Robert Graf
von
Zedlitz-Trützschler
(der Ältere)
gehörte zu
den
tatkräftigen
und zugleich
charaktervollen
wie
vorausschauenden
hohen
Beamten des
Kaiserreiches.
So
verwundert
es nicht,
daß sein
Name
wiederholt
auch als der
eines
künftigen
Reichskanzlers
genannt
wurde.
Freilich war
Zedlitz
Kaiser
Wilhelm II.
zu unbequem
und nach dem
Sturz Bülows
(1909)
bereits zu
alt.
Aufmerksamkeit
in weiteren
Kreisen
hatte er als
preußischer
Kultusminister
(seit März
1891)
erregt, als
eine von ihm
in das
Abgeordnetenhaus
eingebrachte
Volksschulvorlage
in der
Öffentlichkeit
mit dem
Vorwurf der
Klerikalität
bekämpft
wurde, der
Kaiser
daraufhin
eine
Revision des
Gesetzentwurfs
im liberalen
Sinne
forderte und
Zedlitz das
mit einem
Rücktrittsgesuch
beantwortete.
So schied er
nach einem
vergeblichen
Versuch
Wilhelms
II., ihn zum
Bleiben zu
bewegen,
bereits ein
Jahr nach
seiner
Berufung aus
dem
Ministeramt
wieder aus
(März 1892).
Zunächst
hatte
Zedlitz, dem
der
evangelische
Glaube die
bewegende
Kraft seines
Lebens,
Unverständnis
oder gar
Unduldsamkeit
gegenüber
anderen
Konfessionen
aber fremd
war, gar
nicht in die
Geschäfte
des Staates
oder die
Kämpfe der
Politik
gedrängt.
Nach
fünfjährigem
Heeresdienst
war er 1863
Landwirt in
Schlesien
geworden. Er
bewirtschaftete
das von
seinem Vater
für ihn
erworbene
Gut Großenborau,
Kreis
Freystadt,
Regierungsbezirk
Liegnitz. So
wurde er,
der sich
auch sonst
eine breite,
namentlich
philosophische
Bildung
erworben
hatte, 1879
Vorsitzender
des
Provinzialausschusses
von
Schlesien.
Der Blick
des Fürsten
Bismarck
fiel auf
ihn, so daß
man ihn bald
für den
preußischen
Staatsdienst
zu gewinnen
suchte. Da
er als
Beamter sein
Gut zu
vernachlässigen
fürchtete,
sträubte er
sich lange,
nahm aber
1881 doch
eine
Berufung zum
Regierungspräsidenten
von Oppeln
an. 1884
wurde er
Referent im
wiedereinberufenen
Staatsrat
und 1886
Oberpräsident
der Provinz
Posen sowie
Vorsitzender
der
Ansiedlungskommission
für
Westpreußen
und Posen
(bis 1891).
Hier oblag
ihm der
Vollzug des
gegen das
Polentum in
Preußen
gerichteten
Ansiedlungsgesetzes,
das das
preußische
Abgeordnetenhaus
am 26. April
1886 ohne
die in der
Vorlage
vorgesehene
verfassungswidrige
staatliche
Enteignungsbefugnis
verabschiedet
hatte. Unter
der Leitung
des Grafen
Zedlitz
erwarb die
Kommission
rund 58000
Hektar Land,
davon 53000
Hektar aus
polnischer
und 5000
Hektar aus
deutscher
Hand, um
darauf
deutsche
Bauern
anzusiedeln.
Begleitet
wurde die
Tätigkeit
des
Oberpräsidenten
vom Studium
der
bäuerlichen
und der
kommunalen
Verhältnisse
in anderen
Gegenden
Deutschlands,
etwa in
Württemberg.
Den Höhepunkt
seiner
dienstlichen
Laufbahn
erreichte
Zedlitz mit
dem Amt des
Oberpräsidenten
seiner
Heimatprovinz
Schlesien,
das er 1903
antrat,
nachdem er
seit 1898 in
gleicher
Eigenschaft
in Wiesbaden
der Provinz
Hessen-Nassau
vorgestanden
hatte. Nach
dem
Rücktritt
als
Kultusminister
war er für
einige Jahre
nach
Großenborau
zurückgekehrt.
Als
Oberpräsident
von
Schlesien
bemühte er
sich um die
Linderung
der in den
Gebirgsgegenden
des Landes
herrschenden
Not, gewann
ein
vertrauensvolles
Verhältnis
zur
katholischen
Kirche,
förderte das
Kulturleben
des Landes,
besonders
die
Friedrich-Wilhelms-Universität
zu Breslau,
und stützte
das in die
Defensive
geratene
deutsche
Volkstum in
Oberschlesien.
Welch ein
Maß an
Popularität
er in der
Provinz
gewinnen
konnte,
bewiesen die
Feierlichkeiten
zu seinem
siebzigsten
Geburtstag
am 8.
Dezember
1907. Im
Jahre 1909
schied er
aus dem
Dienst.
Angesichts
des Beginns
des Ersten
Weltkrieges,
den er noch
wachen Sinns
erlebte,
soll er mit
Sorge in die
Zukunft
Preußens und
des Reiches
gesehen
haben.
Lit.: Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode:
„Die
unentschiedene
Generation.
Deutschlands
konservative
Führungsschichten
am Vorabend
des Ersten
Weltkrieges“,
München
und Wien
1968; Peter
Mast:
„Künstlerische
und
wissenschaftliche
Freiheit im
Deutschen
Reich.
1890-1901“
(=
Historische
Forschungen
Nr. 17),
Rheinfelden
21986.
Peter Mast