Die Anfänge
Kurt
Zierolds
reichen nach
freiwilligem
Kriegsdienst,
rechtswissenschaftlichem
Studium in
München,
Berlin und
Greifswald
noch ins
legendäre
preußische
Kultusministerium
unter Carl
Heinrich
Becker
zurück. Hier
in Berlin
fing er 1925
als
Hilfsreferent
an, lernte
im Koblenzer
Provinzialschulkollegium
die Probleme
“vor Ort”
kennen,
wirkte beim
Aufbau der
neuen, von
Becker unter
Einfluß
Eduard
Sprangers
konzipierten
Pädagogischen
Akademien
mit,
arbeitete
später bei
Adolf
Grimme, dem
Nachfolger
Beckers in
der
Kunstabteilung
des
Kultusministeriums,
dirigierte
den Aufbau
der
preußischen
Dichterakademie
und die
Gründung der
Kammer für
Filmbewertung.
Nach dem
Krieg holte
ihn wieder
sein alter
Chef Grimme,
damit er ihm
beim Aufbau
des
Kultusministeriums
in
Niedersachsen
helfe.
Zierold
wandte sich
nun stärker
der
darniederliegenden
Forschung
und ihrer
Förderung
zu. In
seiner 1968
vorgelegten
umfangreichen
Monographie
Forschungsförderung
in drei
Epochen
zitiert er
aus dem
Protokoll
des
Erziehungsrates
der
britischen
Zone vom 17.
März 1947 in
Braunschweig
den
lakonischen
Satz:
“Notgemeinschaft
der
Deutschen
Wissenschaft.
Dr. Zierold
berichtet
über den
Stand der
Vorarbeiten”.
Ab ovo war
der
erfahrene
Wissenschaftsadministrator
dabei, eine
neue
Notgemeinschaft
als
Selbstverwaltungsorganisation
der
Wissenschaft
zu schaffen,
was nach
mancherlei
Schwierigkeiten
noch vor der
Konstituierung
des
Bundestages
im Januar
1949 gelang.
Kurt Zierold
wurde zum
geschäftsführenden
Vizepräsidenten
gewählt. Der
Aufbau der
Geschäftsstelle
begann am 1.
März in Bad
Godesberg.
Es ist
reizvoll,
die
damaligen
Mitstreiter
aus Zierolds
Generation
im Geiste
Revue
passieren zu
lassen,
befinden
sich doch
darunter so
profilierte
Köpfe aus
den
Hochschulen
wie
Hallstein
(Frankfurt),
Lehnartz
(Münster),
Raiser
(Göttingen,
später
Tübingen),
Geiler
(Heidelberg),
Gerlach
(München),
von den
Kultusministern
Frau Teusch
(Nordrhein-Westfalen)
und Senator
Landahl
(Hamburg),
aus der
Administration
vor allem
Fehling
(Kiel) und
Rupp
(Stuttgart).
Nach der
nicht
einfachen
Fusion von
Notgemeinschaft
und
Forschungsrat
zur heutigen
Deutschen
Forschungsgemeinschaft
(DFG)
amtierte
Zierold bis
1964 als
deren
Generalsekretär.
Unter seiner
Ägide wurde
das neue
Haus am
Frankengraben
(heute
Kennedyallee)
gebaut. Die
Forschungsgemeinschaft
wuchs
und gedieh.
In der
genannten
Monographie
über
Geschichte
und
Arbeitsweise
der
Forschungsgemeinschaft
hat Zierold
auf über 600
Seiten in
der ihm
eigenen,
nüchternen
Art die
Entwicklung
aktengetreu
nachgezeichnet.
Man spürt:
Aus dem im
Staatsdienst
vortrefflich
Geschulten
wurde ein
Diener und
Verteidiger
der
Selbstverwaltung
der
Wissenschaft.
Zierold
griff auch
deshalb
immer wieder
zur Feder,
um in der
Reflexion
Abstand von
der
intensiven
Aufbauarbeit
zu gewinnen.
In diesem
Zusammenhang
ist vor
allem seine
Schrift
Hochschulprobleme
von heute
zu nennen,
die er schon
1948
vorlegte. Es
handelt sich
um einen
frühen
Versuch,
nach der
Katastrophe
von 1945,
die auch
unsere
Universitäten
tief traf,
die Sphäre
von Staat
und
Hochschule
abzugrenzen:
“Der
Forderung
der Stunde
ist nicht
mit extremen
Lösungsversuchen
gedient,
hier
absolute
Autonomie
der
Hochschulen,
hier
staatliche
Omnipotenz,
sondern
nötig ist
ein
behutsames
und
vertrauensvolles
Miteinander”.
Zu Zierolds
85.
Geburtstag
1984 legte
die DFG zur
großen
Freude des
Jubilars als
nobles
Geschenk
einen
Nachdruck
des heute
immer noch
anregenden
Bändchens
vor.
Seine
Aufsätze
Selbstverwaltungsorganisationen
der
Wissenschaft
in der
Bundesrepublik
Deutschland
und Wie
soll man
Wissenschaft
verwalten?
wurden oft
zitiert.
Zierold hat
in diesen
und anderen
Arbeiten
viel zur
Untermauerung
des
Selbstverwaltungsgedankens
im
Wissenschaftsbereich
beigetragen.
Eine tiefere
Dimension
des
vielschichtigen
Mannes
erschließen
Privatdrucke,
oft nur
einem
engeren
Kreis
bekannt,
darunter so
anspruchsvolle
Titel wie
Vom
Preußentum,
Was heißt
Bildung
und
Meditationen
Vom
Glauben.
Hinter dem
erfahrenen
Verwaltungsmann
und
“altpreußisch”
geprägten
Juristen
verbarg sich
der
feinsinnige
Liebhaber
von
Gedichten,
Sammler von
“Bedenkenswerten
Worten”, die
er als
“Leitlinien
eines
Lebens”
Freunden,
manchmal
auch
Kollegen zum
Geschenk
machte. Der
immer
anregende
Gesprächspartner
pflegte
Kontakte zu
Schriftstellern
wie Benn und
Haushofer.
Die Wurzeln
der Kraft
Zierolds
lagen wohl
noch viel
tiefer. In
der
genannten
frühen
Schrift von
1948 kann
man lesen:
“Das
Eigentliche,
was
geschehen
muß, um
Mißtrauen zu
beseitigen,
liegt im
Religiös-Metaphysischen,
in einer
Verwandlung
des
Menschlichen
aller
führenden
Geister, in
solcher
Verwandlung,
die ein
Leben aus
Vertrauen
statt aus
mißtrauischer
Angst
ermöglicht”.
Bild:
Paul
Swiridoff,
Schwäbisch
Hall.
Franz
Letzelter