Der
„Russische
Eugen“, wie
er in der
Familie
genannt
wurde, war
eine in
mehrfacher
Hinsicht
bemerkenswerte
Erscheinung:
Feldherr,
Komponist
und
geschichtliche
Persönlichkeit.
Für die
beiden
genannten
Berufe
benötigt man
Begabung,
zur
geschichtlichen
Persönlichkeit
wird man
durch
Umstände.
Diese seien
zuerst
angesprochen.
Paul I. soll
ihn zu
seinem
Nachfolger
auf dem
Zarenthron
bestimmt
haben, indem
er für ihn
die Hand
seiner
Tochter
Katharina
ausersehen
hatte.
„Die Kunde
der mir
gewordenen
kaiserlichen
Gunst trug
sich von
Munde zu
Munde ...
daß er etwas
aus mir
machen
werde,
worüber
alles Maul
und Nase
aufsperren
solle“,
seine
anderen acht
Kinder
wollte er
enterben.
Eine
schriftliche
Fixierung
des Planes
gab es
nicht, aber
dieses
Gerücht
hatte sich
über Eugens
weiteren
Lebensweg
gelegt. So
wurde er
trotz seiner
großen
Verdienste
in den
napoleonischen
Kriegen vom
Nachfolger
Alexander I.
mehrmals
auffallend
zurückgesetzt.
Eugen,
Spross der
schlesischen
Linie der
Württemberger,
war Sohn des
Herzogs
Friedrich
Eugen d. Ä.
von
Württemberg
und der
Luise geb.
Prinzessin
zu
Stolberg-Geldern.
Er war für
die
militärische
Laufbahn
bestimmt und
wurde durch
die
verwandtschaftliche
Bindung ans
Zarenhaus
bereits mit
zehn Jahren
General
eines
russischen
Regiments.
Nach der
Schulzeit in
Breslau seit
1799 ging er
1801 nach
Russland und
kehrte ein
halbes Jahr
später, nach
den
Ereignissen
um die
Ermordung
Paul I.,
zurück. Es
folgten
Kavaliersreisen
und die
Studienzeit,
mit 14
Jahren
jüngster
Student, an
der kgl.
preußischen
Universität
Erlangen von
1802 bis
1804. Reisen
führten ihn
u.a. nach
Württemberg
zu Friedrich
I., dem
Bruder
seines
Vaters. Dort
begegnete er
Napoleon,
welcher ihn
aufforderte,
in seine
Armee
einzutreten.
In Weimar
kam er mit
Goethe,
Schiller und
Wieland
zusammen.
1806 trat er
in den
aktiven
Dienst der
russischen
Armee. Bei
der Schlacht
von Pultusk
am 26.12.
erhielt er
seine
Feuertaufe
und machte
in der Folge
mehrere
Gefechte
mit, auch
die blutige
Schlacht von
Preußisch-Eylau
(8.2.1807),
bei der
Eugen für
den tapferen
Einsatz den
St.
Annen-Orden
erhielt. Ein
Brief an die
Eltern wurde
abgefangen
und dann mit
dem Vermerk
Napoleons
weitergeschickt,
ihm sei
daran
gelegen,
dass seine
Eltern
beruhigende
Nachrichten
von dem Sohn
erhielten.
Nach dem
Frieden von
Tilsit wurde
er nach St.
Petersburg
an den Hof
geladen;
berechtigte
Hoffnungen
auf
Beförderung
erfüllten
sich nicht
und so
spielte er
mit dem
Gedanken,
seinen
Abschied zu
nehmen, um
in die
österreichische
Armee
einzutreten,
was die
Zarin, seine
Tante, nicht
zulassen
wollte. 1808
erhielt er
den Befehl
über einen
Verband in
Riga, wo er
im
gastlichen
Haus des
Onkels
Alexander v.
Württemberg
gesellschaftliche
Freuden und
auch die
Durchreise
des
preußischen
Königspaars
erlebte. Um
ihn für
Unzufriedenheiten
zu
entschädigen,
wurde ihm
längerer
Urlaub in
Schlesien
gewährt, wo
die erste
schriftliche
Fassung des
Kriegsplans
von 1812
entstand.
Es folgten
Jahre großen
militärischen
Einsatzes an
den
Brennpunkten
der
Befreiungskriege,
wo er
oftmals
erfolgreich
das
Geschehen
beeinflusst
und
entschieden
hat. 1810
wurde er zur
Donauarmee
beordert,
die mit den
Türken im
Kampf lag.
Dann
übernahm er
interimistisch
in Bukarest
die 9.
Division.
Mit Ludwig
v. Wolzogen
vertiefte er
1811 bei der
Rückkehr
nach St.
Petersburg
den Plan der
defensiven
Strategie
gegen
Napoleon,
die
allerdings
wegen der
negativen
Folgen für
die Moral
der Armee
und das
Schicksal
der
Zivilbevölkerung
wenig
Anerkennung
fand.
„Auch die
einschlägige
russische
Literatur
streitet
deshalb
entweder die
Existenz
eines
russischen
Rückzugsplanes
ganz ab ...
oder erwähnt
den
Sachverhalt
nur am
Rande“
(v. Ow). Oft
wird Kutusow
als
Initiator
des
Rückzuges
genannt,
obwohl er
ihn wohl
nicht
wollte.
„Zur
Verschleierung
der Wahrheit
trug die
Tatsache
bei, daß
hinter dem
russischen
Kriegsplan
in erster
Linie aus
Preußen
stammende
Offiziere
standen,
nicht
zuletzt
Herzog Eugen
v.
Württemberg.“
(v. Ow).
Eugens
Tapferkeit
wurde
bewundert
und seine
Beliebtheit
im Heer war
allgemein,
letztere ein
zusätzlicher
Grund für
das
distanzierte
Verhalten
des Zaren.
Das
Schicksalsjahr
1812 führte
ihn mit
seiner
Division in
die 1.
Westarmee
unter den
Befehl des
Livländers
Barclay de
Tolly. Er
begrüßte den
Herzog nach
dessen
Eingreifen
in Smolensk,
das den
Rückzug der
russischen
Armee
ermöglichte,
mit:
„Eure Hoheit
haben die
Armee
gerettet.
Sie darf es
nie
vergessen!“.
Die blutige
Schlacht bei
Borodino am
7.9. hat die
beiden
Armeen
100.000 Mann
gekostet und
war die
erste
Entscheidungsschlacht,
bei der
Napoleon
nicht als
Sieger
hervorgegangen
ist. Eugen
war es
gelungen,
eine Bresche
wieder zu
schließen,
nahezu zwei
Drittel
seiner 3.600
Mann blieben
jedoch auf
dem
Schlachtfeld.
Eugen
überstand
den Tag
unverwundet,
obwohl ihm
vier Pferde
unter dem
Leib
erschossen
wurden. Die
Entscheidung
Kutusows am
13.9.,
Moskau nicht
zu
verteidigen,
entsprach
Eugens
Intention.
Am 19.10.
verließ
Napoleon
Moskau, das
nach
9tägigen
Bränden zu
drei
Vierteln
verwüstet
war. Die
goldenen
Brücken für
den Rückzug
der Grande
Armee wurden
durch
mehrere
Schlachten
gestört, bei
denen Eugen
mit seinen
Soldaten
zahlreiche
Gefangene
nahm und
viele
Geschütze
erbeutete.
Zwischen dem
26. und
29.11.
spielte sich
das Drama an
der Beresina
ab, und über
die Tage des
Rückzugs
schrieb
Eugen in den
Erinnerungen:
„Die
Erfrorenen
füllten alle
Wege, alle
zerstörten
Häuser,
aller Felder
an der
Straße. Man
sah diese
aufrecht
stehend,
sitzend,
kniend, in
allen Lagen,
in welchen
sie der Tod
ereilt.“
Eugen
erwartete,
für seine
Erfolge mit
der Führung
der
Avantgarde
betraut zu
werden,
wofür sich
auch Kutusow
verwenden
wollte, aber
er wurde
wieder
übergangen.
Bei den
Befreiungskriegen
1813 gelang
es ihm, den
Feind aus
der Stadt
Kalisch zu
vertreiben.
In mehreren
sächsischen
und
schlesischen
Orten war
sein
Eingreifen
bei
Schlachten
entscheidend.
Davon zeugt
noch heute
in
Krietzschwitz
das
Herzog-Eugen-Denkmal.
Ende August
führte er
die
Entscheidungsschlacht
bei Kulm, in
deren
Anschluss
die Truppen
Vandammes
mit seinem
Führer
gefangen
wurden. Bei
der
Leipziger
Völkerschlacht
eröffnete
Eugen das
Gefecht
gegen
Wachau. Im
Frankreichfeldzug
1814 hat er
sich am 4.3.
bei der
Erstürmung
von Troyes,
am 20.3. bei
Arcis-sur-Aube
und am 30.3.
beim Kampf
vor Paris
ausgezeichnet.
Tags darauf
zog er an
der Spitze
seines Korps
in Paris
ein. Er
wurde zum
General der
Infanterie
ernannt. Der
Bemerkung
Zar
Alexanders:
„Ohne Sie
wären wir
heute nicht
hier“,
folgte keine
gerechte,
öffentliche
Würdigung.
Eugen zog
sich nach
Carlsruhe
zurück. 1817
heiratete er
die
16-jährige
Prinzessin
Mathilde v.
Waldeck, die
bereits 1825
verstarb.
Nach dem Tod
des Vaters
1822
übernahm
Eugen die
Herrschaft
Carlsruhe.
Auf
Einladung
der
Zarinmutter
kam er 1825
wieder nach
St.
Petersburg,
wo er den
Dekabristenaufstand
miterlebte.
1827
heiratete er
Prinzessin
Helene v.
Hohenlohe-Langenburg.
1828 wurde
er von Zar
Nikolaus zur
Teilnahme am
Krieg gegen
die Türken
berufen, wo
er mit dem
Sieg am
Fluss
Kamtschik
den
Brückenkopf
einnahm. Für
seine
Verdienste
erhielt er
den St.
Andreas-Orden,
allerdings
wurde die
Verleihung
nicht
offiziell
bekannt
gegeben. Der
türkische
Feldzug
beendete die
militärische
Laufbahn.
Die andere
Lebenshälfte
verbrachte
er in
Carlsruhe,
vielseitigen
geistigen
Interessen
lebend und
seine
lesenswerten
Memoirenbände
herausgebend.
Auf dem
Löwendenkmal
in Carlsruhe,
das die
Zeiten
überdauerte,
waren 94
Schlachten
und Gefechte
eingetragen,
an welchen
der Herzog
teilgenommen
hatte. Die
Inschriften
wurden nach
1945
ausgelöscht,
der
sterbende
Löwe wurde
vor einigen
Jahren
restauriert.
Früh erhielt
er eine
musikalische
Ausbildung.
Mit zehn
Jahren
„sang ich
schon vom
Blatt,
spielte
Violoncell
im Orchester
und
versuchte
bereits zu
componieren“,
wobei ihm
die Kapelle
und das
Theater in
Carlsruhe
viel
Anregung
boten. Der
größere Teil
seiner Werke
entstand
während der
Schul- und
Studienzeit
und 1809 und
bei seinem
Kommando in
Riga. Das
Zusammensein
mit Carl
Maria v.
Weber, der
1806/07
Musikintendant
seines
Vaters war,
wurde zur
anregenden
Episode
seines
musikalischen
Bestrebens.
Später haben
ihn die
militärischen
Aufgaben vom
Komponieren
abgehalten.
Von seinem
vorromantischen,
kompositorischen
Schaffen, zu
einem
kleineren
Teil
gedruckt,
machte die
Oper
Geisterbraut
Theatergeschichte.
30 Jahre
nach dem
Entstehen
wurde sie
1842 zur
Eröffnung
des neuen
Stadttheaters
in Breslau
uraufgeführt
(27
Aufführungen)
und 1880
stand sie
auf dem
Spielplan
des
Stuttgarter
Hoftheaters.
Da Herzog
Éugens
kompositorisches
Werk mit der
Zerstörung
des
Carlsruher
Schlosses
1945 durch
die
russische
Armee
unterging,
verblieben
nur noch
einige
Notendrucke.
Lit.:
Franz
Ilwof, in:
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
Berlin 1904,
48. Bd.
437ff. – E.
Burckhardt,
Ein
vergessener
Held der
Befreiungskriege,
Gartenlaube
36/37
(1863). –
Helmut
Scheunchen,
Das
Musikleben
von
Carlsruhe in
Oberschlesien,
„Aus der
Heimat
hinter den
Blitzen
rot“.
Streiflichter
zur
Musikkultur
usw., Haus
der Heimat,
hrsg. v.
Helmuth
Fiedler,
Stuttgart.
1999, 31-48.
– Meinrad
Frhr. v. Ow,
Herzog Eugen
von
Württemberg
– Kaiserlich
Russischer
General der
Infanterie
1788-1857,
Berg/Potsdam
2000. –
Helmut
Scheunchen,
Herzog
Eugen,
Schlesisches
Musiklexikon,
hrsg. v.
Lothar
Hoffmann-Erbrecht,
Augsburg
2001, 157f.
(Werkverzeichnis).
– Helmut
Scheunchen,
Eugen von
Württemberg,
Beiheft CD
Malinconia
Werke für
Klaviertrio,
Cornetto
Stuttgart
2006. –
Mitteilung
an den
Verfasser
Herzog
Ferdinand v.
Württemberg
2001.
Werke:
2
Sinfonien,
Ouvertüren,
Klaviermusik,
50 Lieder,
Chöre und
Opern Die
Geisterbraut,
Der Wald von
Hohenelbe.
–
CD-Einspielung:
Andante und
Schnellmarsch
(Cornetto
20010).
Schriften:
Erinnerungen
aus dem
Feldzuge des
Jahres 1812,
Landshut
1846. –
Memoiren,
Frankfurt/O.
1862.
Bild:
Aus
Scheunchen,
Musikleben
Carlsruhe,
s.o.
Helmut
Scheunchen