Egmont
Zechlin war
der Sohn
eines
Divisionspfarrers
und späteren
Superintendenten.
Er verlebte
seine
Kindheit und
Jugend in
Torgau,
Frankfurt
a.M.,
Magdeburg
und
Biesenthal
bei Berlin,
in Orten,
die
berufliche
Stationen
seines
Vaters
waren. Er
zählte zu
den
Kriegsfreiwilligen
von 1914,
wurde schwer
verwundet
(Verlust des
linken
Unterarms)
und tat 1918
als
Berichterstatter
der
Norddeutschen
Allgemeinen
Zeitung
aus dem
Großen
Hauptquartier
Dienst. Dem
Journalismus
blieb er als
Mitarbeiter
dieses
Blattes, das
im November
1918 in
Deutsche
Allgemeine
Zeitung
umbenannt
worden war,
bis in die
dreißiger
Jahre hinein
treu. Nach
dem Kriege
folgten
historische
Studien bei
Friedrich
Meinecke in
Berlin und
Hermann
Oncken in
Heidelberg,
zwei
führenden
Vertretern
der
damaligen
deutschen
Geschichtswissenschaft.
Die
Dissertation
von 1922
über die
Stellung
Bismarcks
zum
Parlamentarismus
bei der
Gründung des
Norddeutschen
Bundes ist
unveröffentlicht
geblieben.
Als weitere
Arbeiten
folgten
Die
Staatsstreichpläne
Bismarcks
und Wilhelms
II. 1890 -
1994
(1929) sowie
- als
Marburger
Habilitationsschrift
-
Bismarck und
die
Grundlegung
der
deutschen
Großmacht
(1930; 2.,
unveränderte,
um einen
Anhang
vermehrte
Auflage
1960). Das
Werk, das
Fritz
Hartung eine
"gewaltige
wissenschaftliche
Leistung"
nannte,
reicht etwa
bis an den
Vorabend des
Dänischen
Krieges von
1864; es
bietet zum
einen einen
umfassenden
Überblick
über System
und Spiel
der
europäischen
Mächte im
Jahrzehnt
vor Bismarck
sowie eine
Darstellung
von dessen
Grundanschauungen
und zum
anderen eine
Spezialstudie
über die
Bismarcksche
Außenpolitik
im ersten
Jahr nach
seiner
Berufung als
preußischer
Ministerpräsident
(deren
Umstände
Gegenstand
eines
Kapitels
sind).
Nach der
Habilitation
1929 wurde
Zechlin
Privatdozent
in Marburg,
1934
außerordentlicher
Professor
ebendort und
1937 in
Hamburg.
Inzwischen
hatte er
sich nach
einer Reise
nach Amerika
und Ostasien
(1931/32)
der
Kolonial-
und
Überseegeschichte
zugewandt.
Mehrere
Zeitschriftenaufsätze
wie der über
Das
Problem der
vorkolumbischen
Entdeckung
Amerikas und
die
Kolumbusforschung
(Historische
Zeitschrift
152, 1935)
und Die
Ankunft der
Portugiesen
in Indien,
China und
Japan als
Problem der
Universalgeschichte
(Historische
Zeitschrift
157, 1938)
boten erste
Forschungsergebnisse.
Seit 1940
war Zechlin
ordentlicher
Professor an
der
Universität
Berlin.
Zugleich
wurde er
Leiter der
Abteilung
"Überseegeschichte
und
Kolonialpolitik"
des
Deutschen
Auslandswissenschaftlichen
Instituts
und Direktor
des
Reichsinstituts
für
Seegeltungsforschung,
beide in
Berlin. In
Band III der
Neuen
Propyläen-Weltgeschichte:
Das
Zeitalter
der
Entdeckungen,
der
Renaissance
und der
Glaubenskämpfe
(1941)
erschien aus
der Feder
Zechlins die
Überblicksdarstellung
Die
großen
Entdeckungen
und ihre
Vorgeschichte.
Nachdem die
Berliner
Stellung
infolge des
Zusammenbruchs
1945
verloren
war,
veröffentlichte
er:
Maritime
Weltgeschichte:
Altertum und
Mittelalter
(1947), die
sein greiser
Lehrer
Meinecke in
einer
brieflichen
Äußerung (an
L. Dehio)
als "ein
erstaunliches
Buch durch
die Fülle
von Wissen
und neuen
Aspekten"
bezeichnete,
das mit der
"Grundabsicht"
geschrieben
sei, "den
Faktor See
in der
Geschichte
herauszuarbeiten".
Obgleich
Zechlin nach
dem Ende des
NS-Regimes
als
"politisch
belastet"
eingestuft
worden war,
erreichte
ihn bereits
1947 ein Ruf
auf ein
Ordinariat
an der
Universität
Hamburg, das
auf Mittlere
und Neuere
Geschichte
mit
besonderer
Berücksichtigung
der
Überseegeschichte
ausgelegt
war. In
diesem Amte,
das er bis
zu seiner
Emeritierung
innehatte,
war er
wesentlich
am
Wiederaufbau
des
Hamburger
Historischen
Seminars und
der dortigen
geschichtswissenschaftlichen
Lehre
beteiligt.
1950
gründete er
am selben
Orte mit
anderen das
Hans-Bredow-Institut
für Rundfunk
und
Fernsehen,
das er bis
1967
leitete.
In den
sechziger
Jahren trat
Zechlin in
den
Gesichtskreis
eines
breiteren
Publikums,
als er in
jenen Streit
eingriff,
den sein
Hamburger
Kollege
Fritz
Fischer mit
seinem Werk
Griff
nach der
Weltmacht
(1961;
31964)
zum Ausbruch
des Ersten
Weltkrieges
und zur
deutschen
Kriegszielpolitik
ausgelöst
hatte.
Zechlin, der
diesem
Fragenkomplex
durch eine
Gutachtertätigkeit
im
Gerichtsverfahren
um die
angebliche
Zarentochter
Anastasia
nähergetreten
war
(Gutachten
vom Herbst
1965), nahm
eine
mittlere
Position ein
zwischen
Fischers
Behauptung,
die deutsche
Reichsleitung
habe den
"großen
Krieg
gewollt,
dementsprechend
vorbereitet
und
herbeigeführt",
und dem
Standpunkt
des
Freiburger
Historikers
Gerhard
Ritter
(Staatskunst
und
Kriegshandwerk),
Bd. 2, 1965,
31973),
der eine
amtliche
deutsche
Expansionspolitik
als
Beweggrund
zum Kriege
entschieden
in Abrede
stellte.
Zechlin
betonte in
einer Reihe
von
Aufsätzen
(Krieg und
Kriegsrisiko.
Zur
deutschen
Politik im
Ersten
Weltkrieg,
1979), daß
Deutschland
den Krieg
nicht
geplant,
wohl aber
(wie
andererseits
auch
England und
Frankreich
aus ihrer
Interessenlage
heraus) das
Kriegsrisiko
eingegangen
sei, um die
Demütigung
und
Schwächung
seines
Verbündeten
Österreich-Ungarn
zu
verhindern
und damit
einer
Bedrohung
Mitteleuropas
durch den
Panslawismus
zu begegnen.
Zechlin, der
1941 die
Medizinstudentin
und spätere
Ärztin
Anneliese
Schell
geheiratet
hatte, Vater
und
Großvater
wurde, starb
fast
96jährig auf
seinem
Alterssitz
in der
Holsteinischen
Schweiz. Er
hat es als
"Anliegen
der
Wissenschaft"
angesehen,
"auch in der
öffentlichen
Meinung eine
vertiefte
und
differenzierte
Erkenntnis"
der
gewichtigen
Gegenstände
der
nationalen
Geschichte
"durchzusetzen",
wie er
einmal in
Bezug auf
Bismarck
schrieb.
"Ohne den
nationalen
Machtstaat
zu
dogmatisieren
oder die
Entwicklungstendenz
zu einer
übernationalen
Ordnung zu
verkennen",
bleibe es
die Aufgabe
des
Historikers,
die
Staatsmänner
und ihre
Politik
"unter den
Bedingungen
und mit den
Möglichkeiten"
ihrer Zeit
zu
erforschen
sowie aus
ihrer
Gedankenwelt
und den
politisch-sozialen
Auseinandersetzungen,
in denen sie
standen,
"verständlich"
zu machen.
Weitere
Werke:
Die deutsche
Politik und
die Juden im
Ersten
Weltkrieg,
Göttingen
1969. -
Die deutsche
Einheitsbewegung,
und: Die
Reichsgründung
(Deutsche
Geschichte.
Ereignisse
und
Probleme,
hrsg. von W.
Hubatsch), 2
Bde.,
Frankfurt
a.M./Berlin
1967 u.ö.
-
Erlebtes und
Erforschtes.
1896-1919,
hrsg. v.
Anneliese
Zechlin,
Göttingen/Zürich
1993.
Lit.:
Günter
Moltmann:
Der
Historiker
Egmont
Zechlin. Zum
80.
Geburtstag,
in:
Frankfurter
Allgemeine
Zeitung vom
29.6.1976. -
Günther
Gillessen:
Sturmfest.
Zum Tode von
Egmont
Zechlin, in:
Frankfurter
Allgemeine
Zeitung vom
26.6.1992. -
Günter
Moltmann:
Egmont
Zechlin.
1896-1992,
in:
Historische
Zeitschrift
256 (1993),
S. 831-834.
Bild:
privat (um
1960).
Peter Mast