Wrangell
entstammte
einem
estländischen
Adelsgeschlecht
(vermutlich
mit der
Familie von
Löwenwolde
eines
Stammes),
das im
ganzen
Ostseeraum
Gutsbesitz
hatte und
vor allem
zahlreiche
Soldaten
hervorgebracht
hat. Diese
befanden
sich in
schwedischen,
russischen,
preußischen
Diensten.
Die
Wrangells
waren im
gesamten
baltischen
Raum
beheimatet,
hatten das
estländische,
livländische
und
kurländische
Indigenat,
gehörten zur
estländischen,
livländischen
und
kurländischen
Ritterschaft.
Das
Geschlecht
erfuhr
verschiedene
Standeserhöhungen,
als
schwedische
Freiherrn
und Grafen,
preußische
Freiherrn
und Grafen,
seit 1855
als
russische
Barone, auch
als
spanische
Grafen.
Der Vater
Ferdinand
von
Wrangells
war
russischer
Major und
Besitzer von
Gütern
sowohl in
Est- als
auch in
Livland. Als
Achtjähriger
Vollwaise,
kam
Ferdinand
von Wrangell
nach
häuslichem
Unterricht
1810 in das
Seekadettenkorps
nach St.
Petersburg,
trat 1812 in
die
Gardemarine
ein und
wurde
Midshipmann.
Mit diesem
Dienstgrad
machte er
von 1817 bis
1819 für
zweieinhalb
Jahre auf
der
Schaluppe
”Kamtschatka”
seine erste
Weltumsegelung
mit. Die
Fahrt ging
ums Kap
Horn, im
Beringmeer
wurden
umfangreiche
hydrographische
Untersuchungen
vorgenommen.
Von 1820 bis
1824 war
Ferdinand
von Wrangell
nach
wissenschaftlichen
Vorbereitungen
an der
Universität
Dorpat/Tartu
(estn.) an
einer
weiteren
Expedition
maßgeblich
beteiligt,
die ihn an
die
Nordostküste
von Sibirien
führte, wo
von der
Mündung der
Jana aus
geographische,
hydrographische,
auch
meteorologische
und
magnetische
Messungen
durchzuführen
waren. Von
1825 bis
1827
unternahm er
auf der
Schaluppe
”Krotkii”
eine weitere
Weltumsegelung.
Nach seiner
Rückkehr
wurde er
Kommandant
des Schiffes
”Elisabeth”.
Im Jahre
1829
heiratete
Ferdinand
von Wrangell
Elisabeth
Baronesse
von
Rossillion.
In den
Jahren von
1830 bis
1835 war er
Oberdirektor
von
Russisch-Amerika.
Die weitere
Karriere
ließ ihn
bis zum
Vizeadmiral,
schließlich
zum Admiral
der
russischen
Marine
aufsteigen.
Das hinderte
ihn nicht,
zugleich von
1840 bis
1849
Direktor der
Russisch-Amerikanischen
Kompanie zu
sein sowie
Direktor des
Departements
für
Schiffsbauwaldungen
im
Marineministerium
– waren doch
zahlreiche
Wälder seit
der Zeit
Peters des
Großen als
”Schiffswälder”
dem
Marineministerium
zugeteilt.
Im Jahre
1847 wurde
Ferdinand
von Wrangell
aus dem
Dienst
verabschiedet.
Er lebte
seit jener
Zeit auf
seinem 1840
erworbenen
estländischen
Gut Ruil/Roela
(estn.), in
dessen
Herrenhaus
heute eine
Nachfahre
aus
Deutschland
ein Zentrum
für
juristische
Ausbildungskurse
organisiert.
Seit 1852
lebte
Ferdinand
von Wrangell
auch in
Reval/Tallinn
(estn.),
wenn er sich
nicht auf
Reisen im
westlichen
Europa
befand, so
etwa in Rom.
Wie früher
war er mit
zahlreichen
Forschungsarbeiten
beschäftigt,
auch
übernahm er
weiterhin
öffentliche
Aufgaben. So
war er von
1854 bis
1855
Direktor des
Hydrographischen
Departements
im
Marineministerium,
hatte dort
seit 1856
als Admiral
den Vorsitz
des Komitees
für
Verteidigung
der
baltischen
Küsten inne.
Schließlich
war er von
1858 bis
1862
Mitglied des
Russischen
Reichsrates.
Ferdinand
von Wrangell
bewährte
sich auch
als tätiger
Christ, er
war 1859 bis
1864
Präsident
der
Unterstützungskasse
für
evangelisch-lutherische
Gemeinden in
Rußland.
Darüber
hinaus war
er Mitglied
zahlreicher
wissenschaftlicher
Gesellschaften
im In- und
Ausland, so
Ehrenmitglied
der Akademie
der
Wissenschaften
in St.
Petersburg
und Mitglied
der Akademie
der
Wissenschaften
in Paris. Er
hat aber nur
wenige
eigene
wissenschaftliche
Berichte
hinterlassen,
darunter
geographische
und
nautische
Untersuchungen,
ein Buch
über das
Eismeer und
die Tundra
sowie eine
zweibändige
Reisebeschreibung
von
Sibirien,
die in
russischer
Sprache
erschien.
Nach
Ferdinand
von Wrangell
wurde eine
Insel im
Nördlichen
Eismeer
benannt, ein
Berg, eine
Stadt und
ein
Indianerstamm
in Alaska.
Ferdinand
von Wrangell
reiht sich
in jene
große Zahl
von Balten,
seit Ende
des 19.
Jahrhunderts
Deutschbalten
genannt,
ein, die
innerhalb
des
Russischen
Reiches von
1721 bis
1918 in
Verwaltung,
Diplomatie
und Militär
sowie in der
Wissenschaft
zur
Eingliederung
Rußlands in
den
westlichen
Kulturkreis
beigetragen
haben, ein
Wirken, das
mit dem Ende
des Ersten
Weltkrieges
ein abruptes
Ende fand.
Neben den
Wissenschaftlern,
wie etwa
Karl Ernst
von Baer und
dem
Sibirienforscher
Alexander
von
Middendorff,
spielen die
Seefahrer
als Forscher
dabei eine
besondere
Rolle.
Seefahrer
und
Entdecker
auf der
russischen
Flotte waren
die aus
Estland
stammenden
Adam Johann
von
Krusenstjern,
Otto von
Kotzebue,
Fabian von
Bellingshausen
und
Ferdinand
Baron von
Wrangell.
Lit.:
L. v.
Engelhardt:
Ferdinand
von Wrangell
und seine
Reise.
Leipzig
1885. – ADB,
Bd. 44, S.
222-226 (L.
Stieda). –
W. Baron v.
Wrangell:
Ein Kampf um
Wahrheit,
Leben und
Wirken des
Admirals
Ferdinand
von Wrangel.
Stuttgart
1939. – J.V.
Davydov:
Ferdinand
Wrangell.
Moskau 1959.
– W. Baron
v. Wrangell:
Erforschung
der
Nordküste
Sibiriens
und Admiral
Ferdinand v.
Wrangell.
In: Jb. des
baltischen
Deutschtums.
H. 8. 1961,
S. 90-99. –
Walter v.
Hueck:
Siebenhundertjähriges
Bestehen des
Familiennamens
Wrangel. In:
Acta
Wrangeliana
33/1978, S.
1-19. – Erik
Amburger:
Die
Deutschen im
russischen
Reich und
der
Sowjetunion.
In: Deutsche
im Nordosten
Europas.
Hrsg. von
Hans Rothe.
Köln/Wien
1991, S.
21-59.
Hubertus
Neuschäffer