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Der Künstler absolvierte ein Studium an der Werkkunstschule für
angewandte Kunst in seiner Heimatstadt Stettin (1930 bis 1933), war in
den folgenden Jahren in Hamburg als Pressezeichner, Bühnenbildner und
Lehrer an einer privaten Zeichenschule tätig und trat ab 1938 in Berlin
mit ersten phantastischen Bildern und Zeichnungen hervor, bestritt dort
auch die erste Einzelausstellung (bei Gerd Rosen 1946). 1947 wurde er
(zusammen mit dem Kollegen Trökes) an die Landeskunstschule in Weimar
berufen. Im selben Jahr gründete er mit anderen prominenten Künstlern
wie Carl Hofer und Karl Schmidt-Rottluff den Deutschen Künstlerbund, in
dem er lange Jahre hindurch eine führende Rolle spielte. 1949 zog
Zimmermann nach Murnau und dann nach München und übernahm 1958 eine
Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin; von 1963 bis
1981 bekleidete er eine solche an der Akademie der bildenden Künste in
München. Sein Atelier befindet sich weiterhin in München, sein
Hauptwohnsitz aber in Hart bei Wasserburg am Inn. Im Sommer hält er sich
zumeist auf der spanischen Insel Formentera auf.
Mac Zimmermann war 1948 erstmals auf der Biennale di Venezia, dann 1954
im Deutschen Pavillon im Rahmen der Sonderschau „Surrealismus“ und,
abgesehen von zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in
Deutschland, unter anderem auf der documenta II in Kassel (1959) und der
internationalen Surrealismus-Ausstellung 1962 in Wien, dann 1965 bei
Charpentier in Paris vertreten.
Der Künstler erhielt 1950 den Kunstpreis der Stadt Berlin, 1956 einen
Preis der Graphik-Biennale in Lugano, 1981 den Hauptpreis des
Lovis-Corinth-Preises der Künstlergilde. 1972 wurde er ordentliches
Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Mit dem
Lovis-Corinth-Preis wurde ein Künstler ausgezeichnet, der nicht nur eine
ganz eigene Richtung des Surrealismus entwickelt hat, sondern auch in
den Jahrzehnten seiner Lehrtätigkeit in Berlin und München schulebildend
war. Eine beachtliche Zahl von bedeutenden Malern und Grafikern der
jüngeren Generation verdankt Zimmermann Entscheidendes, mag der einzelne
auch mehr oder weniger eigene Wege gegangen sein.
Der Maler, der Zeichner, der Grafiker Mac Zimmermann hat stets sehr
unmittelbar und beteiligt die erlebte Zeit reflektiert, doch nie auf
vordergründige Weise. Die Welt seiner künstlerischen Sprache, auf großen
Traditionen aufbauend, ist so über viele Stilwandlungen und Moden der
Zeit hinweg zeitlos und eben darum zeitgültig geblieben.
Mit der poetischen und ethischen Qualität korrespondiert bei Mac
Zimmermann die ästhetische, die malerische und graphische,
gekennzeichnet von einer fast traumwandlerischen Beherrschung des
Handwerks in allen Schattierungen. Zimmermanns Bildwelt ist von
verschiedenen Traditionen und Elementen bestimmt, die er zu einer,
seiner individuellen Einheit zusammenfaßt. Da sind, auch im Grade des
Abstrahierens und der Anverwandlung, vielfältige Metamorphosen eines
Lebenswerkes festzustellen, in dem die Metamorphose an sich ein
Hauptthema ist. Zu den poetischen Anregungen der Antike kommen die
stilistischen aus der Epoche des Manierismus und – hervorgegangen aus
der norddeutschen Herkunft des Künstlers – aus der Sphäre Caspar David
Friedrichs, mit verschlüsselten, verfremdeten Zitaten oder deutlich
ausgesprochenen Huldigungen. Der Surrealist Zimmermann darf, soweit
solche Eingrenzungen und Bezeichnungen überhaupt zulässig sind und
ausreichen, auch als Romantiker gewürdigt werden.
Mac Zimmermann, dem die Großstadt – Berlin und München vor allem –
keineswegs fremd ist, bleibt ein Künstler, der die Nähe der Elemente,
die Stille und die Weite der Landschaft sucht. Das spricht auch immer
wieder aus seinen Arbeiten, in denen er so etwas wie eine Mythologie für
unsere Zeit, eine Naturmythologie, geschaffen hat.
In jüngster Zeit kommen neue Motive und Facetten hinzu, angeregt durch
ausgedehnte Reisen nach Indien und Nepal, verarbeitet in der geruhsamen
Welt von Hart am Waldrand in einer zur Meditation reizenden Landschaft
oder während der Aufenthalte zwischen den Akademiesemestern auf
Formentera. Eines der schönsten, sehr melanchonischen Bilder trägt,
zugleich als ein Heimatbekenntnis, den Titel Pommerland ist
abgebrannt“ (1975), ein anderes „Kleine Hommage à C.D.F.
(1975), und Caspar David Friedrichs Bilderwelt kommt in bezugreichen
Zitaten immer wieder in Gemälden Zimmermanns, aber auch in seinem
zeichnerischen und graphischen Werk vor, so vornehmlich die Segelschiffe
aus dem Greifswalder Hafen.
Der Künstler bekannte einmal: „Die Künstler haben Gesichte, sie sind
Seismographen seelischer Erdbeben, sie wollen Einkehr in sich selbst –
ein seelisches Erlebnis, in dem das Geheimnis dominiert – voll von
Auslassungen, vom Verstand kontrollierter Zufälligkeiten, Andeutungen,
Sinn dafür, Seltsames heraufzubeschwören – Neigung für
voraussetzungsloses Tun – Freilegung von Verstecktem, Verschüttetem und
landschaftlich-vegetativer Erinnerungen. Manchmal ist es eine Fahrt in
den Ozean der Idee, ohne zu wissen, was man finden will, und ohne
Ahnung, in welchem Hafen man nach dieser Odyssee landen wird. Oder man
kennt von Anfang an genau seine Reiseroute und verliert das vorgefaßte
Ziel nicht aus dem Auge. Nach heidnischer Weltanschauung: Im
Unvorhergesehenen führen uns die Götter, im Vorbedachten sind wir sie
selber.“
Bibliographie:
Ein Skizzenbuch. Text Bernhard Degenhart. Piper Verlag, München 1955. –
Träume. Verlag Bärmeier und Nikel, Frankfurt am Main 1960. – Mappe von
Farblithos „Die Tageszeiten“, Verlag Schrift und Bild, Hildesheim 1968.
– Mappe „Phantastische Kunst“, M. Zimmermann und Schüler.
Rembrandt-Verlag, Berlin 1968. – „Zu den Metamorphosen des Ovid“, Mappe
mit Farbradierungen, Rembrandt-Verlag, Berlin 1970. – Mac Zimmermann:
Grafik – Oeuvre, Text von Patrick Waldberg, Heinz Moos Verlag, München
1971. – Zeichnungen 1973-1976, Galerie Christoph Dürr, München 1976. –
Katalog Mac Zimmermann, Gemälde, Zeichnungen, Graphik. – Ausstellung der
Künstlergilde, 1976, Esslingen/N., desgleichen in der Ostdeutschen
Galerie Regensburg und im Kunstverein Konstanz. Mac Zimmermann. Texte
Gottfried Knapp, Peter H. Petersen. Oeuvre (Bilder und Zeichnungen),
Verlag Christoph Dürr, München 1983.
Bild: Die Künstlergilde e.V., Esslingen
Ernst Schremmer
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