
Diss. inaug.
de
senectutis
natura et
artibus
longissimam
vivendi
senectutem
veris.
Erford 1748.
– Reflexions
sur les
Dissidens en
Pologne.
1766. –
Unterricht
gegen die
Kinderblattern.
Danzig 1774.
– Genera
plantarum
vocabulis
characteristicis
definita
(nebst einer
Concordantia
botanica). (Regiom.)
1776 und
1781. –
Unterricht
fürs Volk
gegen die
Pest. Danzig
1776 (Wurde
auf Befehl
der Kaiserin
von Rußland
und des
polnischen
Krongroßmarschalls
ins
Russische
und
Polnische
übersetzt.)
–
Übersetzung
einer Arbeit
des Thomas
Mudge
(1715–1794
in London)
von den
Kinderblattern,
nebst einem
Anhange von
der Stiftung
und dem
Fortgange
der
Inokulation
in Warschau
und im Poln.
Preussen.
Danzig 1778.
Lit.:
J.F.
Goldbeck:
Literarische
Nachrichten
von Preußen,
T. 1, 1781,
T. 2, 1783.
– Johann
Bernoulli
(Hrsg.):
Observationes
astronomicae
factae
Dantisci...
Berolini
1785. –
Friedrich
Carl Gottlob
Hirsching:
Historisch-literarisches
Handbuch,
Bd. 16, 2.
1815. –
Gotthilf
Löschin:
Geschichte
Danzigs von
der ältesten
bis zur
neuesten
Zeit. Danzig
1823. – E.
Schumann:
Geschichte
der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig.
Danzig 1893.
– Johanna
Schopenhauer:
Ihr
glücklichen
Augen.
Berlin 1979,
S. 98 ff, S.
530. – H.-J.
Kämpfert:
Aspekte der
Medizingeschichte
in Danzig.
In: Gilbert
Gornig
(Hrsg.):
Deutsch-polnische
Begegnung zu
Wissenschaft
und Kultur,
Band 2 der
Schriftenreihe
der Danziger
Naturforschenden
Gesellschaft,
Lübeck 1998.
Hans-Jürgen
Kämpfert