Die Werke
der modernen
Kunst, in
denen sich
landschaftliche
Einflüsse
und
stammesmäßige
Eigenschaften
niederschlagen,
werden
immer rarer.
Doch es gibt
sie noch
hier und da.
Zu diesen
Seltenheiten
gehört
das Œuvre
des Pommern
Mac
Zimmermann.
Seine
Gemälde,
Zeichnungen
und Grafiken
tragen die
Züge des
Surrealismus;
doch die
romantische
Variante des
Stils
schlägt
einen Bogen
zu seinen
großen
Kollegen
Caspar David
Friedrich
(geb. 1774
im damals zu
Schweden
gehörenden
Greifswald)
und Philipp
Otto Runge
aus Wolgast
(geb. 1777).
Mac
Zimmermann
verbrachte
seine
Kindheit und
Jugend in
seiner
pommerschen
Heimat, und
diese lebt,
obwohl er
sie vor
etlichen
Jahrzehnten
verlassen
hat, noch in
manchem
seiner Gemälde.
1975
entstand
sein Bild
„Pommerland
ist
abgebrannt“:
im
Vordergrund
eine gebeugt
sitzende
Gestalt, die
sich gegen
eine weite,
in sanften
Farben
gehaltene
Landschaft
abhebt. Auch
in anderen
Werken
begegnet man
jenen
gesichtslosen
Figuren,
dunklen
Silhouetten,
vor weite
Horizonte
gestellt,
als sollten
sie die
Blicke des
Betrachters
in die Tiefe
des Bildes
lenken.
Romantische
Sehnsucht.
Mancher
Werktitel
weist in
diese
Richtung:
„Traumbild“,
„Norddeutsche
Melancholie“,
„Menschen am
Meer“. Hier
bietet sich
nicht nur
die Brücke
zum 18.
Jahrhundert
an, sondern
auch zu
seinem
Landsmann,
dem er sein
Gemälde
„Hommage à
C.D.F.“
gewidmet
hat. Er
scheint ihm
verwandter
zu sein als
seine
Kollegen des
20.
Jahrhunderts,
die
phantastischen
Realisten
Dali, de
Chirico,
Tanguy,
Delvaux,
Magritte,
Max Ernst,
Ernst Fuchs
u. a., die
sich in der
internationalen
Kunstszene
unseres
Jahrhunderts
ebenfalls
einen Namen
gemacht
haben.
So
traditionsgebunden
Zimmermanns
Stil und so
konservativ
seine künstlerische
Entwicklung
sind, so
bewegter ist
seine
Biografie.
In seiner
Geburtsstadt
Stettin
besuchte er
die
Werkkunstschule
(für
Angewandte
Kunst),
übersiedelte
er 1934 nach
Hamburg (als
Bühnenbildner,
Pressezeichner
und Lehrer
an einer
privaten
Zeichenschule),
von dort
1938 in die
Reichshauptstadt
Berlin.
1947, als
man trotz
der
Aufteilung
Deutschlands
in
Besatzungszonen
voller
Optimismus
ans Werk
ging und
mancher noch
an eine
einheitliche
deutsche
Kunstszene
glaubte,
nahm
Zimmermann
den Ruf an
die
Staatliche
Hochschule
für Baukunst
und Bildende
Künste
Weimar an.
Doch schon
1949 setzte
er sich in
den Westen
ab, zunächst
nach Murnau,
später nach
München.
Nachdem er
auf der
Biennale in
Venedig
(1948)
vertreten
war, erhielt
er 1950 den
Kunstpreis
der Stadt
Berlin, war
1954
wiederum in
Venedig und
wurde 1956
mit dem
Preis der
Grafik-Biennale
Lugano
geehrt. Ab
1958
Professor
an der
Hochschule für
Bildende
Künste in
West-Berlin,
hält er es
auch hier
nicht allzu
lange aus
und wird
1963
ordentlicher
Professor an
der
Münchener
Kunstakademie.
Inzwischen
emeritiert,
lebt Prof.
Zimmermann
abwechselnd
in seinem
Bauernhaus
in
Oberbayern
und auf
Formentera,
sofern er
sich nicht
mit seiner
Gattin auf
Weltreisen
befindet.
1981 wird
ihm der
Lovis-Corinth-Preis
der
Künstlergilde
verliehen.
Im
Mittelpunkt
seines
malerischen
und
zeichnerischen
Werkes steht
der Mensch –
in der
Landschaft
und im
Innenraum.
Mit der
Technik hat
sich der
Maler lange
auseinandergesetzt
(„Halle der
Mathematik“,
„Antennenwald“,
„In
Erwartung
des
Flugzeuges“,
„Prozession
mit
Vogelmenschen“),
doch
entstanden
diese Bilder
ganz im
Sinne des
Surrealismus.
Auch die
griechische
Mythologie
und Ägypten
(wo er
wiederholt
im Sommer
einige
Monate
verbrachte)
sind ihm
nicht fremd.
In seinen
Werken
treten
Daphne und
Apoll,
Jupiter und
Merkur,
Orpheus,
Argos,
Deukalion,
Sirenen auf.
Reich sind
seine
Druckgrafiken
und
Mappenwerke,
die sich
stilistisch
in sein
malerisches
Œuvre einfügen.
Zu seinem
Alterswerk
gehören
seine
„gestalteten
Briefumschläge“.
Es handelt
sich um
Briefe, die
Zimmermann
aus aller
Welt
erhalten hat
und die er
nun mit
Pastell- und
Bleistiften
und
Kugelschreiber,
zeichnend
und malend,
verändert,
so daß
Anschrift
und
Absender,
Briefmarken
und
Poststempel,
ins neue
Bild
integriert,
unkenntlich
werden.
Skurrile
Kompositionen,
die wie von
selbst
entstanden
zu sein
scheinen,
als habe
sich der
Künstler
jener „ecriture
automatique“
besonnen,
die einst
von den
klassischen
Surrealisten
erfunden
wurde.
Lit.: „M. Z.“, Katalog der Galerie
Gerd Rosen,
Berlin,
1946; „M. Z.
– ein
Skizzenbuch“,
Text von
Bernhard
Degenhart,
Verlag R.
Pieper,
München,
1955;
„Träume“,
Bärmeier &
Nickel,
Frankfurt
a.M., 1960;
Litho-Mappe
„Die
Tageszeiten“,
Hildesheimer
Verlag,
1968;
Patrick
Waldberg „M.
Z. –
Graphik-Oeuvre“,
Moos-Verlag,
München,
1971; „M. Z.
Zeichnungen
1973 bis
1976“,
Christoph
Dürr Verlag,
München,
1976; „M. Z.
Oeuvre
1931-1982“,
Texte von
Gottfried
Knapp und
Peter H.
Petersen,
Christoph
Dürr,
München,
1983.
Günther Ott
(1987)