Arnold Zweig
wurde am 10.
November
1887 in der
Festung
Glogau a. O.
geboren. Das
Fuhr- und
Getreidegeschäft
seines
Vaters Adolf
Zweig, eines
deutschen
Juden, wurde
durch eine
Heeresvorschrift
in den
Konkurs
getrieben,
was zur
Folge hatte,
daß
die Familie
Zweig nach
Kattowitz
übersiedelte,
wo Arnold
Zweig die
Realschule
absolvierte.
Aus dieser
Zeit stammen
die ersten
literarischen
Arbeiten,
die während
der
Studienjahre
in Breslau,
München,
Berlin,
Göttingen,
Rostock und
Tübingen
intensiviert
wurden. Der
Student der
Germanistik,
Philosophie
und
Kunstgeschichte,
der
Psychologie
und der
Soziologie
wurde durch
die
verschiedensten
Erscheinungsformen
des
alltäglichen
Antisemitismus
auf seine
jüdische
Herkunft
aufmerksam.
In seinen
frühen
Dramen
„Ritualmord
in Ungarn“
(1914) und
vor allem in
„Die Sendung
Semaels“,
für das
Zweig 1915
den
Kleistpreis
erhielt,
spiegelt
sich das
Interesse an
der
Geschichte
des
jüdischen
Volkes.
Unter dem
Eindruck der
Lektüre
Freuds,
Nietzsches
und Husserls
waren zuvor
schon einige
Novellen
entstanden,
so etwa
„Vorfrühling“
(1909), „Aufzeichungen
über eine
Familie
Klopfer“
(1911) und
„Die
Novellen um
Claudia“,
die 1912 im
Leipziger
Kurt Wolff
Verlag
erschienen
und ihrem
Autor den
ersten
literarischen
Ruhm
einbrachten.
Das
literarische
Vorbild
dieser Zeit
war Thomas
Mann. Wie
dieser und
viele andere
begeisterte
sich Arnold
Zweig für
die deutsche
Sache im
Ersten
Weltkrieg,
den er als
Armierungssoldat
miterlebte.
Der Eindruck
des Krieges
jedoch
führte zu
einem Prozeß
der
Desillusionierung
und der
Ernüchterung
und zu einer
radikalen
Überprüfung
der eigenen
künstlerischen
wie
politischen
Position.
Ausdruck
dieser
Kurskorrektur
wurde der
breit
angelegte,
autobiographisch
gefärbte
Romanzyklus
„Der große
Krieg der
weißen
Männer“,
dessen
Kernstück
der Roman
„Der Streit
um den
Sergeanten
Grischa“ von
1927 ist.
Zweig zeigt
darin, wie
die
gesellschaftlichen
Strukturen
des
Kaiserreichs
den Krieg
überdauerten
und während
der Zeit der
Weimarer
Republik
bestimmend
blieben. Es
folgte der
Roman „Junge
Frau von
1914“ (1931)
und bereits
während der
Zeit des
Exils
„Erziehung
vor Verdun“
(1935) und
„Einsetzung
eines
Königs“
(1937).
Mit Hitlers
Machtergreifung
von 1933
floh der
Jude und
Sozialist
Zweig
über Prag
und
Frankreich
nach Haifa
im damaligen
Palästina.
In seinem
1943 in
hebräischer
Sprache
erschienenen
Roman „Das
Beil von
Wandsbek“
reagiert
Arnold Zweig
auf die
Geschehnisse
im
Nazi-Deutschland.
In Haifa gab
er auch die
deutschsprachige
Zeitschrift
„Orient“
heraus, die
sich die
Weiterführung
der
deutsch-jüdischen
Kulturtradition
zur Aufgabe
gesetzt
hatte. Zu
jener Zeit
hatte sich
Zweig
bereits vom
Zionismus
gelöst,
den er in
seinem Buch
„Das neue
Kanaan“ von
1925 noch
für
politisch
vertretbar
und
durchsetzbar
gehalten
hatte. In
seinem Roman
„De Vriendt
kehrt heim“
(1932) ist
die Abkehr
vom
Zionismus
schon
deutlich
erkennbar.
Im Jahr 1948
ließ
sich Arnold
Zweig in
Ostberlin
nieder, wo
er zu Beginn
der 50er
Jahre das
Präsidentenamt
der Akademie
der Künste
bekleidete.
In dieser
Zeit wendet
er sich
wieder
seinem
Romanzyklus
„Der große
Krieg der
weißen
Männer“ zu,
dem er zwei
weitere
Romane
hinzufügt:
„Die
Feuerpause“
(1954) und
„Die Zeit
ist reif“
(1957).
Am 26.
November
1968 starb
Arnold Zweig
in
Ostberlin.
Auf den
Dorotheenstädtischen
Friedhof in
Berlin liegt
er begraben.
Weitere
Werke:
Vorfrühling,
N. 1909 (=
„Die Gäste“,
H. 3); Der
Englische
Garten, Son.
1910;
Aufzeichnungen
über eine
Familie
Klopfer, Das
Kind, En.
1911;
Abigail und
Nabal, Dr.
1913 (Neuf.
1920); Die
Bestie, E.
1914 (Neuf.
u.d.T.
Westlandsaga,
Chronik
1952);
Geschichtenbuch,
Nn. 1916;
Bennaröne,
E. 1918; Das
ostjüdische
Antlitz, Ess.
1920; Drei
Erzählungen,
1920;
Entrückung
und Aufruhr.
Zwölf
Gedichte, m.
12 Lithogr.
v. Magnus
Zeller,
Faks.-Druck
1920; Das
Spiel vom
Sergeanten
Grischa,
geschr.
1921,
Romanfassg.
1927 als
Vorabdruck
d.
„Frankfurter
Zeitung“
(Buch
1928);
Söhne. Das
zweite
Geschichtenbuch,
1923;
Gerufene
Schatten,
En. 1923;
Büchner:
Sämtl.
poetische
Werke, nebst
einer
Auswahl
seiner
Briefe, hg.
und eingel.
v. Z., 1923;
H.v. Kleist:
Sämtl.
Werke, 4
Bde., hg. u.
eingel. v.Z.,
1923:;
Lessing,
Ges. Werke,
3 Bde.,
eingel. v.Z.,
1923; Frühe
Fährten, En.
1925;
Regenbogen,
En. 1925;
Die Umkehr
des
Abtrünnigen,
Dr. 1925;
Lessing,
Kleist,
Büchner, Das
neue Kanaan,
Ess. 1925;
Der Spiegel
des großen
Kaisers, N.
1926; Juden
auf der
deutschen
Bühne, 1927;
Caliban oder
Politik und
Leidenschaft.
Versuch über
die
menschlichen
Gruppenleidenschaften,
dargetan am
Antisemitismus,
1927;
Herkunft und
Zukunft, Ess.
1928 (enth.:
Das
ostjüdische
Antlitz u.
Das neue
Kanaan);
Pont und
Anna, N.
1928 (enth.
in:
Regenbogen,
1925);
Laubheu und
keine
Bleibe, Dr.
1930 (auch
u.d.T. Berge
von Schaum,
1922);
Wilde: Werke
hg. v. Z., 2
Bde. 1930;
Die
Aufrichtung
der Menorath,
Entwürf e.
Pantomime
1930; Knaben
und Männer,
En. 1931;
Mädchen und
Frauen, En.
1931; Die
Vriendt
kehrt heim,
R. 1932;
Spielzeug
der Zeit,
En. 1933;
Die Aufgabe
des
Judentums,
zus. m. L.
Feuchtwanger
1933; Bilanz
der
deutschen
Judenheit.
1933, 1934
(erw. 1960,
1964); „Das
Spiel vom
Herrn und
vom Jockel“
(in: „Das
Wort“, 1938,
H. 5);
Versunkene
Tage, R.
1938 (u.d.T.
Verklungene
Tage, 1950);
The living
thoughts of
Spinoza, hg.
v. Z. 1939;
Bonaparte in
Jaffa, Dr.
1939;
Austreibung
1744 oder
Das
Weihnachtswunder,
Spiel 1946;
Der Typus
Hitler 1947;
Allerleirauh,
En. 1949;
Stufen, En.
1949; Die
Kulturschaffenden
und der
Kampf um den
Frieden,
1949; Über
den Nebeln,
N. 1950;
Fahrt zum
Acheron,
Einl. zu
einem Ber.
v. Hilde
Huppert
1951; Der
Elfenbeinfächer,
Nn. 1952;
Ausgewählte
Novellen, 2
Bde.
1953-1955;
Der
Regenbogen,
Nn. 1955;
Soldatenspiele,
Stücke 1956;
Früchtekorb,
Jüngste
Ernte, Aufs.
1957; Fünf
Romanzen,
biblioph.
Ausg.
1958;
Essays, 1959
(Literatur
u. Theater);
Vorw. zu:
Sandbergs
satir.
Zeitgeschichte,1960;
Novellen,
vollst.
Zusammenfassg.
1907-1955, 2
Bde. 1961;
Baruch
Spinoza,
Ess. 1961;
Traum ist
teuer, R.
1962;
Jahresringe,
G. u. Sp.
1964; Aufsätze
zu Krieg und
Frieden,
1967; Über
Schriftsteller,
Ess. 1967;
S. Freud u.
A.Z.:
Briefwechsel,
1968; Der
Briefwechsel
zwischen L.
Fürnberg u.
A.Z., 1978.
–
Ausgewählte
Werke in
Einzelausgaben,
16 Bde.,
1957 bis
1967.
Lit.: Sinn und Form, Sonderh.
A.Z., 1952
(m. Bibl.);
J. Rudolph,
1955; P.
Huys, Diss.
Cent 1959;
P.M. Toper,
Moskau 1960;
E. Hilscher,
1962 u.
31973;
A.Z. – E.
Almanach,
1962; E.
Kaufmann,
A.Z.s Weg z.
Roman, 1967;
Bibl.: Z.V.
Zitomirskaja,
Moskau 1961.
A. Z.
1887-1968.
Werk u.
Leben in
Dokumenten
u. Bildern,
hg. v. G.
Wenzel 1978
(m.
Mitteilungen
aus d.
R.-Fragm.
„Das Eis
bricht“ u.
aus
„Freundschaft
mit Freud“,
Bibl.).
Bernd M.
Kraske