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Wrangel entstammte einem weitverzweigten, ursprünglich
deutsch-baltischen Adelsgeschlecht. Schon 1796 trat er als Fahnenjunker
in die preußische Armee ein, der er bis zu seinem Tode 81 Jahre lang
angehören sollte. In den Befreiungskriegen zeichnete er sich bei der
Kavallerie aus und wurde 1814 Regimentskommandeur. 1839 wurde er
kommandierender General in Königsberg, wo sich der streng konservative
Pommer, der schon hier seinen derben Humor pflegte, bei den reformerisch
und demokratisch gesinnten Kreisen derart unbeliebt machte, daß
Friedrich Wilhelm IV. ihn 1842 versetzte.
Im März 1848 holte sich Otto v. Bismarck unter anderem bei Wrangel in
Stettin Rückenstärkung für seine konservativen Aktionspläne. Im April
1848 übernahm Wrangel den Oberbefehl über die deutschen Truppen in
Schleswig-Holstein. Er eroberte das Dannewerk, schlug die Dänen bei
Schleswig und drang in Jütland ein. Mit Rücksicht auf England und
Rußland befahl Preußen Wrangel den Rückzug bis Flensburg. Nach dem
Waffenstillstand von Malmö wurde Wrangel im September 1848
Oberbefehlshaber in den Marken. Damit wurde er für die militärische
Sicherheit des revolutionär bewegten Berlin verantwortlich. Der König
versuchte mit Hilfe des Ministerpräsidenten General Ernst v. Pfuel, als
Reformer das Gegenteil von Wrangel, gleichzeitig zum letzten Mal einen
Ausgleich mit der Revolution. Als nach Unruhen im Oktober Pfuel sich
weigerte, den Belagerungszustand zu verhängen und damit Wrangel die
Macht zu übergeben, entließ Friedrich Wilhelm IV. das Kabinett. Anfang
November wurde Graf Friedrich Wilhelm v. Brandenburg (1792-1850)
preußischer Ministerpräsident. Wrangel stand mit 80.000 Mann vor den
Toren Berlins. Die preußische Nationalversammlung protestierte gegen
ihre vom König verfügte Verlegung und Vertagung; die Berliner Bürgerwehr
stellte sich hinter sie. Am 10. November rückte Wrangel mit seinen
Truppen in Berlin ein, ohne auf Widerstand zu stoßen. Zum erstenmal seit
den Barrikadenkämpfen im März und dem seinerzeitigen königlichen
Befehl zum Abzug der Truppen war Berlin wieder vom preußischen
Militär geprägt. Auf Wrangeis ruhige und bestimmte Anordnung hin
verließen die Abgeordneten der Nationalversammlung das Schauspielhaus am
Gendarmenmarkt, in dem sie tagten. Zwei Tage später wurde der
Belagerungszustand verkündet, und der energische Wrangel schloß alle
politischen Vereine und Klubs, schränkte die Versammlungs- und
Pressefreiheit ein und löste die Bürgerwehr auf. Am 14. November griff
Wrangel noch energischer durch und verhängte das Kriegsrecht. Der
Staatsstreich von oben, wie man diese Gegenrevolution nennen kann, hatte
sich durchgesetzt. Zumal die Truppen keinen einzigen Schuß abgegeben
hatten, kann man von einem großen Erfolg Wrangels sprechen. Wrangel
blieb in Berlin als Kommandierender General und wurde als „Papa Wrangel“
schnell populär. Der 1856 zur höchsten militärischen Würde des
Generalfeldmarschalls Ernannte spielte bei der Krönung Kaiser Wilhelms
I. in der Schloßkirche von Königsberg am 18. Oktober 1861 eine wichtige
Rolle. Er trug das preußische Reichsbanner und ging und stand
unmittelbar hinter dem König. Wrangel sollte als 80jähriger 1864 noch
einmal hervortreten. Für das gemeinsame preußisch-österreichische
Vorgehen gegen Dänemark hatten die Österreicher sich mit einem
preußischen Oberbefehl einverstanden erklärt, wenn ein älterer
preußischer General mit Kriegserfahrung damit betraut würde. Wrangel,
der, trotz seiner Grobheiten nicht vermeidenden Eigenart, einen
bedeutenden Ruf genoß, kam allein in Frage. Doch bald stellte sich
heraus, daß er höchstens körperlich noch den Anforderungen des Feldzuges
gewachsen war. Man versuchte Wrangel, so gut es ging, vor schlimmen
Fehlgriffen zu bewahren, und war froh, als der Kronprinz (später Kaiser
Friedrich III.) am 30. 3.1863 faktisch an seine Stelle gesetzt wurde.
Bei den feierlichen Einzügen der siegreichen Truppen 1866 und 1871 in
Berlin spielte Wrangel zum letztenmal eine Rolle. Wegen der vielen
Anekdoten, die um seine Person kreisen und gemeinhin auf wahren
Begebenheiten beruhen, blieb dieser altpreußische Militär mit seiner
urwüchsigen Sprache bis heute bekannt.
Wolfgang
Stribrny
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