Bis
heute ist die geradezu winzige, aber
leistungsstarke Kamera mit ihrem
zukunftsweisenden Design geradezu ein
Kultobjekt für Fotografen geblieben.
Lange galt sie als die Kamera der
Spione und Agenten: Die legendäre MINOX,
deren Erfinder, den Deutschbalten Walter
Zapp, wohl nur wenige Experten mit Namen
kennen, doch gerade aus diesem Grund
lohnt es sich, an ihn zu erinnern.
Zapp
besuchte zunächst in Riga die Schule,
bis die Familie nach Reval übersiedelte.
Hier begann er 1922 seine Lehrzeit bei
dem bekannten Fotografen Walter Lemberg.
Da ihm die damals neuen
Kleinbildapparate noch zu groß und zu
schwer erschienen, entstand der Wunsch
nach einem Fotoapparat, den man stets
bei sich tragen könnte. Zapp bemühte
sich darum, einen solchen zu
konstruieren. Zur Zeit der
Weltwirtschaftskrise verlor er in
Estland als Ausländer seine Stellung und
ging zurück nach Riga. Zunächst stellte
er dort ein Holzmodell und dann eines
aus Metall her. Die erste MINOX war nur
13x28x75 mm groß, das Bild nur 8x11 mm.
1934 weihte er seinen Freund Richard
Jürgens in seine Versuche ein. Kein
Hersteller von Fotoapparaten war indes
bereit, dieses kleine Ding in Serie zu
produzieren. Schließlich bot sich die
Gelegenheit, der lettländischen Firma
für elektrotechnische Geräte VEF sein
Modell vorzuführen. Eine Probeaufnahme
überzeugte. Ab 1938 konnte man so im
Schaufenster der VEF die MINOX zum
Preise von 300 Lat sehen, ein hoher
Preis, betrug doch etwa das
Anfangsgehalt eines Lehrers zu dieser
Zeit 90 Lat monatlich. Die erste
MINOX-Kamera wurde am 12. April 1938 an
einen französischen Diplomaten des
Nachrichtendienstes verkauft. Die MINOX
machte so scharfe Aufnahmen, daß man
eine DIN A4 Seite fotografieren und das
Bild auf 17x20 cm vergrößern konnte. Bis
zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde
ca. 17000 MINOX-Kameras verkauft. Nach
der Besetzung Lettlands durch die
Sowjetunion im Juni 1940 wurden noch
2.000 MINOX-Kameras „Made in UdSSR“
hergestellt. Als es Zapp zu Ohren kam,
daß für ihn schon ein Platz in einem
Moskauer Forschungslabor reserviert sei,
floh er mit dem Holz- und dem Urmodell
in der Tasche nach Deutschland. Von
AGFA, Zeiss-Ikon und Leitz wurde er auf
die Zeit nach dem Kriege vertröstet.
Aber schon bald besetzte Deutschland die
Baltischen Staaten, und die VEF wurde
der AEG übereignet, deren rußländische
Tochtergesellschaft 1899 diese Fabrik
errichtet hatte, während des Erstem
Weltkrieges enteignet worden war. Dort
arbeitete Zapp bis Kriegsende an der
Entwicklung des Elektronenmikroskops.
Nach
dem Kriege gründeten Zapp und Jürgens in
Heuchelheim die „MINOX GmbH“. Die MINOX
wurde durch mehrere Neuerungen
verbessert. Um die Firma finanziell zu
sichern, arbeitete man mit einem
Zigarrenkonzern zusammen. Bald mussten
die Gründer ausscheiden, doch konnte
Zapp als freier Mitarbeiter weitere
Verbesserungen des Fotoapparates
entwickeln und, nachdem sich die
Zigarrenfabrik aus dem Geschäft
zurückgezogen hatte, zusammen mit
Jürgens die Firma erneut übernehmen.
Aber Zapp und Jürgems waren keine
Kaufleute und so zogen sie sich bald aus
der Firmenleitung zurück. Seit etlichen
Jahren wird die MINOX GmbH von einem
Konkursverwalter geleitet, kann aber
weiter produzieren.
Inzwischen wurde die MINOX fast eine
Million mal verkauft. Zapp lebte in der
Schweiz. In der Mitteilung über seinen
Tod stellt die F.A.Z. ihn in eine Reihe
mit den großen Pionieren der Fotografie
Ernst Leitz, Carl Zeise, Oskar Barnack
und Karl Kellner. Estland hat Zapp
dadurch geehrt, daß es die
Patentzeichnung seiner MINOX auf einer
Postmarke abgebildet hat.
Lit.: Fünf Berichte der F.A.Z. aus
den Jahren 1992 bis 2003.
Bild: Z.A.F. 1994, Nr. 153.
Friedrich Blum