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Der Kunsthistoriker Kurt Baron Zoege von Manteuffel wurde in Reval geboren. Sein
Vater, der estländische Landespolitiker Günther Zoege von Manteuffel,
ein Sohn des Mannrichters Hermann Zoege von Manteuffel
und seiner Ehefrau Bertha von Parrot
(einer Tochter des Dorpater Physikers Friedrich von Parrot), war
Besitzer des Rittergutes Meyris in Estland. Er war verheiratet mit
Henriette (Rita) von Ramm aus dem Hause Wichterpal/Estland und verließ
im November 1918 seine Heimat. Ihr erster Sohn war Kurt Baron Zoege von
Manteuffel. Seine Kindheit verbrachte er in Estland, wo er im Alter von
zehn Jahren in Reval mit Otto von Taube, dem späteren bekannten Dichter
und Schriftsteller, eine „nie getrübte Freundschaft“ schloß.
Nach einer Deutschlandreise mit seinen Eltern und Geschwistern kehrte er
nicht wie diese nach Estland zurück, sondern besuchte Gymnasien in
Kassel und in Königsberg. Schon damals zeigten sich bei ihm ernsthafte
kunstgeschichtliche Liebhabereien, die ihn nach Abschluß der Schule
diese Wissenschaft studieren ließen. So widmete er sich an den
Universitäten München, Berlin und Halle dem Studium der Kunstgeschichte.
Mit Otto von Taube besuchte er Krakau und Wien, um die dortigen ihm noch
unbekannten Kunstsammlungen durchzuarbeiten, und wurde schließlich im
Jahre 1909 in Halle mit der Dissertation Gemälde und Zeichnungen des
Antonio Pisano promoviert. Nach dem Studium wurde er Assistent beim
Städtischen Museum in Aachen (1909/10). Danach war er von 1911 bis 1914
Redaktionsmitglied des Allgemeinen Lexikons der bildenden Künstler
von der Antike bis zur Gegenwart, begründet von U. Thieme und F.
Becker, in Leipzig. In den Jahren 1914/15 wurde er bereits
stellvertretender Direktor des Kunsthistorischen Instituts in Florenz.
Er hat auch am Ersten Weltkrieg teilgenommen und war in Berlin von 1916
bis 1919 als Hilfsarbeiter am Kaiser-Friedrich-Museum und am
Kupferstichkabinett beschäftigt. Im Jahre 1919 begann er seine Tätigkeit
in Dresden als Kustos am Staatlichen Kupferstichkabinett, dessen
Direktor er im Jahre 1924 wurde. Er blieb es bis zu seinem Tode am 10.
Januar 1941, als er auf einer Reise, die ihn zu seiner sterbenden
Schwester geführt hatte, in Konitz/Westpreußen den Folgen einer
Erkältung erlag.
Als Kunsthistoriker hatte Kurt Zoege von Manteuffel vor allem zwei
Arbeitsgebiete, auf denen er durch mehrere Aufsätze hervorgetreten ist:
die Niederländische Malerei und Graphik sowie Zeichnung und Graphik des
XIX. Jahrhunderts. Eine umfangreiche Monographie mit Oeuvre-Katalog über
Alfred Rethel, an der er seit etwa 1910 gearbeitet hat, war bei seinem
Tode fast vollendet. Außerdem verfaßte er einige sehr verdienstvolle
populärwissenschaftliche Bändchen, u.a. über Leonardo da Vinci (1920),
Hans Holbein, den Maler (1920), Hans Holbein, den Zeichner (1920), über
den Deutschen Holzschnitt (1924), das Flämische
Sittenbild des 17. Jahrhunderts (1921), den Deutschen Kupferstich von
seinen Anfängen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts
(1922), die Niederländischen
Radierungen von ihren Anfängen bis zum Ende des 17. Jahrhunderts (1925),
über Alfred Rethel (1927) und die Malerfamilie van de Velde (1927),
sowie zahlreiche Abhandlungen in Zeitschriften. Sein eigentliches
Lebenswerk aber ist wohl die Leitung des Kupferstichkabinetts in Dresden
gewesen. Er war als Kollege, Experte
und Vorgesetzter sehr geschätzt und
beliebt. Unter anderem hat er sich auch für moderne Kunst wie den
deutschen Expressionismus eingesetzt was nach 1933 zu Angriffen gegen
ihn (und andere Museumsleiter) geführt hat, da sie „Entartete Kunst“ für
öffentliche Sammlungen erworben hätten.
Kurt Zoege von Manteuffel war mit Alexandra Gräfin Schwerin verheiratet,
einer Tochter des Wirklichen Geheimrats Ulrich Graf Schwerin
und der Freda von Bethmann-Hollweg.
Der 1926 in Dresden geborene Sohn
Claus wurde wie sein Vater Kunsthistoriker. Er war seit 1978
Professor für Kunstgeschichte an der
Universität Stuttgart und Direktor des Württembergischen Landesmuseums.
An der großen Monographie seines Vaters über Alfred Rethel hat er
weitergearbeitet.
Lit.:
Wer ist's? (1935). – Otto von Taube: Im alten Estland. Stuttgart 1949. –
Ders.: Wanderjahre. Stuttgart 1950. – Deutschbaltisches biographisches
Lexikon 1710-1960. Köln/Wien 1970.
Bild:
Bildarchiv E. Thomson, Lüneburg
Erik Thomson
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