Den
herausragenden
Beitrag
Österreichisch-Schlesiens
zur
deutschen
Literatur
des 19.
Jahrhunderts
leistete
Joseph
Christian
Freiherr von
Zedlitz,
1790 auf
Schloß
Johannisberg
bei Jauernig
geborener
Sproß jenes
alten
schlesischen
Adelsgeschlechtes,
das seit dem
14.
Jahrhundert
schwerpunktmäßig
im Bereich
der
Fürstentümer
Schweidnitz
und Jauer
ansässig
war. Der
Dichter
entstammte
der Linie
Zedlitz-Nimmersatt
(nach der
gleichnamigen
Burg bei
Bolkenhain),
deren
Angehörige
seit Beginn
des 18.
Jahrhunderts
in
kaiserlichen
Diensten
nachgewiesen
werden
können; sein
früh
verstorbener
Vater
brachte es
zum
Landeshauptmann
des 1742
österreichisch
gebliebenen
Fürstentums
Neisse.
Zedlitz
verbrachte
seine
Kindheit in
Jauernig,
besuchte
dann (z.T.
gemeinsam
mit Josef
von
Eichendorff)
das
Breslauer
Matthias-Gymnasium,
wo seine
schon früh
erkennbaren
musischen
und
literarischen
Neigungen
nachhaltig
gefördert
wurden. Die
Erziehung in
der
schlesischen
Metropole
hat er stets
in dankbarer
Erinnerung
gehalten.
Plänen
seiner
Mutter, ihn
auf ein
theologisches
Studium und
Übernahme
einer
Breslauer
Domherrenpfründe
festzulegen,
widersetzte
er sich,
trat
vielmehr
1806 als
Kornett in
ein
österreichisches
Husarenregiment
ein und nahm
nach rascher
militärischer
Karriere an
den
Schlachten
von Aspern
und Wagram
teil. Der
Wiener
Staatsbankrott
des Jahres
1810 zwang
ihn zur
Rückkehr ins
Zivilleben;
die Stellung
eines
Forstinspektors
in Jauernig
sicherte ihm
in den
folgenden
Jahren den
Lebensunterhalt,
da die Ehe
mit der
ungarischen
Baronesse
Ernestine
von Lipthay
zunächst
kein
Vermögen
einbrachte.
In diesen
schlesischen
Jahren
entstanden
erste
literarische
Arbeiten,
u.a. seine
einzige auf
Schlesien
bezogene
Dichtung,
die
anspruchslose
Ballade „Das
Wappenschild
der
Schafgotsche“,
die im Stile
trivialer
Ritterromantik
die
angebliche
Verleihung
des Wappens
durch
Friedrich
Barbarossa
abhandelt.
1817
übersiedelte
Zedlitz nach
Wien, um von
hier aus die
ungarischen
Güter seiner
Frau zu
verwalten
und sich
nun, bar
materieller
Sorgen,
seinen
literarischen
Interessen
zu widmen.
Binnen
kurzem
avancierte
er zum
begehrten
Mitarbeiter
des von
Joseph
Schreyvogel
herausgegebenen
literarischen
Taschenbuches
„Aglaja“,
während
seinen seit
1819 im
Wiener
Burgtheater
aufgeführten
Dramen
zumeist kein
anhaltender
Erfolg
beschieden
war. Stücke
wie „Turturell“,
„Zwei Nächte
in
Valladolid“,
„Der Stern
von Sevilla“
oder das
Lustspiel
„Liebe
findet ihre
Wege“
blieben
allzusehr
ihren
spanischen
Vorbildern
verhaftet
und
vermochten
die
ausgetretenen
Pfade der
zeitgenössischen
Schicksalsdramatik
nicht zu
verlassen.
Weitaus
höheres
Niveau
erreichte
Zedlitz als
politischer
Dichter: Die
1828
zunächst in
der „Aglaja“,
dann als
Einzeldruck
bei
Wallishauser
erschienene
Kanzonensammlung
„Totenkränze“,
die das
Streben nach
Größe als
höchstes
Glück des
Menschen
pries und
dabei
deutlich den
Wunsch nach
Reformen des
politischen
Systems
erkennen
ließ, machte
ihn als
Lyriker und
Vertreter
eines
gemäßigten
Liberalismus
rasch über
die Grenzen
des
Habsburgerreiches
hinaus
bekannt.
Seine 1828
erstmals
veröffentlichte
Ballade „Die
nächtliche
Heerschau“
fand Eingang
in fast alle
europäischen
Sprachen und
zählt bis
heute –
nicht
zuletzt
aufgrund der
Vertonung
durch Carl
Loewe – zum
festen
Bestandteil
des
deutschen
Balladengutes.
In
deutlicher
Abgrenzung
gegenüber
den
revolutionären
Strömungen
engagierte
sich Zedlitz
für
politische
und soziale
Reformen
innerhalb
des
bestehenden
Systems und
rechnete
insbesondere
in der
Myrologensammlung
„Das Kreuz
in Hellas“
mit der
Herrschaftspraxis
des Systems
Metternich
scharf ab.
Unter diesen
Umständen
mußte es den
Zeitgenossen
unverständlich
bleiben, daß
Zedlitz nach
dem Tode
seiner Frau
und damit
Verlust der
ungarischen
Güter, 1838
in den
Dienst der
Wiener
Staatskanzlei
trat und als
Korrespondent
der von
Cotta
verlegten
Augsburger
Allgemeinen
Zeitung die
Politik
Metternichs
publizistisch
unterstützte.
Die
Verachtung
seiner
bisherigen
Weggefährten
für den
politischen
Verräter
übertrug
sich auch
auf neue
literarische
Arbeiten wie
das Versepos
„Waldfräulein“
(1843) oder
die
„Altnordischen
Bilder“
(1849/59).
Der
Revolution
von 1848
erteilte
Zedlitz eine
entschiedene
Absage und
zog sich
nach Ischl,
Aussee sowie
Linz zuck;
in zwei
Heften des
„Soldatenbüchleins“
glorifizierte
er 1848 die
Erfolge der
österreichischen
Armee in
Oberitalien
und Ungarn,
da seiner
Meinung nach
nur das Heer
den Fall der
Monarchie
ins
politische
Chaos
verhindern
konnte. Die
bis 1918
wiederholt
auflegte
Sammlung von
Kampf- und
Heldenliedern
erwies sich
zwar als
Verkaufsschlager,
brachte
jedoch den
Lyriker
Zedlitz
endgültig in
Verruf.
1851 konnte
er zwar
seine
publizistische
Tätigkeit in
Wien wieder
nehmen und
schon bald
die
österreichische
Politik im
Krimkrieg
dokumentieren,
der Dichter
Zedlitz
verstummte
jedoch und
zog sich
angesichts
gesundheitlicher
Blessuren
immer öfter
ins
Salzkammergut
zurück. Am
16. März
1862
verstarb er
in Wien und
wurde in
einem
Ehrengrab
auf dem
alten
Matzleinsdorfer
Friedhof
beigesetzt.
Seine
Heimatstadt
Jauernig
errichtete
ihm 1891 ein
Denkmal, das
leider den
Zerstörungen
des Jahres
1945 zum
Opfer fiel.
Fragt man
nach der
Wirkung des
Dichters
Zedlitz, so
gilt es, das
bis heute
kritiklos
tradierte
Verdikt
liberaler
Zeitgenossen
zu
überwinden
und zu
erkennen,
daß Zedlitz
gemeinsam
mit
Anastasius
Grün,
Bauernfeld,
Seidl und
Castelli
wesentlich
zur
Ausbildung
einer
politisch
engagagierten
Dichtung in
Österreich
beigetragen
hat.
Werke:
Gesammelte
Werke in
drei Bänden.
Stuttgart:
Cotta
1859/60
Lit.: C. D.
Frhr. v.
Zedlitz-Neukirch:
Joseph
Christian
Freiherr von
Zedlitz.
Leben und
Schaffen
eines
Schulkameraden
Eichendorffs.
In: Aurora
29 (1969),
S. 70-91 mit
Bibliographie).
Eine den
Nachlaß
Zedlitz
auswertende
Biographie
von Werner
Bein
erschien1990
in der Reihe
,Silesia‘
der Stifung
Kulturwerk
Schlesien.
Werner Bein